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Im Fokus

Die faire Maus

Schritt für Schritt zur IT-Alternative

Christiane Weihe

100 Prozent fair? So weit ist die Maus noch nicht. Denn auch ein kleines Gerät wie die Computermaus lässt sich nicht von einem Tag auf den anderen vollständig fair produzieren. Eine Herausforderung, die sich auch beim Fairphone zeigt. Zu viele unterschiedliche Rohstoffe werden verbaut, zu viele Vorlieferanten benötigt. Daher hat sich Susanne Jordan von Nager IT für einen schrittweisen Prozess entschieden. „Inzwischen ist unsere Maus zu zwei Dritteln fair“, sagt die Initiatorin der fairen Computermaus, „bis wir 100 Prozent erreicht haben, wird es noch einige Jahre dauern.“ 2009 fasste sie den Entschluss, ein faires IT-Produkt auf den Markt zu bringen, die Wahl fiel aus mehreren Gründen auf die Maus. „Dieses Gerät ist relativ einfach strukturiert, verfügt über eine ausgereifte Technik, kann über einen USB-Anschluss mit jedem Computer verbunden werden, ist kostengünstig und es gibt keine Markenaffinität wie etwa beim Smartphone“, so Jordan.

Das Projekt aus dem oberbayerischen Bichl berücksichtigt bei der Herstellung auch Umwelt- und Klimafragen, der Fokus liegt jedoch klar auf sozialen Aspekten. „Fair heißt für uns in diesem Zusammenhang: gegen Menschenrechtsverletzungen, für gute Arbeitsbedingungen in den Rohstoffminen sowie den Betrieben der Zulieferer und Produzenten“, so Jordan, „das umfasst zum Beispiel regulierte Arbeitszeiten, Gesundheitsschutz und eine angemessene Bezahlung.“ 2012 wurde die erste faire Computermaus verkauft, etwa 4.500 Stück hat das Team von Nager IT seither auf die Schreibtische gebracht. Den produzierenden Betrieb, eine Werkstatt für behinderte Menschen in Süddeutschland, hatte Jordan recht schnell aufgetan. Eine größere Herausforderung ist es, alle Beteiligten der Lieferketten einzelner Bestandteile dafür zu gewinnen, alternative Rohstoffe zu verwenden. „Beispiel Kupfer – hier gibt es nachhaltiges Recyclingmaterial aus Belgien“, sagt sie, „doch sowohl die Einkäufer von Rohmaterial als auch Händler und Hersteller zum Beispiel eines Kabels von diesem Material zu überzeugen, das ist ein hartes Stück Arbeit.“

Nager IT will eine faire Maus produzieren, aber auch Vorbild für Unternehmen und Initiativen sein. „Wir wollen andere zu weiteren fairen Produkten inspirieren – einem fairen Kopfhörer zum Beispiel oder einem fairen USB-Stick. Daher haben wir bereits Workshops veranstaltet, um unsere Erfahrungen weiterzugeben“, berichtet Jordan, „leider haben wir bisher niemanden gefunden, der ein ähnliches Projekt ins Leben rufen wollte.“ Und obwohl es zu Beginn nur eine Maus sein sollte, schließt sie daher nun nicht mehr aus, dass das Team eines Tages ein weiteres Projekt für nachhaltige IT in Angriff nimmt. Vielleicht sogar schon bevor die Maus tatsächlich zu 100 Prozent fair ist. Christiane Weihe