Status quo des nuklearen kulturellen Erbes in Deutschland und dessen Bedeutung für die nukleare Entsorgung
Das Forschungsvorhaben „Ansätze und Methoden eines Nuclear Cultural Heritage und ihre Anwendbarkeit im Kontext des Standortauswahlverfahrens“ (NuCultAge), welches vom BASE beauftragt wurde (FKZ: 4723F90101), widmete sich Fragen zum nuklearen kulturellen Erbe – was dieses ist und wie sich ein solches Erbe über die Zeit entwickelt und verstetigt. Hintergrund des Projektes ist die Entsorgung nuklearer Abfälle, die als „Ewigkeitslasten“ (Brunnengräber 2019b) betrachtet werden können, da diese über sehr lange Zeiträume für Mensch und Umwelt eine große Gefahr darstellen und daher einer sicheren Lagerung über Jahrhunderte hinweg bedürfen.
Der Abschlussbericht des Projektes NuCultAge zielt darauf ab, die im Projekt erarbeitete Wissensbasis zu nuklearem kulturellem Erbe in Deutschland in Bezug zum Standortauswahlverfahren zu setzen und zu diskutieren, ob und wenn ja, inwiefern dieses Wissen ein Beitrag zur Sicherheit der nuklearen Entsorgung leisten kann. Deutlich wurde in der Analyse nuklearen kulturellen Erbes in Deutschland die fundamentale Bedeutung immaterieller Praktiken, und damit die Bedeutung von Akteuren und Institutionen, für den Erhalt der gesellschaftlichen und politischen Aufmerksamkeit für das Thema Kernenergienutzung über den gesamten Lebenszyklus – von Uranerzgewinnung über die Kernenergienutzung bis hin zur Entsorgung radioaktiver Abfälle. Die Fortführung gesellschaftlicher Diskurse in Form von unterschiedlichen sozialen Praktiken ist zentral, um diese Aufmerksamkeit zu erhalten. Wir zeigen in dem vorliegenden Bericht folglich auf, welche Formen der Institutionalisierung es hinsichtlich nuklearen kulturellen Erbes in Deutschland gibt, wie dieses auch in Zukunft erhalten werden kann und wie es auf das Standortauswahlverfahren und die Endlagerung im Rahmen einer Integration in eine raumsensiblen Long-term Governance der Endlagerung einspielen kann.