Projektionsbericht 2026: Deutschland verfehlt langfristige Klimaziele weiterhin
Klimaziele 2045: Deutschland weiterhin im deutlichen Rückstand
© Öko-Institut / Ilja C. Hendel
Deutschland kann seine klimaschädlichen Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 nicht wie geplant reduzieren. Anstatt die Emissionen um 65 Prozent gegenüber 1990 zu mindern, wie im Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) festgelegt, werden nur knapp 63 Prozent erreicht. Auch das im KSG geforderte Minderungsziel von 88 Prozent bis 2040 gegenüber 1990 wird mit projizierten 80 Prozent um acht Prozentpunkte verfehlt. Die geforderte Treibhausgasneutralität bis 2045 wird so nicht erreicht. Das zeigt der Projektionsbericht 2026, den das Öko-Institut gemeinsam mit Fraunhofer ISI, IREES, Prognos, M-Five, FfE und dem Thünen-Institut im Auftrag des Umweltbundesamtes erstellt hat.
Der Bericht analysiert die Wirkung bestehender klimapolitischer Instrumente bis zum Jahr 2050 anhand des Mit-Maßnahmen-Szenarios (MMS). Dieses umfasst alle zu Beginn der Projektionsarbeiten bereits geltenden Klimaschutzinstrumente. Die Projektionen dieses Szenarios in die Zukunft dürfen nicht als Prognose missverstanden werden. Vielmehr werden mit Hilfe von Modellen langfristige, plausible Emissionsentwicklungen unter den Bedingungen und Annahmen zum Startpunkt der Modellierung erzeugt.
Sektorale Entwicklung uneinheitlich
Das Bundes-Klimaschutzgesetz beinhaltet je Sektor bis 2030 Jahresemissionsmengen, die nicht überschritten werden sollten. Die projizierten Emissionen entwickeln sich in den Sektoren unterschiedlich, wie folgt:
In der Energiewirtschaft wird der Großteil der Emissionsminderung bis zum Jahr 2030 durch den Ausbau der erneuerbaren Energien erreicht. Im Jahr 2030 liegt der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch im MMS bei rund 79 Prozent. Das Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch auf 80 Prozent zu erhöhen wird damit knapp verfehlt. 2028 ist der Energiesektor damit nicht mehr der größte Emittent.
Die Industrie wird etwa ab 2032 zum größten Emittenten und bleibt es bis 2050. Die Emissionen sinken bis 2030 um rund 60 Prozent. Das Instrument, das den größten Beitrag zur Emissionsminderung leistet, ist der EU-Emissionshandel.
Im Gebäudesektor bestehen weiterhin große Defizite. Bis 2030 entsteht im MMS eine Lücke von 110 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (Mio. t CO2-e). gegenüber dem im KSG beschriebenen Minderungspfad der Jahresemissionsmengen.
Auch im Verkehrssektor werden die im KSG angegebenen Jahresemissionsmengen bis 2030 jährlich überschritten. Bis 2030 fehlen im MMS 187 Mio. t CO₂-e zum beschriebenen Minderungspfad. Die Zielmarke von 15 Mio. batterieelektrischen Fahrzeugen wird mit 7 Mio. Fahrzeugen klar verfehlt.
Die Landwirtschaft unterschreitet die Jahresemissionsmengen bis 2030. Vor allem führen geringere Mengen ausgebrachten Stickstoffs und die Verbesserung der Stickstoffeffizienz zu sinkenden Emissionen. Da die Emissionen in der Landwirtschaft jedoch langfristig deutlich langsamer sinken als in anderen Sektoren, wird sie langfristig zur zweitgrößten Emissionsquelle.
Der Sektor Abfallwirtschaft und Sonstiges unterschreitet die Jahresemissionsmengen bis 2030 ebenfalls – in Summe um 17 Mio. t CO2-e. Maßnahmen wie Deponiebelüftung, optimierte Gaserfassung, klimafreundlicher Abfallbehandlung führen zu deutlich sinkenden Emissionen.
Ziele im Landnutzungssektor deutlich verfehlt
Der LULUCF-Sektor (Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft) verfehlt die für die Jahre 2030, 2040 und 2045 im KSG hinterlegten Zielwerte und bleibt eine Emissionsquelle. Gründe sind unter anderem die reduzierte Senkenleistung der Wälder und hohe Emissionen aus organischen Böden. 2030 liegen die projizierten Emissionen im MMS bei rund 25 Mio. t CO₂-e und erhöhen sich bis 2045 auf 27 Mio. t CO2-e. Im Startjahr der Projektionen lagen sie bei 38 Mio. t CO2-e.
Deutschland verfehlt auch nationales EU-Klimaziel
Jenseits der selbst gesetzten deutschen Klimaschutzziele hat sich Deutschland als Mitglied der Europäischen Union ebenfalls auf konkrete Ziele zur Emissionsminderung verpflichtet. Auch diese Ziele im Rahmen der Effort-Sharing-Verordnung, die für alle Emissionen gelten, die nicht dem EU-Emissionshandel unterliegen, werden von Deutschland deutlich verfehlt. Das projizierte Defizit summiert sich für den Zeitraum von 2021 bis 2030 auf 255 Mio. t CO2-e.
Studie „Treibhausgas-Projektionen 2026 für Deutschland“ des Öko-Instituts