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Editorial

Abspalten, speichern, nutzen

Das Vorwort von Anke Herold, Sprecherin der Geschäftsführung des Öko-Institut e.V.

Ohne CCS geht es nicht. Das sagt zum Beispiel die Internationale Energieagentur (IEA). Sie betrachtet die Abscheidung und Speicherung von CO2 (Carbon Capture and Storage, CCS) sowie dessen Nutzung (Carbon Capture Utilisation and Storage, CCUS) als unverzichtbar auf dem Weg zur Klimaneutralität. Auch in den meisten Szenarien des Weltklimarats IPCC ist CCS ein notwendiger Baustein, um Restemissionen der Industrie oder der Landwirtschaft auszugleichen und die internationalen Klimaziele zu erreichen. Ein Blick auf die weltweiten CCS-Projekte zeigt ebenso die hohe und weiter steigende Relevanz der Technologie. 2025 waren weltweit 77 Projekte in Betrieb, die Speicherkapazität lag bei 64 Millionen Tonnen CO2 jährlich. Das Global CCS Institute rechnet damit, dass dieser Wert allein bis 2030 auf 337 Millionen Tonnen ansteigt. 2025 waren 47 Anlagen in Planung, 297 in fortgeschrittenen und 313 in frühen Entwicklungsphasen. 

Einer der wichtigsten Vorreiter ist dabei China. Hier wird CCS vor allem von der Kohleindustrie vorangetrieben, um ihre Kraftwerke zu dekarbonisieren. 15 Prozent der Emissionen sollen in China damit reduziert werden. Derzeit sind im Reich der Mitte nach einer neuen australischen Studie knapp 40 Anlagen in Betrieb, sechs in Bau und neun in Planung. Gleichzeitig hat China viel Forschungskapazität in die Abscheidung investiert und zum Beispiel Technologien für geringe CO2-Konzentration im Rauchgas von unter fünf Prozent entwickelt sowie die Kosten für CO2-Abscheidung erheblich gesenkt, sie liegen etwa beim Projekt Ningxia bei nur 30 Dollar pro Tonne CO2. Bei der Nutzung des abgeschiedenen CO2 etwa für die Herstellung von Methanol oder Synthesegas für die Produktion von chemischen Produkten und Kraftstoffen ist China ebenfalls ein Vorreiter.

Auch unsere Wissenschaftler*innen sehen in CCS einen Baustein für den Klimaschutz. Einen, der vor allem für jene Branchen und Sektoren genutzt werden sollte, die nur schwer dekarbonisierbar sind und deren Emissionen sich nicht vermeiden lassen. Europa und auch Deutschland stecken im weltweiten Vergleich jedoch noch in den Kinderschuhen. Von den oben zitierten 77 CCS-Anlagen, die weltweit in Betrieb sind, liegen – wenn man Norwegen und Island ausklammert – nur drei in der EU. Es wird Zeit, dass wir hier in die Umsetzung kommen, auch in Deutschland. Denn die Zeit in Sachen Klimaschutz drängt, das hat nicht zuletzt der Hitzesommer in den vergangenen Monaten wieder einmal verdeutlicht. Was mit Blick auf CCS hierzulande gerade passiert, zeigt Ihnen dieses Heft.

Ihre

Anke Herold
a.herold@oeko.de