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Perspektive

Schritt für Schritt zur Kreislaufwirtschaft

Zirkuläre öffentliche Beschaffung

Wer privat einen Laptop, ein Auto oder ein Möbelstück anschaffen, aber Geld sparen will, recherchiert oft, ob es das gute Stück auch gebraucht gibt. Wer Umwelt und Klima schützen will, tut das auch. Denn der Kauf von gebrauchten oder instandgesetzten Produkten reduziert den Aufwand an Ressourcen. Damit macht er uns in geopolitisch unruhigen Zeiten auch unabhängiger von Rohstoffimporten. Eine besondere Marktmacht hat hier die öffentliche Hand. Sie investiert jedes Jahr mehrere hundert Milliarden Euro – für Büroausstattung, IT, Arbeitskleidung oder auch Dienstfahrzeuge. Schon heute müssen Beschaffende ihre Aufträge nach Umwelt- und Sozialkriterien ausrichten. Hier gibt es Überschneidungen zur zirkulären Beschaffung. Diese setzt schon bei der Formulierung des Bedarfs an und evaluiert, ob überhaupt eine Neuanschaffung erforderlich ist oder ob er alternativ durch Wiederverwendung, gebrauchte oder instandgesetzte Produkte oder Servicemodelle gedeckt werden kann. Das heißt jedoch: Bisher vor allem linear ausgerichtete Beschaffungsprozesse müssen neu aufgesetzt werden, wenn sie sich an den obersten Stufen der Abfallhierarchie wie Vermeidung oder Instandsetzung orientieren sollen.

Trotz ihrer Vorteile ist die zirkuläre öffentliche Beschaffung bislang leider keine Routine. Hier sind uns Länder wie die Schweiz oder Österreich voraus, wo das so genannte Circular Procurement schon deutlich etablierter ist. Dabei ist dieses laut dem Kreislaufwirtschaftsgesetz von 2020 auch hierzulande längst Pflicht. Den Beschaffenden fehlt aber oft (noch) die Erfahrung, etwa mit Blick auf geeignete Vergabekriterien. Sie finden seit kurzem Hilfe in einem Leitfaden, den das Öko-Institut für das Umweltbundesamt erstellt hat. Er informiert über die rechtlichen Grundlagen und zeigt anhand von zehn Produktgruppen – von Computern über Bekleidung bis zu Fahrzeugen – praxisnah, wie die zirkuläre Beschaffung gelingen kann. Wirksam ist es, bei jenen Produkten anzufangen, deren Herstellung mit hohen Umweltbelastungen verbunden ist und für die es bereits einen Gebrauchtwarenmarkt gibt, wie etwa bei Möbeln oder Elektronik. 

Lassen Sie mich noch konkreter werden: Für das Bundesumweltministerium entwickeln wir im Rahmen der „AG Zirkuläre Beschaffung“ zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie gemeinsam mit Praxisexpert*innen und Marktakteuren detaillierte Hilfestellungen. Wir veröffentlichen Best-Practice-Beispiele und beraten öffentliche Stellen bei konkreten Ausschreibungen für Gebrauchtprodukte – etwa zur Beschaffung gebrauchter und instandgesetzter Möbel. Wir geben Hinweise für die Marktrecherche, erläutern unterschiedliche Ansätze zur Ausschreibung von Gebrauchtprodukten und geben Beispiele für zirkuläre Vergabekriterien. So empfehlen wir etwa, in Ausschreibungen Flexibilität bei technischen Spezifikationen zuzulassen – beispielsweise mit Blick auf die Maße oder die Farbe eines Schreibtisches. Darüber hinaus geben wir einen Überblick, welche Möbelarten gebraucht oder refurbished beschafft werden können, in welchen Mengen sie in der Regel verfügbar sind und mit welchen Lieferzeiten zu rechnen ist. Vor dem Hintergrund unserer Recherche aus dem August 2025 erwarten wir etwa bei (höhenverstellbaren) Büroschreibtischen, -drehstühlen oder auch -regalen, dass bis zu tausend Stück innerhalb von wenigen Wochen lieferbar sind. Zusätzlich zeigen wir: Die Beschaffung von gebrauchten und instandgesetzten Büromöbeln kann wirtschaftlich von Vorteil sein. Wir rechnen bei instandgesetzten elektrischen Schreibtischen und Bürodrehstühlen mit möglichen Einsparungen von bis zu 30 Prozent im Vergleich zu Neuprodukten.

Wer sich jetzt im Bürgeramt, dem Schulbüro oder einer anderen öffentlichen Dienststelle fragt, wie man die zirkuläre Beschaffung konkret angehen kann, dem rate ich: Schritt für Schritt. Informieren Sie sich auf der Website der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie. Nutzen Sie unseren Leitfaden. Vernetzen Sie sich mit anderen Beschaffenden. Denken Sie um. Stellen Sie Ihre bislang linearen Prozesse in Frage. Umwelt und Klima werden es Ihnen danken.

Kathrin Graulich

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Kathrin Graulich leitet ab dem 1. Juli den Bereich Produkte & Stoffströme und ist seit dem Jahr 2000 in verschiedenen Positionen für das Öko-Institut tätig. Sie widmet sich vor allem dem Themenfeld nachhaltige Produkte sowie produktpolitischen Instrumenten wie der Beschaffung und dem EU-Ökodesign.

Ansprechpartnerin am Öko-Institut