Umweltwirkungen von Tiefkühlprodukten: Auf Rezeptur, Lagerung und Zubereitung kommt es an
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Was beeinflusst die Umweltbilanz eines Lebensmittels?
Tiefkühlprodukte werden häufig mit ihrem Energiebedarf für Kühlung und Lagerung verbunden. Eine Ökobilanz nimmt jedoch den gesamten Lebenszyklus in den Blick. Deswegen haben wir in der Studie „Umweltbilanz Tiefkühlkost 2025“ die ausgewählten Produkte über den gesamten Lebensweg betrachtet: von der landwirtschaftlichen Produktion und der Verarbeitung über Transporte, Lagerung und Verkauf bis hin zur Lagerung, Zubereitung und Entsorgung im Haushalt. Das Ergebnis: Die Angebotsform allein ist meist nicht ausschlaggebend.
Wir haben sieben Produktgruppen untersucht: Erbsen, Hühnerfrikassee, Mandel-Bienenstich-Torte, Weizenbrötchen, Salami-Pizza, Burger-Patties sowie Pommes frites. Dabei haben wir die einzelnen Produkte jeweils
Die Grafik verdeutlicht, dass Umweltwirkungen an mehreren Stellen entstehen: bei der Rohwarenbereitstellung, der Herstellung, der Lagerung im Lebensmittelhandel, der Lagerung und Zubereitung im Haushalt sowie bei der Entsorgung. Der Strommix beeinflusst mehrere dieser Prozessschritte.
Öko-Institut (CC BY-SA 2.0)
Rezeptur und Rohwaren bestimmen die Treibhausgasbilanz
Bei den untersuchten Produkten liegen Tiefkühlprodukte häufig in einer ähnlichen Größenordnung ihrer Treibhausgasemissionen wie die jeweiligen Alternativen. Je nach Produkt können sie aber auch etwas darüber oder darunter liegen.
Auffällig ist vor allem der Unterschied zwischen dem Fleischburgerpattie und der vegetarischen Alternative. Hier wird besonders deutlich, dass nicht die Angebotsform, sondern der Inhalt primär entscheidend für die Umweltbilanz ist. Auch beim Hühnerfrikassee wird dieser Effekt sehr klar sichtbar, da die Bereitstellung der Rohwaren, also das Geflügelfleisch, der höchste Anteil an den Treibhausgasemissionen hat. Die Mandel-Bienenstichtorte ist ein weiteres Beispiel, da hier die vegane Variante geringere Emissionen aufweist als die klassische Tiefkühlvariante.
Bei der Erbse ist die Verpackung und der Prozess des Autoklavierens ausschlaggebend für das Ergebnis. Hier ist ebenso die Lagerdauer relevant: Bei einer Haushaltslagerdauer der Tiefkühlerbsen von bis zu etwa 63 Tagen liegen sie im Szenario der Studie beim Treibhauspotenzial vorn. Bei längeren Lagerzeiten kann sich das Verhältnis umkehren.
Wie Produkte im Haushalt zubereitet werden, beeinflusst maßgeblich die Treibhausgasemissionen wie etwa bei den Pommes und den Brötchen. Hier ist vor allem der Energiebedarf für die Zubereitung im Backofen ein entscheidender Faktor.
Die Grafik stellt die berechneten Treibhausgasemissionen der untersuchten Produkte und ihrer jeweiligen Vergleichsprodukte gegenüber. Die Werte sind als Gramm CO₂-Äquivalente pro 100 Gramm verzehrfertigem Produkt angegeben. Sie sollten jeweils innerhalb der dargestellten Produktgruppe gelesen werden.
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Diese Ergebnisse zeigen: Für die Umweltwirkung eines Lebensmittels ist nicht nur relevant, in welcher Form es angeboten wird. Mindestens ebenso wichtig sind die eingesetzten Zutaten, die Produktionsbedingungen und der Umgang mit dem Produkt nach dem Einkauf.
Auch im Haushalt gibt es wichtige Stellschrauben
Die Studie betrachtet nicht nur die Industrie und den Handel, sondern auch die Nutzung im Haushalt. Lagerdauer, Energieverbrauch bei der Zubereitung, der eingesetzte Strommix und Lebensmittelabfälle können die Umweltbilanz im Haushalt beeinflussen.
Tiefgekühlte Produkte können durch ihre lange Haltbarkeit und die Möglichkeit, sie bedarfsgerecht zu portionieren, dazu beitragen, Lebensmittelverluste zu vermeiden. Dieser mögliche Vorteil hängt davon ab, ob Lebensmittel tatsächlich bedarfsgerecht gekauft und wie beziehungsweise wie lange sie gelagert sowie genutzt werden.
Für Verbraucher*innen ergeben sich daraus mehrere Ansatzpunkte:
- Tiefkühlprodukte vorausschauend kaufen
- unnötige lange Lagerzeiten vermeiden
- energieeffizient zubereiten
- ein möglichst hoher Anteil erneuerbarer Energien im Strommix
- sparsamer Umgang mit Koch- und Essgeschirr
- Lebensmittelabfälle zu verringern
Die Grafik fasst die im Haushalt relevanten Handlungsmöglichkeiten zusammen: vorausschauende Tiefkühllagerung, eine pflanzenbetonte Ernährungsweise mit reduziertem Fleischanteil, energieeffiziente Zubereitung, die Nutzung von Ökostrom, energieeffizientes Spülen sowie die Vermeidung von Lebensmittelabfällen.
Öko-Institut (CC BY-SA 2.0)
Einordnung der Ergebnisse
Die Untersuchung zeigt kein pauschales „besser“ oder „schlechter“ für Tiefkühlprodukte. Je nach Produkt und Umweltwirkung schneiden die Tiefkühlvarianten etwas besser oder etwas schlechter ab. Außerdem betrachtet die Studie neben dem Treibhauspotenzial weitere Umweltwirkungskategorien. Ein Vorteil beim Treibhauspotenzial bedeutet daher nicht automatisch, dass ein Produkt in allen Umweltwirkungen günstiger abschneidet.
Die zentrale Botschaft lautet deshalb: Eine belastbare Bewertung muss den gesamten Lebenszyklus berücksichtigen. Die Rohwaren und die Rezeptur, der Energieeinsatz in Produktion, Handel und Haushalt, die Lagerdauer, die Zubereitung sowie der Umgang mit Lebensmittelresten wirken zusammen. Die neue Ökobilanz liefert dafür eine differenzierte Datengrundlage und macht sichtbar, an welchen Stellen Verbesserungen ansetzen können.
Dr. Florian Antony ist stellvertretender Leiter des Bereichs Produkte & Stoffströme am Standort Freiburg. Er arbeitet zu den Themen nachhaltige Produktion, nachhaltiger Konsum und hat einen Schwerpunkt im Bereich nachhaltige Ernährungssysteme.