Neue Gaskraftwerke in Bayern

Energiewirtschaftliche Bedeutung und Finanzierungsmöglichkeiten

Seit dem Jahr 2011 wird in Bayern über den Neubau von Gaskraftwerken mit einer Leistung von bis zu 4.000 Megawatt (MW) diskutiert. Als Begründung hierfür wird teilweise ein pauschaler Zusammenhang mit der durch den Atomausstieg wegfallenden Kraftwerksleistung im Freistaat genannt, zum Teil wird auch eine Verbindung mit einem möglichen Verzicht auf eine der neu geplanten Gleichstrom-Übertragungsleitungen hergestellt. Im Zuge der Energiewende verschieben sich tatsächlich die Schwerpunkte der Stromerzeugung hin zu den Regionen mit günstigen Bedingungen für die Erzeugung von erneuerbarem Strom. Bei der Windkraft ist dies vor allem der Norden Deutschlands. Insofern kann es ein Ergebnis einer gut geplanten Energiewende sein, dass Bun-desländer mit relativ hohem Strombedarf im Süden Deutschlands, also insbesondere Bayern, Baden-Württemberg und Hessen, zu Stromimporteuren werden. Hierzu werden entsprechend leistungsfähige Stromnetze benötigt.


In dieser Studie wurde abgeschätzt, in welchem Umfang der Bau zusätzlicher Gaskraftwerke in Bayern bis zum Jahr 2035 erforderlich sein könnte. Als Grundlage hierfür wurden zwei Szenarien entwickelt, die eine untere und eine obere Bandbreite des Bedarfs für zusätzliche Kraftwerkskapazität abbilden. Zentrale Parameter für diese Szenarien sind die Entwicklung des Strombedarfs in Bayern, der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien im Freistaat und die absehbare Entwicklung bei den bereits bestehenden oder geplanten fossilen Kraftwerken und Speichern. Von großer Bedeutung ist auch die Abschätzung der Leistung, mit der Bayern in Zeiten geringer eigener erneuerbarer Stromerzeugung aus den benachbarten Bundesländern und den Nachbarstaaten Österreich und Tschechischer Republik Strom beziehen kann. Um die ggf. erforderliche zusätzliche Kraftwerksleistung zu ermitteln, wurden die erwarteten zeitlichen Verläufe des Strombedarfs und der erneuerbaren Stromerzeugung in Bayern saldiert und das Ergebnis mit der Summe der ver-fügbaren Leistung von steuerbaren Kraftwerken, Speichern und möglichem Strombezug verglichen.


Im Ergebnis dieser Abschätzung zeigt sich, dass es zur Abdeckung der Stromnachfrage des Jah-res 2035 keinen Bedarf für zusätzliche Gaskraftwerke in Bayern gibt, wenn die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Freistaat zügig ausgebaut, die heute noch betriebenen Kohle-Heizkraftwerke durch mit Gas betriebene Kraft-Wärme-Kopplung ersetzt und das Übertragungsnetz für Strom wie geplant verstärkt wird. In diesem Fall reichen die verfügbaren Erzeugungsanlagen und Speicher im Freistaat zusammen mit dem möglichen Strombezug über das Verbundnetz aus, um den Bedarf in jeder Stunde des Jahres zu decken.