Wasserstoffstrategie in Pakistan: Überblick über die technoökonomischen Aspekte und den strategischen Weg
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Mit dem zunehmendem Umstieg auf klimafreundliche Produktion, gewinnt erneuerbarer Wasserstoff (RES-Wasserstoff) als zentrale Lösung für die Dekarbonisierung der Industrie zunehmend an Bedeutung. Pakistan verfügt über große Potenziale bei erneuerbaren Energien, insbesondere in den Provinzen Sindh und Belutschistan, und damit über gute Voraussetzungen für den Aufbau eines Sektors für erneuerbaren Wasserstoff. Das Land bereitet eine nationale Wasserstoffstrategie vor, die zur Diversifizierung der Energieversorgung und zur Erreichung seiner langfristigen Klimaziele beitragen soll. Die zentrale Herausforderung besteht darin, dieses technische Potenzial mithilfe geeigneter politischer Rahmenbedingungen, tragfähiger Geschäftsmodelle und leistungsfähiger Institutionen in einen funktionierenden Markt zu überführen. Dieser Blogbeitrag stellt die wichtigsten Ergebnisse des Arbeitspapiers mit dem Titel „Techno-economic assessment (TEA) of renewables-based hydrogen in Pakistan“ vor und erörtert, wie Wasserstoff die Energiewende des Landes vorantreiben kann.
Pakistans Energiewende erfordert einen strategischen Rahmen für Wasserstoff
Pakistan steht derzeit vor verschiedenen Herausforderungen in den Bereichen Energie, Wirtschaft und Umwelt, die miteinander zusammenhängen. Das Energiesystem des Landes ist nach wie vor stark von importierten fossilen Brennstoffen wie Erdgas, Öl und Kohle abhängig. Dadurch ist es anfällig für Preisschwankungen und geopolitische Unsicherheiten. Prognosen zufolge könnten die Erdgasimporte des Landes bis 2032 mehr als 29 Milliarden Kubikmeter erreichen, während die lokal nur 22 Milliarden Kubikmeter produziert werden würde, sofern keine weiteren Reserven erschlossen werden. Im Bereich der erneuerbaren Energien machten Solarenergie (PV) und Windkraft im Jahr 2024 weniger als 5 Prozent der netzgebundenen Stromerzeugung Pakistans aus. Dies steht im Gegensatz zu dem ehrgeizigen politischen Ziel des Landes, bis 2030 einen Anteil von 30 Prozent erneuerbarer Energie am Strommix zu erreichen. Vor diesem Hintergrund stellt Wasserstoff sowohl eine Chance als auch eine Herausforderung dar. Wenn die Strategie nicht auf realistischen wirtschaftlichen und institutionellen Reformen basiert, besteht die Gefahr, dass sie sich von der allgemeinen Energiepolitik abkoppelt, anstatt die Entwicklung eines heimischen Wasserstoffmarktes zu beschleunigen. Einige wichtige zu berücksichtigende Punkte sind:
- Ehrgeizige Wasserstoffziele ohne tragfähige Finanzierungsmechanismen können unrealistische Erwartungen wecken und die Glaubwürdigkeit der Politik untergraben.
- Eine übermäßige Betonung von Wasserstoffexporten ohne Anreize und Mechanismen zur Risikominderung könnte die Entwicklung des Wasserstoffmarktes behindern.
- Sind die inländische Nachfrage, die Infrastruktur und die regulatorischen Rahmenbedingungen unterentwickelt, könnten Wasserstoffprojekte Schwierigkeiten haben, wirtschaftliche Rentabilität zu erreichen.
Pakistans Exportambitionen im Bereich Wasserstoff dürften auf kurze Sicht begrenzt bleiben
Die auf dem PTX Business Opportunity Analyzer (BOA) basierende wirtschaftliche Bewertung legt nahe, dass Pakistan derzeit beim Export von PtX-Produkten in wichtige Importmärkte wie China, Deutschland oder Japan keine Kostenwettbewerbsfähigkeit gegenüber regionalen Konkurrenten aufweist. Dies ist in erster Linie auf Faktoren wie die Finanzierungskosten zurückzuführen, die die durchschnittlichen Produktionskosten erhöhen, sowie auf die im Vergleich zu Konkurrenten wie dem Nahen Osten und Nordafrika größere geografische Entfernung zu diesen Märkten. Der Transport von reinem Wasserstoff ist weltweit nach wie vor kostspielig, unabhängig vom Exportland. Der Transport von reinem Wasserstoff von Pakistan nach Europa oder in die Vereinigung südostasiatischer Staaten (ASEAN) kann allein die Produktionskosten um fast 60 Prozent erhöhen, wodurch er deutlich weniger wettbewerbsfähig ist als Exporte aus geografisch näher gelegenen Regionen.
Ammoniak und Methanol erweisen sich daher als praktischere Exportträger, da die Transportkosten im Fernhandel geringer sind. Wo Endverbraucher jedoch Wasserstoff benötigen, verursacht die Rückumwandlung aus Ammoniak zusätzliche Kosten und Effizienzverluste, was die wirtschaftliche Rentabilität insgesamt mindert. Speziell für Pakistan gilt: Während die Exportchancen für Ammoniak und Methanol im Vergleich zu reinem Wasserstoff mittelfristig vielversprechend sein mögen, schränken die hohen Finanzierungskosten die Position des Landes auf dem Weltmarkt weiterhin ein.
