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„Am Ende sollte kein „Aber“, sondern ein „Und“ stehen“

Nach 30 Jahren Vorstandsarbeit verlässt Dorothea Michaelsen-Friedlieb das Öko-Institut. Im Blog würdigen wir ihre Arbeit und blicken auf drei Jahrzehnte Engagement zurück.
Dorothea Michaelsen-Friedlieb
Dorothea Michaelsen-Friedlieb auf der Jahrestagung des Öko-Instituts 2022

Dorothea auf der Jahrestagung 2022

„Zum Geburtstag viel Glück, zum Geburtstag viel Glück“, nicht nur einmal hat Dorothea Michaelsen-Friedlieb ein Geburtstagsständchen am Öko-Institut erhalten. Das schönste Mal war für sie bei der letzten Mitarbeitendentagung, als das ganze Institut für sie sang. Dorothea hat das Öko-Institut über drei Jahrzehnte mit Ruhe, Klarheit und Vermittlungskraft geprägt.

Doch zurück zum Anfang: 1996 wurde Dorothea nach einer gemeinsamen Fortbildung mit Mitarbeitenden vom Öko-Institut gefragt, ob sie für den Vorstand kandidieren wolle. Die lösungsorientierte Ausrichtung des Öko-Instituts in Verbindung mit „Lebensthemen“ wie Klima- und Umweltschutz hat Dorothea sofort überzeugt. Eine Entscheidung, die ihren weiteren beruflichen Lebensweg prägte: Nach der gewonnenen Wahl gegen andere Kandidat*innen gestaltete sie das Institut dreißig Jahre ehrenamtlich mit. Nachdem sie stellvertretende Vorstandssprecherin war, ist Dorothea nun seit 13 Jahren Vorstandssprecherin. 

Meinungsverschiedenheiten aushalten und zusammenbleiben

Vor dreißig Jahren war das Institut noch ein anderes: Wenige Computer, weniger Mitarbeitende, andere Büroräume. Vieles hat sich seitdem geändert, vieles ist dem Institut auch erhalten geblieben. Am wichtigsten: Das berufliche sowie persönliche Engagement und das wertvolle Miteinander. „Das Öko-Institut ist etwas Besonderes. Der respektvolle Umgang ist ein Vorbild für ein berufliches Miteinander“, fasst Dorothea zusammen. 

Dabei war der Ton anfangs oft rauer und es wurde beherzt gestritten. Umso mehr war Dorotheas professionelle Kompetenz als Psychologin in der Unternehmensentwicklung gefragt. „Ich habe viel vermittelt und dafür gesorgt, dass alle Kolleg*innen bedacht wurden.“ Sie moderierte Bereichssitzungen und bot Seminare für Mitarbeiterführung an. Dadurch kannte sie fast alle Mitarbeitenden und hatte eine gute Beziehung zu ihnen. „Für ein größeres Institut braucht es klare Aufgaben und klare Zuständigkeiten.“ Das Institut ist langsam gewachsen und konnte sich dadurch stetig wandeln. Ein Vorteil, wie Dorothea betont. Wertvolle Elemente wie eine umfangreiche Beteiligung und der respektvolle Umgang blieben dadurch erhalten. „Es gab durchaus auch schwierige Momente und ich habe alle Bedenken angehört mit der Prämisse, dass am Ende kein „aber“, sondern ein „und“ stehen sollte.“ 

Vorstand des Öko-Instituts 2025

Der Vorstand des Öko-Instituts, 2025

Dorothea Miachelsen-Friedlieb und Ulrike Schell, Vorstandssprecherinnen des Öko-Instituts 2019

Dorothea mit der stellvertretenden Vorstandssprecherin Ulrike Schell

Vorstandssprecherin und Gleichstellungsbeauftragte

Nicht nur die Mitarbeitenden und die Struktur des Instituts haben sich weiterentwickelt. Als Vorstandssprecherin hat Dorothea lange Jahre eng mit Ulrike Schell, stellvertretende Vorstandssprecherin, zusammengearbeitet und die Vorstandsarbeit professionalisiert. „Wir tauschen uns viel aus und ergänzen unsere Arbeit.“ Gemeinsam regen die externen und internen Vorstandsmitglieder mit kritischem Blick Veränderungen an. „Ich schätze die Zusammenarbeit im Vorstand und dass die verschiedenen Kompetenzen gut ineinandergreifen. Unsere Arbeit ist weiterhin geprägt durch Freundschaft und Kollegialität. Die klaren Rollen und Aufgaben erleichtern einen wertschätzenden Umgang.“

