Weniger Rohstoffe für die Verkehrswende: Studie zeigt Alternativen zum Ausbau des Bergbaus
Der Rohstoffverbrauch hängt vom Fahrzeugmodell ab
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Die Europäische Union kann den Rohstoffbedarf für Elektroautos erheblich reduzieren und damit ihre Abhängigkeit von Rohstoffimporten und neuem Bergbau verringern. Das zeigt eine neue Studie des Öko-Instituts im Auftrag von SOMO, Seas At Risk und PowerShift. Die Studie untersucht, welche technischen Verbesserungen möglich sind und wie eine nachhaltigere Mobilität zu weniger Rohstoffkonsum beitragen kann. Zudem analysiert die Studie, wie die Maßnahmen rechtlich auf EU-Ebene umgesetzt werden können. Die Analyse betrachtet fünf Handlungsfelder: Batterierecycling, kleinere Fahrzeuge, höhere Energieeffizienz sowie die Verlagerung und Vermeidung von Verkehr.
Fünf Hebel für weniger (Primär-)Rohstoffbedarf
Die Elektrifizierung des Straßenverkehrs ist ein zentraler Baustein für den Klimaschutz. Gleichzeitig führt der steigende Anteil an elektrischen Autos zu einer höheren Nachfrage nach kritischen Batterierohstoffen wie Lithium, Nickel und Kobalt. Die Ergebnisse zeigen, dass das Recycling von Batterierohstoffen erhebliche Einsparpotenziale von Primärrohstoffen bietet. Bis 2040 könnte der Bedarf durch den Einsatz von Sekundärmaterial deutlich sinken: Für Lithium und Nickel sind jeweils Einsparungen von Primärrohstoffen von bis zu 50 Prozent möglich für Kobalt von fast bis zu 70 Prozent.
Auch kleinere und effizientere Elektrofahrzeuge können den Materialbedarf erheblich verringern. Ein ambitioniertes Downsizing der Fahrzeugflotte könnte den Bedarf an wichtigen Batterierohstoffen in 2045 um bis zu 21 Prozent senken (18 Prozent Lithium, 19 Prozent Nickel, 21 Prozent Kobalt). Eine höhere Energieeffizienz kann den Bedarf an Batterierohstoffen um etwa 14 Prozent in 2035 reduzieren. Die technischen Fortschritte sollten zu kleineren Batterien führen und nicht als Reboundeffekt ausschließlich für größere Reichweite oder schwerere Fahrzeuge genutzt werden.
Nachhaltige Mobilität schont Ressourcen
Neben technischen Maßnahmen trägt ein nachhaltiges Mobilitätsverhalten zu weniger Rohstoffkonsum bei. Auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, Rad- und Fußverkehr sowie unnötige Wege zu vermeiden, sind Hebel für klimafreundlicheren Verkehr. Zusammengenommen können diese Maßnahmen den Bedarf an Batteriematerialien bis 2050 um bis zu 36 Prozent reduzieren.
Die Verkehrswende muss nicht nur klimafreundlich, sondern auch ressourcenschonend gestaltet werden. Neben effizienteren Fahrzeugen und einem hochwertigen Batterierecycling brauchen wir deshalb attraktive Alternativen zum privaten Pkw und eine Stadt- und Verkehrsplanung, die kurze Wege ermöglicht und unnötigen Verkehr vermeidet.
Europäische und kommunale Politik gefragt
Die Studie verdeutlicht, dass sich der zukünftige Rohstoffbedarf nicht allein durch zusätzlichen Bergbau decken lassen muss. Die EU kann mit Regelungen wie der Batterieverordnung und dem Critical Raw Materials Act wichtige Voraussetzungen für Recycling und Ressourceneffizienz schaffen. Die Forschenden empfehlen, ambitionierte Vorgaben für den Einsatz recycelter Batterierohstoffe beizubehalten, kleinere Elektroautos stärker zu fördern und den Energieverbrauch von Fahrzeugen als eigenständiges Kriterium in Regulierung und Förderung aufzunehmen. Zugleich sind die Mitgliedstaaten und Kommunen gefragt, nachhaltige Mobilitätsangebote auszubauen und eine Verkehrsplanung zu fördern, die den Pkw-Bedarf verringert.
Eine Kombination aus Kreislaufwirtschaft, effizienteren Fahrzeugen und einer veränderten Mobilität kann damit nicht nur den Druck auf globale Rohstofflieferketten mindern, sondern auch Umweltbelastungen reduzieren und Europas Versorgungssicherheit stärken.
Studie „Decarbonising Road Transport Beyond Mining-Intensive Pathways“ des Öko-Instituts
Diese Studie entstand in der Öko-Institut Consult gGmbH.