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Aktuelle Energiewendepolitik durch die Brille der Transformationsforschung

Die fortwährende Krise im Iran hat die Spritpreise in die Höhe getrieben, der Staat führt einen “Tankrabatt” ein und Gesetzesentwürfe bremsen den Ausbau von PV und Wärmepumpen. Wie das zusammenhängt, erklären Maria Altunay und Dierk Bauknecht im Blog.
Person die mit dem Fahrrad neben Windrädern vorbei fährt

Die Krise im Iran und die daraus resultierenden steigenden Spritpreise lassen sich als klassischer Landscape-Schock im Sinne der Multi-Level Perspective (MLP, z.B. Geels et al. 2023) verstehen. Solche externen Dynamiken entfalten Druck auf bestehende sozio‑technische Systeme (wie zum Beispiel die Energieversorgung). Sie schaffen damit grundsätzlich ein „window of opportunity“ für strukturellen Wandel – etwa hin zu erneuerbaren Energien.

Doch ein Blick auf aktuelle politische Reaktionen zeigt, dass sich solch ein potenziell positiver Wandel nicht automatisch vollführt. Der eingeführte Tankrabatt ist ein typisches Beispiel für eine Reaktion des etablierten Systems Reaktion: Er zielt darauf ab, die unmittelbaren Auswirkungen steigender Preise abzudämpfen, stabilisiert damit jedoch zugleich bestehende, fossil geprägte Strukturen. Der kurzfristige politische Imperativ – soziale Entlastung und Sicherung von Akzeptanz – überlagert hier längerfristige Transformationsziele. Zeitgleich bremsen neue Regulatorien im Bereich Photovoltaik und Wärmepumpen den Ausbau gerade jener Technologien, die zentrale Bausteine einer nachhaltigen Transformation darstellen. Sobald solche Innovationen keine Nische mehr sind, erfordern sie Anpassungen im bestehenden im vorherrschenden Energiesystem und rufen umso mehr Gegenreaktionen hervor. Das zeigt sich auch am Beispiel kleiner Photovoltaik-Dachanlagen, die nun verstärkt in den Strommarkt integriert werden sollen oder am Beispiel von Wind und PV, deren weiterer Ausbau sich nun an Netzengpässen orientieren soll, anstatt das Netz verstärkt auszubauen.

So entsteht eine widersprüchliche Dynamik: Während der Landscape-Druck (etwa steigende Preise fossiler Energieträger) die Bedingungen für einen beschleunigten Übergang zu erneuerbaren Energien verbessert, wird dieses Transformationspotenzial politisch unterlaufen. Statt neue Technologien wie Wärmepumpen gezielt zu schützen, zu fördern und in den Markt zu überführen (wie es im Strategic Niche Management (siehe z.B. Giganti and Falcone, 2022) diskutiert wird), stärken politische Maßnahmen in diesem Fall die Stabilität des bestehenden fossilen „Regimes“. 

Die aus Krisen resultierenden Chancen für nachhaltigen Wandel hängen also entscheidend davon ab, wie politische Akteure auf solche Situationen reagieren. Der Staat nimmt dabei eine ambivalente Rolle ein – er kann sowohl als Treiber von Transformation wirken, als auch als Stabilisierungskraft bestehender Strukturen und Pfadabhängigkeiten. Diese Ambivalenz diskutiert Maria Altunay ich auch in ihrer Doktorarbeit am Beispiel der Solarenergie in Schweden, wo der Staat maßgeblich zur Etablierung der Technologie beigetragen hat, während er gleichzeitig Initiativen von Energiegemeinschaften blockierte. 

Insgesamt geht es also darum, nicht nur bessere Technologien, neue Regulierung oder soziale Innovationen zu entwickeln, sondern auch darum, den Transformationsprozess so zu gestalten, dass Nachhaltigkeit möglich wird. Die angewandte Forschung des Öko-Instituts und die konzeptionelle Transformationsforschung können sich dabei auch in Zukunft gegenseitig bereichern.

Maria Altunay hat als Gastwissenschaftlerin am Öko-Institut im Bereich Energie & Klimaschutz ihre Doktorarbeit zu Ende geschrieben. Das Öko-Institut bringt seine wissenschaftliche Expertise im Sustainability Transitions Research Network(STRN) ein, wo rund um Nachhaltigkeitstransformationen geforscht wird. Zusammen mit Dierk Bauknecht beleuchtet Maria Altunay Anknüpfungspunkte zwischen Konzepten der Sustainability Transitions Forschung, tagespolitischen Themen und der Arbeit des Öko-Instituts. 

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