Wie ein Otter in Hessen
Im spanischen Hochland nördlich von Madrid gibt es wieder Bisons. Erst Anfang des Jahres wurden sie von der Initiative Rewilding Spain in die Provinz Guadalajara gebracht. Durch Projekte wie dieses hat sich die Population des größten Landsäugetiers unseres Kontinents im vergangenen Jahrzehnt von etwa 2.500 auf rund 9.000 erhöht. Das ist nicht nur aus Artenschutzgründen eine gute Nachricht. Denn das europäische Bison kann etwa durch das Weiden, Trampeln und Düngen dabei helfen, Biodiversität wiederzubeleben, Waldbrände zu verhindern und das Klima zu schützen.
Beispiele wie dieses sind es, die eine Wiederherstellung der Natur zu einem so wunderbaren Thema machen. Denn es gibt unzählige erfolgreiche Projekte, die zeigen: Die Menschheit hat die Natur in großem Umfang zerstört, doch wenn wir ihr die Gelegenheit geben, sich zu erholen, kommen Tiere und Pflanzen zurück. Das sehen wir auch in Deutschland etwa bei Projekten zur Wiederherstellung von Mooren oder von Flusssystemen.
Leider wird Wiederherstellung oftmals alleine im Naturschutz verortet. Sie ist aber eine zentrale Maßnahme, um unsere Lebensgrundlagen wie sauberes Wasser oder gesunde Böden zu erhalten und mit den Folgen des Klimawandels umzugehen. Das macht sie auch zum Menschenschutz und zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe. Sie kommt nicht ohne Herausforderungen, keine Frage. Eine sind zum Beispiel die Bodenpreise. Landwirt*innen, die ihre Flächen nicht mehr als Acker nutzen, sondern der Natur Gelegenheit geben, sich darauf besser zu entfalten, verlieren bares Geld, da sich damit der Bodenwert verringert. Hier muss sich dringend etwas ändern, das den Wert etwa der Wiedervernässung von landwirtschaftlichen Flächen nicht nur ideell, sondern auch monetär ausdrückt.
Gleichzeitig brauchen wir deutlich mehr Wissen. Über den Zustand der Natur aktuell, aber auch über die Möglichkeiten, ihn zu verbessern. Ich denke da an ein Beispiel aus dem Wissenschaftlichen Beirat für Natürlichen Klimaschutz, dessen Co-Vorsitzende ich bin: Hier wurde vom Vorgehen mancher Naturschutzämter gegen Landwirt*innen wegen des Beschneidens von Hecken berichtet, wie sie im Zuge von Agroforst-Maßnahmen gepflanzt werden. Dabei ist genau das vorteilhaft für die Biodiversität. Es kam zu Konflikten mit Landwirt*innen, wo es Zusammenarbeit so dringend braucht.
Ich möchte gerne mit einem Tier enden, das deutlich kleiner ist als ein Bison. Dem Fischotter. Er war hierzulande seit langer Zeit in weiten Teilen ausgestorben und gilt noch immer als gefährdet. Nun kehrt der Fischotter langsam zurück, der übrigens gute Wasserqualität schätzt – was also auch für uns eine gute Nachricht ist. So etwa nach Hessen und Baden-Württemberg. Haben Sie schon einen gesehen?
Ihre
Anke Herold
a.herold@oeko.de