Spenden

40 Jahre nach Tschernobyl – Kernenergie bleibt risikoreich

Am 26. April jährt sich der katastrophale Unfall im Kernkraftwerk in Tschernobyl zum 40. Mal. Der bisher schwerste Unfall in der Geschichte der zivilen Kerntechnik hat bis heute Folgen. Dr. Christoph Pistner widmet sich in dem Blogbeitrag diesem Unfall, dem weiteren Unfall in Fukushima und geht auf die langfristigen Folgen ein.
verrostestes gelbes Schild, das ein Strahlungspiktogramm abbildet

Der Unfall von Tschernobyl und seine Folgen

Der bisher schwerste Unfall der zivilen Kerntechnik ereignete sich am 26. April 1986 in Tschernobyl in der Ukraine. Unfälle werden anhand verschiedener Kriterien der Internationalen Atomenergiebehörde eingestuft. Tschernobyl fällt unter die höchste Stufe 7 und ist somit ein katastrophaler Unfall. Ausgelöst wurde der Unfall durch Fehlkonstruktionen im Zusammenhang mit menschlichem Fehlverhalten. Dadurch kam es zu massiven radioaktiven Freisetzungen und einer großflächigen Kontamination der Umwelt. Bis Mitteleuropa und Skandinavien konnte eine erhöhte Strahlung nachgewiesen werden. Bis heute sind Teile des betroffenen Gebiets unter anderem in der Ukraine und in Belarus unbewohnbar und auch für die Landwirtschaft nicht zu nutzen. 

Wie viele Menschen durch das Unglück starben, lässt sich nicht eindeutig beziffern. Aufgrund sehr hoher Strahlendosen durch Notfallarbeiten während des Unfalls selbst starben circa 30 Menschen. Die Zahl der Menschen, die an den langfristigen Folgen der freigesetzten Strahlung sterben, vor allem durch Krebserkrankungen, kann aus verschiedenen Gründen nicht genau bestimmt werden. Abschätzungen gehen aber von mehreren Tausend bis mehreren Zehntausend Folgetoten aus. 

Das betroffene Kernkraftwerk ist eine Ruine und liegt seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Umfeld kriegerischer Handlungen. Dadurch hat der mit europäischer Unterstützung gebaute Sarkophag zum Schutz der Umwelt vor weiteren Freisetzungen radioaktiver Stoffe womöglich einen großen, nicht reparierbaren Schaden erlitten. 

Ein zweites Unglück in Fukushima

Der Unfall in Tschernobyl galt für viele lange als Sonderfall aufgrund der Besonderheiten der sowjetischen Anlage, doch es folgte 2011 ein weiterer katastrophaler Unfall eines Kernkraftwerks in Fukushima.

In Folge eines Erdbebens und eines dadurch ausgelösten Tsunamis kam es am 11. März 2011 in Fukushima zu drei Kernschmelzen, mehreren Wasserstoffexplosionen und in Folge zu hohen Freisetzungen radioaktiver Stoffe. Ein Großteil der Freisetzungen wurde aufgrund der vorherrschenden Winde zum Zeitpunkt der Freisetzungen aufs Meer getrieben und begrenzte so die Folgen für das japanische Festland. Auch traten die schlimmsten denkbaren Szenarien nicht ein: Es kam nicht zu Freisetzungen aus den Brennelementlagern. Dennoch waren die Folgen des Unfalls katastrophal. Etwa 160.000 Menschen mussten evakuiert werden und bis heute sind viele nicht in ihre Heimat zurückgekehrt. Und das, obwohl die japanische Regierung einen hohen Aufwand betreibt, um das Land rund um Fukushima zu dekontaminieren. Neben den immensen Kosten fallen dabei auch sehr große Mengen an radioaktiven Abfällen an. Der Rückbau der Reaktorruinen wird voraussichtlich noch viele Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

Risiko bleibt bestehen

Diese beiden schweren Unfälle zeigen deutlich, dass die Nutzung von Kernenergie hohe Risiken birgt. Selbst bei „moderneren“ Anlagen bleibt ein Unfallrisiko bestehen, mittlerweile sind selbst militärische Angriffe auf kerntechnische Anlagen nicht mehr unvorstellbar. 

Der Eintritt eines Unfalls in einem Kernkraftwerk gilt zwar als sehr unwahrscheinlich, die Folgen können aber massiven und langfristigen Einfluss auf eine große Region haben. 

Neben dem Unfallrisiko waren auch die Entstehung hochradioaktiver Abfälle und die Gefahr einer zivil-militärischen Nutzung der Kernenergie wesentliche Gründe, warum Deutschland aus der Kernenergie ausgestiegen ist. 

Erneuerbares Energiesystem ohne Kernenergie

In den vergangenen Jahren wurde die zivile Nutzung der Kernenergie aufgrund des Klimawandels und des notwendigen Umbaus unseres Energiesystems immer wieder debattiert. Dabei ist zwar richtig, dass bei der Stromproduktion aus Kernenergie wenig CO2 erzeugt wird, aber der Anteil an der weltweiten Energieerzeugung liegt mit etwa fünf Prozent im sehr niedrigen Bereich. Ein massiver Ausbau wäre sehr teuer und würde viel Zeit beanspruchen. Daher ist ein relevanter Beitrag zum Klimaschutz durch die Kernenergie nicht zu erwarten. Eher droht die Gefahr, dass durch diese Diskussion notwendige Investitionen in erneuerbare Energien und einen Umbau des Stromsystems nicht erfolgen. 

Zudem gibt es die Risiken der Kernenergie:

  • schwere Unfälle mit potenziell sehr großen Folgen, 
  • hochradioaktive Abfälle, deren Entsorgung weltweit noch offen ist,
  • sicherheitspolitische Risiken, 
  • und das Untergraben von Bemühungen zur nuklearen Nichtverbreitung.

Vor diesem Hintergrund war und ist der deutsche Ausstieg aus der Kernenergie sinnvoll und gerechtfertigt.

Dr. Christoph Pistner  ist Physiker und leitet den Bereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit am Standort Darmstadt. 

Weitere Informationen

Blogbeiträge zum Thema Kernenergie

Ein Unfall mit Folgen – 25 Jahre Tschernobyl

Keine Kommentare

Neuer Kommentar

* Pflichtfelder