Ausgabe: Dezember 2016, Zurück auf Anfang – Nachhaltige Lieferketten


Im Fokus

Porträt

Johanna Kusch (Germanwatch)

Sie will an die Drückeberger ran. An jene, die bisher nichts tun, weil es Zeit kostet und Geld. „Die Mehrheit der deutschen Unternehmen bemüht sich leider nicht ausreichend um nachhaltige Lieferketten“, sagt Johanna Kusch, „daher braucht es Rahmenbedingungen, die dafür sorgen, dass sie ihre menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten einhalten.“ Eine gute Grundlage hierfür böten die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, die in einem nationalen Aktionsplan verankert werden sollen. „Ein Prozess, der aber schon sehr lange dauert und mit vielen Hürden verbunden ist – so etwa mit Blick auf die Abstimmung zwischen den Ministerien.“

Von den Unternehmen erwartet die Juristin, dass die „alles Zumutbare“ für nachhaltige Lieferketten tun: „Dazu gehören zum Beispiel eine Grundsatzerklärung zu nachhaltigem Handeln, die für alle Bereiche bindend ist, sowie eine Analyse der Risiken, die beim Thema Menschenrechte entstehen können.“ Aber auch der Staat müsse aktiv werden. „Es braucht gesetzliche Vorgaben etwa mit Blick auf die zivilrechtliche Haftung bei Menschenrechtsverletzungen. Denn wir wissen, dass Freiwilligkeit allein nicht viel bringt. Zusätzlich werden ohne solche Vorgaben jene Unternehmen benachteiligt, die heute schon für nachhaltige Lieferketten sorgen.“ Ein weiterer Punkt, warum Johanna Kusch Drückeberger in die Verantwortung nehmen will.

Weitere Informationen zum Artikel
Ansprechpartnerin

Johanna Kusch
Referentin für Unternehmensverantwortung

Germanwatch e.V.
Stresemannstraße 72
10963 Berlin

Tel.: +49 30 28 88 356-5

kusch--at--germanwatch.org
www.germanwatch.org

Zur Person

Johanna Kusch ist Referentin für Unternehmensverantwortung (Policy Officer Corporate Accountability) bei Germanwatch. Zuvor war sie für die Bundestagsfraktion der Grünen sowie für die Beratungsstelle für Flüchtlinge des Diakonischen Werks tätig. Die Juristin befasst sich bei Germanwatch mit Wirtschaft und Menschenrechten und dabei insbesondere mit der Frage, wie Unternehmen stärker in die Verantwortung für die sozialen Auswirkungen ihres Tuns entlang der gesamten Lieferkette genommen werden können. So fordert Germanwatch unter anderem eine erweiterte Verantwortung auch für Tochterunternehmen und Zulieferer. Ein Fokus liegt dabei auch auf politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Darüber hinaus ist Johanna Kusch Mitglied des Lenkungskreises der European Coalition for Corporate Justice (ECCJ).

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