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Neues Tool: Flächenverbrauch reduzieren und Klima schützen

Städtchen aus Vogelperspektive, verschiedene Flächen

Emissionen einsparen, indem weniger Flächen neu beansprucht werden

Pro Tag werden in Deutschland etwa 50 Hektar für neue Siedlungs- und Verkehrsfläche beansprucht (Flächenverbrauch). Dabei werden auch Kohlenstoffvorräte aus dem Boden und der Vegetation freigesetzt. Diese Treibhausgasemissionen werden in der Planung bislang selten berücksichtigt, unter anderem weil sie durch fehlende Instrumente nicht gut abgeschätzt werden konnten. Ein neuer kostenloser Rechner, den das Öko-Institut und das Büro Gertz Gutsche Rümenapp im Auftrag des Umweltbundesamts entwickelt haben, schließt diese Lücke. Er ermöglicht Planungsträgerinnen und -trägern, selbstständig zu berechnen, wie viele Treibhausgasemissionen geplante Flächenentwicklungen verursachen können und welche Einsparpotenziale bei alternativen Planungsoptionen bestehen.  

Mit diesem Tool geben wir den kommunalen und regionalen Planerinnen und Planern ein einfaches Instrument an die Hand, mit dem sie die Treibhausgaswirkungen ihrer Planungen besser beurteilen können. Die bisherigen Rückmeldungen aus der Praxis sind durchweg positiv. Wir hoffen auf eine breite Anwendung.
Tobias Wagner
Senior Researcher, Bereich Ressourcen & Mobilität

Weniger Außenentwicklung, mehr Klimaschutz

Neben dem Excel-Tool entwickelte das Projektteam auch ein bundesweites Modell. Es beschreibt für jede Gemeinde in Deutschland, welche Flächen in der Regel neu beansprucht werden und wie die entstehende Siedlungs- und Verkehrsfläche voraussichtlich genutzt wird. 

Gemäß den Modellergebnissen verursacht der Flächenverbrauch in Deutschland aufgrund von Veränderungen bei den Kohlenstoffvorräten im Boden und in der Vegetation jährliche Treibhausgasemissionen von gut einer Million Tonnen CO2-Äquivalente (Mt CO2e). Wenn es gelingt, die Flächenneuinanspruchnahme bis 2030 auf das Bundesziel von höchstens 30 Hektar pro Tag zu senken und bis 2050 auf Netto-Null, lassen sich bis 2050 insgesamt etwa 15 Mt CO2e einsparen. Dabei wird in dem Modell angenommen, dass der in der Außenentwicklung nicht realisierte Wohn- und Gewerberaum stattdessen vollständig in der Innenentwicklung umgesetzt wird. Das geschieht beispielsweise, indem bereits erschlossene Flächen weiter verdichtet werden etwa durch Aufstockungen. Durch das Bauen im Innenbereich von Städten und Gemeinden (Innenentwicklung) lassen sich im Vergleich zur Außenentwicklung im Durchschnitt 80 Prozent der Treibhausgasemissionen einsparen, da die Eingriffe in Boden und Vegetation deutlich geringer sind. 

Emissionen aus Bau und Nutzung dominieren

Im Fokus der Studie stehen die Emissionen, die sich aus Veränderungen im Kohlenstoffvorrat im Boden und in der Vegetation ergeben. Der Flächenverbrauch verursacht darüber hinaus weitere Emissionen bei der Errichtung und Nutzung von Gebäuden und Infrastruktur. Eine quantitative Abschätzung des Projektteams zeigt, dass diese dominieren. So sind die Treibhausgasemissionen aus der Errichtung neuer Gebäude ungefähr um einen Faktor 20 größer als die Emissionen, die aus Kohlenstoffverlusten im Boden und in der Vegetation resultieren. Das Ergebnis unterstreicht, wie relevant Maßnahmen sind, die beispielsweise den effizienten Einsatz und die Wahl der Baumaterialien sowie den Erhalt von Bestandsgebäuden in den Blick nehmen. 

 

Studie „Treibhausgaseinsparpotenziale einer reduzierten Flächenneuinanspruchnahme in Deutschland“ des Öko-Instituts und des Büros Gertz Gutsche Rümenapp

Handlungshilfe „Klima und Kohlenstoffspeicher schützen – Flächenverbrauch vermeiden!“

LULUCF-Wirkungsrechner (Testversion)

 

Diese Studie entstand im Öko-Institut e.V.