Neben der Personalführung ist Gleichberechtigung ein wichtiges Thema für Dorothea, das sie lange als Gleichstellungsbeauftragte des Vorstands begleitete. „Als ich mit meiner Vorstandsarbeit anfing, waren es überwiegend männliche Kollegen in der Wissenschaft und Frauen mussten ihren Standpunkt verteidigen.“ Inzwischen wurde am Institut viel erreicht. Wichtige Leitlinien wie der Code of Conduct oder die Diversitätsstrategie sind in den letzten Jahren entstanden. „Somit ist meine Zuständigkeit für Gleichstellung zu meiner kleinsten strategischen Aufgabe geworden. Darauf bin ich stolz, am Institut wird Vereinbarkeit nicht nur von Kolleginnen gelebt, sondern von der Mehrheit aller Mitarbeitenden.“ 

Besonnen in die Zukunft

Die Arbeitsweise des Öko-Instituts verwendete Dorothea auch in ihrer hauptamtlichen Tätigkeit als Vorbild für eine funktionierende Organisation. Doch nicht nur die Arbeitsweise zeichnet das Institut aus: „Mit unterschiedlichen politischen Parteien und verschiedenen Akteuren wird konstruktiv zusammengearbeitet. Lösungen auch in die Praxis umzusetzen, ist eine wichtige Aufgabe.“ Für die Zukunft wünscht sie dem Institut weiterhin Zuversicht und Besonnenheit. „Denkt an einen Vogel als Symbol für die Metaperspektive. Verhakt euch nicht in schwierigen Situationen und würdigt, was bereits erreicht wurde.“

Auch wenn sie die jahrzehntelange ehrenamtliche Vorstandsarbeit nun aufgibt, mehr Ruhe wird kaum in ihr Leben einkehren. „Ich bin schon eine Weile in Rente und bin seitdem sehr aktiv in meiner Gemeinde bei ‚Aufstehen gegen Rechts‘, außerdem singe ich im Chor.“ Ihr großherziges Engagement führt sie an anderer Stelle fort.

Ein herzlicher Abschied

Unter den Mitarbeitenden wurde und wird Dorothea hoch geschätzt für ihre inklusive, empathische Art. Sie wird als vermittelnde Person im Vorstand fehlen. So erklärt Mandy Schoßig, Leiterin der Kommunikation: „Ohne deine ruhige Gelassenheit, ohne deinen zugewandten, ja liebevollen Blick auf das Institut und uns darin, ohne deine motivierenden, klaren und oft so treffenden Worte an uns bei MATs, in Vorstands- und gemeinsamen EIL-Sitzungen – wie soll das werden? Kurz: Es ist klar und deutlich, dass du uns fehlen wirst!“ Auch anderen Kolleg*innen war sie in ihrem beruflichen Weg eine Stütze und hat stets ermuntert, sich auch neue Dinge zu trauen. Anke Herold, Geschäftsführerin, erinnert sich, wie Dorothea ihr zur Seite stand, als noch überwiegend männliche Kollegen die Wissenschaft dominierten: „Sie hat mich immer unterstützt und mich ermutigt, auch Führungspositionen wahrzunehmen.“

Wir danken Dorothea für ihre langjährige Unterstützung und werden ihre vermittelnde, zupackende Art vermissen. Ihre Haltung, jederzeit alle Perspektiven zu bedenken, bleibt dem Institut erhalten.

Dorothea Michaelsen-Friedlieb arbeitete hauptamtlich als Unternehmensberaterin für Nonprofit-Organisationen. Sie gehörte dem Vorstand des Öko-Instituts seit 1996 an. Dabei hat sie sich besonders in Personalfragen engagiert.

Weitere Informationen

Blogbeitrag „3 Fragen an den Vorstand: Dorothea Michaelsen-Friedlieb“

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