Vergleich der Ammoniak-Importkosten nach China für ausgewählte Länder auf Basis von PtX BOA v3.0.3 (WACC für Pakistan = 15,72 %)
Die Wettbewerbsfähigkeit Pakistans bei den Wasserstoffkosten hängt stark von den Kapitalkosten ab
Die Wettbewerbsfähigkeit Pakistans bei der Wasserstoffproduktion hängt nicht nur von der Menge erneuerbarer Energien und einer kostengünstigen Stromerzeugung ab. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis ist, dass die Finanzierungsbedingungen für die wirtschaftliche Rentabilität der Wasserstoffproduktion eine größere Rolle spielen als technologische Faktoren. Eine Analyse unter Verwendung von PTX BOA zeigt, dass eine Senkung der gewichteten durschnittlichen Kapitalkosten (englisch Weighted Average Cost of Capital (WACC )) um 5 Prozent die durchschnittlichen Wasserstoffkosten (LCOH) im mittelfristigen (2040) Szenario von BOA um etwa 25 Prozent senken könnte. Dieser Effekt ist mit einem Jahrzehnt technologischen Fortschritts und den damit verbundenen CAPEX-Reduzierungen vergleichbar. Bei einem WACC von 5 Prozent (Finanzierungsbedingungen für die meisten Industrieländer) verringert sich die Kostendifferenz zwischen Wasserstoff aus erneuerbaren Energien und den aktuellen Wasserstoffproduktionskosten Pakistans mittels Dampf-Methan-Reformierung (SMR) erheblich.
Auswirkungen des WACC auf die durchschnittlichen Kosten von Wasserstoff (USD2025/kg) basierend auf PtX BOA v3.0.3 (2026); mittleres Szenario
Ebenso verbessert sich die Wettbewerbsfähigkeit Pakistans bei einem WACC von 7 Prozent hinsichtlich seiner Ammoniak-Importkosten nach China, wie unten dargestellt, wodurch das Land gegenüber anderen Ländern in der Region wettbewerbsfähig wird.
Vergleich der Ammoniak-Importkosten nach China für ausgewählte Länder auf Basis von PtX BOA v3.0.3 (WACC für Pakistan = 7 %)
Niedrigere Finanzierungskosten würden zudem die Wettbewerbsfähigkeit Pakistans auf den Exportmärkten erheblich verbessern und das Land potenziell zu einem der wettbewerbsfähigsten Lieferanten Chinas machen. Dies verdeutlicht auch einen strukturellen Nachteil, mit dem viele Entwicklungsländer in ihrem Finanzsystem konfrontiert sind: Höhere Investitionsrisiken führen dort zu höheren Kreditkosten. Diese Finanzierungslücke lässt sich jedoch durch staatliche Risikogarantien, Mischfinanzierung und andere Mechanismen zur Risikominderung schließen, die Investoren Sicherheit bieten können. Durch die Stärkung nachfrageseitiger Maßnahmen und die Förderung langfristiger Abnahmevereinbarungen mittels Regulierung und Standardisierung können politische Entscheidungsträger*innen dazu beitragen, Investitionsrisiken zu verringern und stärkere Marktanreize für kohlenstoffarme Produkte zu schaffen.
Institutionen und internationale Zusammenarbeit können über den langfristigen Erfolg entscheiden
Pakistan verfügt über ein ausreichendes langfristiges Potenzial, um unter Nutzung seiner reichlich vorhandenen erneuerbaren Energiequellen einen Sektor für erneuerbaren Wasserstoff aufzubauen. Die Ausschöpfung dieses Potenzials erfordert einen unterstützenden politischen und institutionellen Rahmen, verbesserte Finanzierungsbedingungen sowie ein stärkeres Geschäftsumfeld, um Investitionsrisiken zu verringern. Transparente Vorschriften, institutionelle Kapazitäten und ein gezielter Kapazitätsaufbau für qualifizierte Arbeitskräfte werden für die Unterstützung eines nachhaltigen Wachstums des Wasserstoffsektors entscheidend sein.
Die internationale Zusammenarbeit ist für die Entwicklung des pakistanischen Wasserstoffmarktes von entscheidender Bedeutung. Stärkere bilaterale und regionale Partnerschaften können den Technologietransfer beschleunigen, Investitionen anziehen und Pakistan in aufstrebende globale Wasserstoff-Wertschöpfungsketten integrieren. In Verbindung mit dem Ausbau erneuerbarer Energien und institutionellen Reformen können diese Bemühungen Wasserstoff als Motor für die Dekarbonisierung der Industrie, die Energiesicherheit und ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum etablieren.
Afaf Ali ist wissenschaftliche Mitarbeiterin aus Pakistan im Bereich Energie & Klimaschutz des Öko-Instituts in Berlin. Sie ist Stipendiatin des Internationalen Klimaschutzstipendiums der Alexander-von-Humboldt-Stiftung.
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Working Paper „ Techno-economic assessment (TEA) of renewables-based hydrogen in Pakistan“