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CCS im Berliner Osten

Kann die Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS) einen Beitrag zum Klimaschutz leisten? Im Zementwerk Rüdersdorf bei Berlin soll ab 2030 jährlich mehr als eine Million Tonnen CO2 abgeschieden und in der Nordsee gespeichert werden. Tanya Srivastava von CEMEX erklärt, welche Chancen die Technologie bietet, welche technischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Hürden noch bestehen und warum die Zusammenarbeit von Industrie, Politik und Gesellschaft entscheidend ist.

CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) in Deutschland

Insgesamt 157 Millionen Euro investiert die EU nur wenige Kilometer östlich von Berlin: Im CEMEX-Werk in Rüdersdorf sollen ab etwa 2030 jedes Jahr 1,3 Millionen Tonnen CO2 abgeschieden und dann in der Nordsee eingelagert werden. Tanya Srivastava begleitet für CEMEX dieses Projekt. Die Ingenieurin ist schon seit ihrem Studium fasziniert von der Technologie, sieht aber auch ihre Herausforderungen.

CCS – die Technologie

Das grundsätzliche Verfahren zur Abscheidung und Speicherung von CO2 existiert schon seit fast hundert Jahren. Trotzdem konnte sich die Technologie bis heute nicht flächendeckend durchsetzen. Warum? „Wir haben die Technologie sehr lange nicht ernst genommen. Und nach wie vor gibt es ja viele Nationen, die sogar den Klimawandel nicht für bedrohlich halten.“ Tanya Srivastava betont aber auch: CCS könne nur ein Teil der Lösung sein, Effizienz und erneuerbare Energien seien wesentliche Bausteine auf dem Weg zur Klimaneutralität.

Nach der Abscheidung in Rüdersdorf soll das CO2 in verflüssigter Form per Bahn zu Speicherstätten in der Nordsee transportiert werden. „Wir sind dabei, mit Betreibern von Speicherprojekten und Transportunternehmen zu sprechen. Hier geht es um Sicherheitsfragen ebenso wie um die Regelung eines grenzüberschreitenden Transports.“ Die CO2-Nutzung vor Ort im Sinne von CCU (Carbon Capture and Utilization) sieht Tanya Srivastava in Deutschland bislang nicht als realistische Option. 

 

Tanya Srivastava
Wir erforschen natürlich, wie CO2 etwa für synthetische Kraftstoffe genutzt werden kann. Leider ist die Regulierung in Europa hier im Detail noch sehr streng – man darf dafür zum Beispiel kein fossiles CO2 nutzen.
Tanya Srivastava
Managerin für CCUS, CEMIX

CCS – die Herausforderungen

Bis 2040 will die EU insgesamt 50 Millionen Tonnen CO2 einspeichern – jedes Jahr. „Wir sind noch sehr weit weg davon, das zu ermöglichen. Im Moment speichert die EU nur ungefähr eine Million Tonnen jährlich.“ Damit die EU ihre Ziele erreicht, brauche es eine enge Zusammenarbeit von Industrie und Regulierung, von Technologiebereitstellern und der Gesellschaft. Auch, um die Risiken für Unternehmen abzufedern. „Derzeit kostet die Abscheidung und Speicherung von CO2 über 200 Euro pro Tonne, die Kosten für den Ausstoß liegen im Europäischen Emissionshandel ETS derzeit hingegen bei etwa 80 Euro, also deutlich niedriger.“ Neben der Finanzierung brauche es zudem eine vereinfachte Regulierung und die Bereitstellung von passenden Netzanschlüssen sowie ausreichend regenerativen Energien.

CCS – das Bewusstsein

Bislang gebe es in Deutschland zudem noch ein relativ geringes Bewusstsein für CCS, sagt Tanya Srivastava. Das sei etwa in Dänemark, Norwegen, den Niederlanden und Großbritannien anders. Gleichzeitig habe sie erlebt, wie offen die Bevölkerung rund um das Zementwerk in Rüdersdorf für dieses Thema sei. „Wir waren in engem Kontakt mit dem Bürgermeister und der Zivilgesellschaft. Bei öffentlichen Veranstaltungen, bei denen wir die Projekte erklärt haben, gab es viel Interesse – etwa zu den Fragen, wie viel Zugverkehr es geben wird und woher wir unsere Energie beziehen.“

Tanya Srivastava hat einen Bachelor des Harcourt Butler Technological Institute von Kanpur (Indien) sowie einen Master in Chemie-Ingenieurwesen und einen Doktor in Ingenieurwissenschaften der Technischen Universität (TU) Delft (Niederlande). Seit 2022 ist sie für das Baustoffunternehmen CEMEX tätig, zunächst als Senior Advisor im Bereich CCUS (Carbon Capture Utilization and Storage, oder auch: Abscheidung, Nutzung und Speicherung von CO2), heute als Managerin für CCUS.

 

Weitere Informationen 

eco@work, Ausgabe September 2026: CCS – Eine sinnvolle Maßnahme für den Klimaschutz?

Projektseite CO2LLECT

Präsentation von Tanya Srivastava: Technoeconomic Analysis of Policy Initiatives to Accelerate Industrial CCUS Deployment for the Cement Industry

 

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