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Final Report

Technical assistance to monitor functioning of the guarantees of origin (GO) system

Der Abschlussbericht „Technical assistance to monitor functioning of the guarantees of origin (GO) system“ untersucht das europäische System der Herkunftsnachweise (HKN) für Energie. Die Studie unterstützt die Monitoring-Aufgabe der Europäischen Kommission nach Artikel 19 Absatz 13a der geänderten Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED II. Im Fokus stehen die Funktionsweise des Systems, das Verhältnis von Angebot und Nachfrage am Markt für Herkunftsnachweise sowie Faktoren, die dieses Verhältnis beeinflussen. 

Die Analyse konzentriert sich zunächst auf den Strommarkt für Herkunftsnachweise. Dafür werden sechs Marktdimensionen betrachtet: Liquidität, Harmonisierung, Stabilität, Transparenz, Effizienz sowie Reaktionsfähigkeit beziehungsweise Wettbewerbsfähigkeit. Die Untersuchung stützt sich so weit wie möglich auf quantitativen Daten zu HKN-Flüssen und Preisen; ergänzt wird dies durch Literatur, verfügbare Datensätze, Interviews und eine Stakeholder-Befragung.

Ein zentrales Ergebnis ist, dass der europäische Markt für Herkunftsnachweise grundsätzlich liquide ist, aber strukturell ein Überangebot aufweist. Die Studie schätzt dieses Überangebot auf aktuell rund 100 TWh pro Jahr; zugleich wächst das Volumen der ausgestellten Herkunftsnachweise im Durchschnitt schneller als die das Volumen der entwerteten Nachweise: 74 TWh pro Jahr gegenüber 59 TWh pro Jahr seit 2015. Die Ausstellungsraten variieren je nach Technologie erheblich: Für Wasserkraft lagen sie 2023 bei rund 90 Prozent der erzeugten Strommenge, für Wind bei 54 Prozent und für Solarenergie bei 34 Prozent. Als Einflussfaktoren nennt die Analyse unter anderem den Ausbau erneuerbarer Energien, Förderregeln, administrative Hürden für kleinere Anlagen, Eigenverbrauch sowie unterschiedliche Regeln für subventionierten Strom.

Die Studie zeigt außerdem, dass der Markt in mehreren Bereichen noch nicht vollständig harmonisiert ist. Zwar trägt die Association of Issuing Bodies (AIB) mit dem EECS-Standard und dem AIB Hub wesentlich zur europäischen Marktintegration bei, doch bestehen weiterhin Unterschiede beim Marktzugang, bei den nationalen Registern, bei den Gültigkeitsdauern von Herkunftsnachweisen sowie bei den Regeln für geförderte Strommengen. Auch Transparenz bleibt ein Thema: Während regulatorische Informationen und historische HKN-Daten gut dokumentiert sind, sind aktuelle Preisinformationen und die Preisbildung nur eingeschränkt nachvollziehbar. Viele Marktakteure sind deshalb auf Dritte wie Broker oder Händler angewiesen.

Mit Blick auf die Wirksamkeit kommt die Studie zu einer differenzierten Bewertung. Herkunftsnachweise erfüllen ihre Kernfunktion, Verbraucher*innen und Unternehmen über die Herkunft erneuerbarer Energie zu informieren und Doppelzählungen zu vermeiden. Der Beitrag des HKN-Systems zum zusätzlichen Ausbau erneuerbarer Energien ist dagegen sehr begrenzt und hängt stark davon ab, ob eine Nachfrage nach bestimmten Qualitätsmerkmalen wie regionaler Herkunft, jüngeren Anlagen oder zusätzlicher erneuerbarer Erzeugung entsteht. Für die weitere Entwicklung bis 2030 und darüber hinaus untersucht die Studie mögliche Pfade des Strom-HKN-Marktes sowie Entwicklungen wie RFNBOs, Power Purchase Agreements (PPAs, Stromabnahmeverträge), zusätzliche Qualitätskriterien und neue Marktteilnehmer wie Energiegemeinschaften.

Ergänzend untersucht der Bericht den Markt für Gas-Herkunftsnachweise. Dieser ist im Vergleich zum Strommarkt noch weniger entwickelt, wird aber im Zusammenhang mit erneuerbaren Gasen, der EU-Datenbank und künftigen Zertifizierungsanforderungen relevanter.

Abschließend stellt die Studie dar, in welchen Handlungsfelder sich das HKN-System weiterentwickeln kann, und welche Auswirkungen unterschiedliche identifizierte Entwicklungsoptionen in diesen Handlungsfelder für HKN-Systeme haben könnten. Dies umfasst unter anderem die Handlungsfelder im Zusammenhang mit verbesserten technischen Rahmenbedingungen, größerer Transparenz, harmonisierten Regeln, einer gezielteren Abstimmung von Angebot und Nachfrage sowie spezifischen Klärungen für Gas-Herkunftsnachweise. Die Analyse zeigt, dass viele vorgeschlagene Weiterentwicklungen des Herkunftsnachweissystems Zielkonflikte verursachen und teilweise unterschiedliche, miteinander unvereinbare Vorstellungen über die zukünftige Rolle von Herkunftsnachweisen verfolgen. So steht beispielsweise die von einigen Stakeholdern  geforderte Entwicklungsoption, einen einheitlichen HKN-Markt beizubehalten und sämtliche geografischen Beschränkungen abzuschaffen im klaren Widerspruch zur ebenfalls betrachteten Forderung, den “Book-and-Claim”-Ansatz für Herkunfsnachweise abzuschaffen oder einzuschränken, und zu weiteren Entwicklungsoptionen, die auf eine stärkere geografische und zeitliche Granularität abzielen. Deshalb sollte auf gesellschaftlicher und politischer Ebene zunächst die angestrebte grundsätzliche Funktion von Herkunftsnachweisen und ihrer marktbasierten Nutzung im europäischen Energiesystem geklärt werden, bevor konkrete Maßnahmen umgesetzt werden.

Diese Studie entstand unter Beteiligung des Öko-Institut e.V. gemeinsam mit LBST und Trinomics im Auftrag der Europäischen Kommission, Generaldirektion Energie.