Schäden oder Chancen?
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Die Wiedervernässung von Mooren ist ein wertvolles Instrument, um Umwelt und Klima zu schützen. Zum einen bleibt so der Kohlenstoff im Boden gespeichert, der bei einer Trockenlegung in die Atmosphäre als CO₂ entweicht, zum anderen entstehen so wertvolle Lebensräume mit einer moortypischen Biodiversität. Es gab zahlreiche Widerstände gegen die Wiedervernässung. So etwa von Landwirt*innen, die dadurch wirtschaftliche Einbußen befürchten, oder von Anwohner*innen, die sich Sorgen über Schäden an ihren Häusern machen.
Sind diese Sorgen berechtigt? Das haben wir Dr. Greta Gaudig von der Universität Greifswald, Partner im Greifswald Moor Centrum gefragt. Sie leitet das Projekt MOOSland, in dem mehrere Moorflächen in Niedersachsen wiedervernässt werden.
Dr. Gaudig, ist die Wiedervernässung für Landwirt*innen tatsächlich ein Verlust?
Ich sehe darin eine große Chance. Bislang werden Moore entwässert, um sie landwirtschaftlich zu nutzen. Das führt jedoch zu hohen Treibhausgasemissionen und zum Verlust an Bodenhöhe und von Produktionsfläche. Wenn sich Landwirt*innen zukunftsfähig aufstellen wollen, auch für die nächsten Generationen, müssen sie also umdenken. Paludikultur bietet die Chance dafür.
Unser Projekt zeigt, dass es jetzt schon eine hohe Nachfrage nach der Torfmoos-Biomasse gibt. Sie ist der beste Torfersatz und kann Weißtorf, der im Gartenbau genutzt wird, vollständig ersetzen. Das verdeutlicht nicht zuletzt das Torfwerk Moorkultur Ramsloh, mit dem wir in diesem Projekt zusammenarbeiten und das die gewonnene Torfmoos-Biomasse vermarktet. Bislang sind die Torfmoose noch teurer als der „klassische“ Torf. Landwirt*innen schaffen mit einer Umstellung auf Paludikultur einen erheblichen Mehrwert für Menschen und Umwelt. Wenn sie diese Leistungen in Wert setzen könnten, wäre das ein zusätzlicher Anreiz.
Was muss sich ändern, damit Torfmoose aus Paludikulturen wirtschaftlich werden?
Natürlich braucht es mehr interessierte Landwirt*innen. Das kann durch die Änderung von politischen Rahmenbedingungen befördert werden. Wichtig ist etwa, dass Paludikultur-Biomasse vollständig als landwirtschaftliches Produkt anerkannt wird und dann auch im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU, kurz GAP, förderfähig sind. Darüber hinaus braucht es aus meiner Sicht ebenso eine Investitionsförderung für die Landwirt*innen, denn die Umwandlung ist teuer. Hier erhoffe ich mir auch, dass es im Zuge der EU-Wiederherstellungsverordnung und des nationalen Wiederherstellungsplans Förderungen für Landwirt*innen geben wird. Schließlich leisten sie damit einen wesentlichen Beitrag für den Schutz und den Wiederaufbau von Ökosystemen und damit zur Erreichung der entsprechenden Ziele.
Sind durch Ihr Projekt Siedlungen gefährdet?
Interessant finde ich an dieser Frage, dass auch die Trockenlegungen Siedlungen schädigen können, denn dadurch sackt der Boden ab und es entstehen zum Beispiel Risse an Häusern. Gleichzeitig wird gegen die Wiedervernässung oft das Argument vorgebracht, es käme Nässe in die Häuser. Dies ist aber nicht automatisch gegeben, denn es hängt immer von den Bedingungen am jeweiligen Standort ab. So spielt es etwa eine Rolle, in welche Richtung der Grundwasserfluss geht – also zu den Gebäuden hin oder von ihnen weg.
In unserem Projekt war vorhersehbar, dass es keine Schädigungen geben wird, da der Grundwasserstrom von den Häusern weg geht. Darüber hinaus gibt es einen großen Entwässerungsgraben. Zusätzlich haben wir einen Sicherheitsabstand von Siedlungen einkalkuliert und Pegel angebracht, über die wir kontrollieren können, wie sich die Anhebung des Wasserstandes auf die Umgebung auswirkt.
Dr. Greta Gaudig ist Biologin und leitet das Verbundprojekt MOOSland an der Universität Greifswald, wo sie im Institut für Botanik und Landschaftsökologie tätig ist. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören unter anderem die Moorökologie sowie standortangepasste Bewirtschaftungsverfahren für wiedervernässte Hochmoore. Darüber hinaus ist sie Leiterin des Greifswald Moor Centrum.
Das Projekt MOOSland baut auf mehreren Vorgängerprojekten auf. Nun erprobt die Universität Greifswald mit sieben Partnern in Niedersachsen in größerem Maßstab den Anbau von Hochmoor-Paludikulturen und befasst sich dabei auch mit der zukünftigen Vermarktung der Torfmoose. So bereitet das Projektteam unter anderem eine RAL-Gütesicherung vor.
Weitere Informationen
eco@work, Ausgabe Juni 2026: Wiederherstellung der Natur
Website des Projektes MOOSland
Website des Torfwerks Moorkultur Ramsloh