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Recycling zuerst – Energiewende ohne Müllverbrennung

Um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, muss die Abfallwirtschaft auf Recycling statt auf Müllverbrennung setzen.

Um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, muss die Abfallwirtschaft auf Recycling statt auf Müllverbrennung setzen. Zur Energiewende kann sie nur dann beitragen, wenn sie Abfall möglichst umfassend stofflich verwertet und verbleibende Abfallstoffe flexibel und effizient zur Energieerzeugung einsetzt. Dies sind zentrale Ergebnisse der heute vorgestellten Studie „Beitrag der Kreislaufwirtschaft zur Energiewende“ des Öko-Instituts im Auftrag des BDE Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e.V.

Recycling steht an erster Stelle

Schon heute leistet das Recycling einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz und spart Ressourcen ein – etwa 15 Millionen Tonnen Sekundärrohstoffe können so zweitverwertet werden. Zusätzlich werden knapp fünf Millionen Tonnen Kompost produziert, die wertvolle Ressourcen wie Torf und Mineraldünger schonen, die Bodenfruchtbarkeit steigern und ebenfalls zum Klimaschutz beitragen. Diese Anteile können und müssen weiter gesteigert werden, so die Experten des Öko-Instituts. Denn vor allem die aus Erdöl hergestellten Kunststoffe, die nicht verwertet, sondern in ineffizienten Grundlastanlagen verbrannt werden, belasten mit hohen CO2-Emissionen das Klima.

„Erhöhen wir den Anteil der rückgewonnenen Kunststoffe durch das getrennte Sammeln, Sortieren und Aufbereiten, entlastet dies die Müllverbrennung und spart Primärrohstoffe ein. Das vermindert den CO2-Ausstoß um rund sechs Millionen Tonnen“, erläutert Günter Dehoust, Wissenschaftler am Öko-Institut mit Schwerpunkt Kreislaufwirtschaft. „Damit werden gleichzeitig weitere hoch-wertige Materialien effizienter zurückgewonnen, die ebenfalls wertvolle Beiträge zum Klima- und Ressourcenschutz liefern.“

Müllverbrennungsanlagen sind keine flexiblen Kraftwerke

Mit den Abfallstoffen, die nicht recycelt werden können, soll schließlich nicht mehr Strom in Grundlastkraftwerken gewonnen werden. Vielmehr sollten diese Stoffe möglichst flexibel für die Stromerzeugung eingesetzt werden. Gleichzeitig müssen die Emissionen aus Müllverbrennungsanlagen massiv reduziert werden, um eine deutschlandweite CO2-Einsparung von 80 bis 90 Prozent bis 2050 zu erreichen.

„Mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien ändert sich das Strom-marktsystem fundamental: Wir benötigen deutlich weniger Grundlastkraftwerke, jedoch mehr flexible Reserven, die dann Strom erzeugen, wenn der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint“, so Ralph Harthan, Klimaschutz-Experte im Institutsbereich Energie & Klimaschutz am Öko-Institut. „Damit Strom aus Abfall möglichst wenig CO2 verursacht, müssen die fossilen Anteile durch Recycling möglichst reduziert werden.“

Reststoffe zu hochwertigem Ersatzbrennstoff aufbereiten und erst dann energetisch nutzen

Damit die verbleibenden Reststoffe flexibel für die Stromerzeugung genutzt werden können, müssen sie qualitativ hochwertig aufbereitet werden und lagerfähig sein. Die Müllverbrennung, so folgert das Öko-Institut, solle im Zuge der Energiewende künftig nur noch die schadstoffhaltigen Abfälle beseitigen, die nicht anderweitig verwertet werden können.

Biogaspotenzial aus Abfall besser nutzen

Außerdem zeigt das Öko-Institut in seiner Analyse, dass auch die Sammlung und Nutzung von Bioabfällen weiter verbessert werden muss. Werden heute etwa 50 bis 60 Prozent des anfallenden Bioabfalls getrennt erfasst und verwertet, sollte dies künftig nahezu vollständig erfolgen. Aus ökobilanzieller Sicht kann dieser organische Abfall dann idealerweise zunächst in Vergärungsanlagen zu hochwertigem regenerativen Biogas umgesetzt werden, das als Reservekapazität zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden kann. Neben der energetischen Nutzung des Biogases solle der Rest des organischen Abfalls aus den Vergärungsanlagen zudem stofflich als Kompost Einsatz finden und als Ersatz für Mineraldünger und Torf zur Düngung und Bodenverbesserung eingesetzt werden.

Empfehlungen für mehr Klimaschutz in der Kreislaufwirtschaft

Deshalb schlägt das Öko-Institut vor, die Getrennterfassung von Wertstoffen zu steigern. Dazu sollten deutschlandweit verursachergerechte Abfallgebühren vorgeschrieben sowie die einheitliche Wertstofftonne eingeführt und mit ambitionierten Quoten geregelt werden. Die Vorgabe zur getrennten Erfassung von Bioabfällen aus dem Kreislaufwirtschaftsgesetz muss konsequent umgesetzt und um technische Anforderungen an eine effiziente und emissionsarme Behandlung erweitert werden. Schließlich sollten die Überkapazitäten der Müllverbrennungsanlagen mit einem gezielten Programm zurückgefahren werden, um das Preisdumping in diesem Bereich zu unterbinden. 

Studie „Beitrag der Kreislaufwirtschaft zur Energiewende. Klimaschutzpotenziale auch unter geänderten Rahmenbedingungen optimal nutzen“ des Öko-Instituts

Gemeinsames Hintergrundpapier „Wesentliche Erkenntnisse aus der Studie des Öko-Instituts im Auftrag des BDE“

Ansprechpartner

Günter Dehoust
Stellvertretender Leiter des Institutsbereichs
Infrastruktur & Unternehmen
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Telefon: +49 30 405085-355
E-Mail: g.dehoust@oeko.de

Ralph Harthan
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institutsbereich
Energie & Klimaschutz
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Telefon: +49 30 405085-387
E-Mail: r.harthan@oeko.de

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

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