Ausgabe: September 2018, Exportschlager Nachhaltigkeit? – Umweltschutz und Menschenrechte international


Im Fokus

Porträt

Cara-Sophie Scherf (Öko-Institut)

Mehr als 30 von ihnen hat sie angeschrieben. Wollte erfahren, warum sie ihre ausgedienten Schiffe unter sozial und ökologisch unzumutbaren Bedingungen abwracken. Eine Antwort bekam sie von keiner der deutschen Reedereien, deren Schiffe nachweislich in Bangladesch entsorgt wurden. „Zu Beginn des Projektes „Umweltschutz wahrt Menschenrechte!“ bin ich davon ausgegangen, dass es hier eine Gesetzeslücke gibt“, sagt Cara-Sophie Scherf, „im Projektverlauf wurde dann deutlich, dass die Reedereien bestehendes EU- und internationales Recht nur geschickt umgehen. Fast alle stellen ihre Geschäftsinteressen damit über nachhaltiges Handeln.“

Die Expertin vom Öko-Institut schätzt die wissenschaftsbasierte Beratung, die es erlaubt, auf Basis differenzierter Analysen Lösungsvorschläge zu erarbeiten und dort Position zu beziehen, wo Missstände zu kritisieren sind. Hierbei begegnet sie auch immer wieder Unternehmen, die Positives bewirken wollen – Scherf beriet diese bereits während ihrer vorherigen Tätigkeit unter anderem zur Umsetzung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. „Es handelt sich aber immer noch um zu wenige Unternehmen, die das Thema Nachhaltigkeit konsequent angehen“, sagt sie. Die Wissenschaftlerin fordert daher eine stärkere Regulierung und von Unternehmen eine langfristige Perspektive: „Je konkreter die Anforderungen werden – und darauf arbeiten wir hin –, umso mehr kann aus heutigem Engagement morgen ein Wettbewerbsvorteil werden.“

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Ansprechpartnerin am Öko-Institut
Cara-Sophie Scherf
Umweltrecht & Governance
Büro Darmstadt
Tel.: +49 6151 8191-105
Fax: +49 6151 8191-133
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Zur Person

Expertise

  • Ökologische und soziale Auswirkungen unternehmerischer Tätigkeit
  • Menschenrechtliche Sorgfaltspflicht
  • Stakeholderkommunikation

Wichtige Projekte

  • Forum Flughafen und Region (FFR)
  • Regionale Transformation durch sozial-ökologisch handelnde Unternehmen (RegioTrans)
  • Ökologisches Design als Qualitätskriterium in Unternehmen stärken

Ausbildung und Berufserfahrung

2014-2015 Beraterin für Menschenrechte und Nachhaltigkeit bei twentyfifty in Berlin

2012-2014 Senior ESG Analyst bei RepRisk in Zürich

2010-2012 Junior Projektmanager für Strategie bei der Airbus Group in Neu-Delhi

2008-2010 Masterstudium der Internationalen Sicherheit an der Sciences Po Paris

2006-2007 Forschungsaufenthalt an der Waseda Universität Tokio

2004-2008 Bachelorstudium der Wirtschaft und Politik Ostasiens an der Ruhr-Universität Bochum

Aktuelle Publikationen

Öko-Institut Working Paper 3/2018 „Umweltschutz wahrt Menschenrechte! Deutsche Unternehmen in der globalen Verantwortung“

Publikation „Umweltschutz wahrt Menschenrechte! Unternehmen und Politik in der Verantwortung“

Studie „Bewertungsraster für eine ambitionierte Umsetzung der Zeit- und Mengenziele 2018-2020 des Bündnisses für nachhaltige Textilien (Marken / Handel)

Stellungnahme des Öko-Instituts „Das Textilbündnis: ambitioniert und transparent?“ zu den verbindlichen Zielsetzungen für Marken und Handel und der weiteren Ausgestaltung des Review-Prozesses im Bündnis für nachhaltige Textilien

Strade Policy Brief 01/2018 „Holding European businesses responsible – what role for the EU and member states to govern business conduct in third countries?“

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