Wissenschaftliche Basis für den Klimastreik

18.09.2020
Das Öko-Institut unterstützt das Anliegen von Fridays for Future

Am Freitag, den 25. September 2020 findet der weltweite Klimastreik von Fridays for Future für die Energiewende und Klimagerechtigkeit statt. Das Öko-Institut unterstützt das Anliegen der Bewegung: Mit seiner wissenschaftlichen Arbeit setzt sich das Institut für so viel Klimaschutz wie möglich ein und liefert wissenschaftliche Studien für die ambitionierte Ausgestaltung von Klimazielen auf europäischer und deutscher Ebene. Zugleich entwickelt es in den Forschungsarbeiten konkrete Maßnahmen für die politische Umsetzung dieser Ziele.

„Es kommt nicht nur auf anspruchsvolle Zielwerte für die Emissionsminderung bis zum Jahr 2030 an, sondern mindestens ebenso auf den Emissionsminderungspfad bis dahin“, sagt Jan Peter Schemmel, Sprecher der Geschäftsführung am Öko-Institut. „Wir müssen die Emissionen so schnell wie möglich reduzieren und das in allen Sektoren und weit vor 2030.“

EU: Ambitionierter Klimaschutz jetzt

Eine Reihe aktueller Studien und Analysen zeigt, dass mehr Klimaschutz machbar ist. So beschreibt eine Analyse von Agora Energiewende und dem Öko-Institut, dass die Europäische Union ihre Ziele zum Schutz des Klimas auf minus 55 Prozent bis zum Jahr 2030 gegenüber 1990 anheben und mit geeigneten Maßnahmen umsetzen kann. Dazu müsse sowohl das EU-Emissionshandelssystem weiterentwickelt als auch der Klimaschutz in den Sektoren verstärkt werden, die nicht Teil des Emissionshandels sind, also in den Bereichen Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft.

Zur Newsmeldung „Anspruchsvoller Klimaschutz in der EU möglich“

Zur Studie „How to Raise Europe’s Climate Ambitions for 2030: Implementing a -55% Target in EU Policy Architecture“ des Öko-Instituts

Kohlekraftwerke: Einstieg in den Ausstieg so schnell wie möglich

Im Juni 2018 hat die Bundesregierung die „Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ (Kohlekommission) eingesetzt, die Ende Januar 2019 einen Plan für den Kohleausstieg erarbeitet hat. Unter den 28 stimmberechtigten Mitgliedern aus Politik, Wissenschaft, Industrie war auch Dr. Felix Matthes vom Öko-Institut als Experte vertreten.

Doch die Umsetzung der Kommissionsempfehlungen im Gesetz zum Kohleausstieg hat einen zu hohen Preis: Eine Analyse des Öko-Instituts hat die geplanten Entschädigungszahlungen für die Betreiber der Braunkohlekraftwerke einer umfassenden Konsistenzprüfung unterzogen. Das Ergebnis: Die Entschädigungen fallen deutlich zu hoch aus. Ein transparentes Verfahren auf Basis klarer Regeln würde zu deutlich niedrigeren Entschädigungen führen als die ausgehandelten intransparenten Pauschalzahlungen.

Zur Newsmeldung “Pauschale Entschädigungen für Braunkohlekraftwerke nicht angemessen”

Zur Studie “Einordnung der geplanten Entschädigungszahlungen für die Stilllegungen deutscher Braunkohlekraftwerke im Kontext aktueller Entwicklungen“

Deutschland: mehr Anstrengungen zur Senkung der Treibhausgase nötig

Die Langfassung der Gesamtabschätzung des Klimaschutzprogramms 2030 der Bundesregierung zeigt zudem Handlungsbedarf. So schätzen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Öko-Instituts, dass in Deutschland bis zum Jahr 2030 statt der angestrebten 543 noch 614 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent (CO2e) in die Atmosphäre abgegeben werden. Damit reichen die aktuell beschlossenen Maßnahmen nicht aus, um Klimaziele bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Vielmehr werden rund 70 Millionen Tonnen CO2e zu viel ausgestoßen.

Zur Pressemitteilung „Gesamtabschätzung des Klimaschutzprogramms 2030 zeigt Handlungsbedarf“

Zu wenig Klimaschutz wird teuer: Kompensationszahlungen drohen

Die aktuell vereinbarten Klimaziele der EU verpflichten die Sektoren des sogenannten „Effort Sharing“ – Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft und Industrie – in Deutschland bis zum Jahr 2020 14 Prozent ihrer Treibhausgasemissionen einsparen und bis 2030 sogar 38 Prozent. Berechnungen des Öko-Instituts haben gezeigt, dass diese Ziele voraussichtlich nicht erreicht werden und Deutschland für die entstehende Lücke zusätzliche Emissionszertifikate zukaufen muss. Die Kosten dafür könnten – je nach Annahme zur EU-weiten Situation – in zweistelliger Milliardenhöhe liegen.

Zur Kurzstudie „Abschätzung des erforderlichen Zukaufs an Annual Emission Allowances (AEA) im Rahmen des Europäischen Effort Sharings“ des Öko-Instituts

Kein Modell für die EU: Ziele steigern, aber Kontrolle schwächen

Die europäische Kommission hat Pläne veröffentlicht, den Verkehr und die Gebäude in den EU-Emissionshandel einzubeziehen und die Landwirtschaft in die EU-Verordnung zur Landnutzung. Damit würde dann die „Verordnung zur Festlegung verbindlicher nationaler Jahresziele für den Zeitraum 2021 bis 2030“ für die Emissionen, die nicht dem Emissionshandel unterliegen, nach Ansicht der Kommission eventuell überflüssig und könnte aufgehoben werden.

In dieser Verordnung, die dann wegfiele, ist jedoch ein scharfer Kontroll- und Sanktionsmechanismus für die Ziele der Mitgliedstaaten verankert. „Die höheren Ziele auf EU-Ebene dürfen nicht mit geringerer Kontrolle und schwächeren Sanktionen einhergehen“, sagt Anke Herold, wissenschaftliche Geschäftsführerin des Öko-Instituts. Die deutsche Praxis von ehrgeizigen Zielzusagen ohne ausreichende Umsetzungsmaßnahmen und fehlender Sanktionierung der Zielverfehlung darf kein Modell für die EU werden.    

Zukunftsthema Wasserstoff nachhaltig denken

Die laufende wissenschaftliche Arbeit des Öko-Instituts dreht sich auch um die Rolle von Wasserstoff als mögliche vierte Säule der Energiewende. Allerdings sollte Wasserstoff erst dann zum Einsatz kommen, nachdem Effizienzmaßnahmen ausgeschöpft sind und erneuerbarer Strom direkt genutzt wird.

Nur grüner Wasserstoff, der mit zusätzlichen erneuerbaren Energien erzeugt wurde, ist klimafreundlich. In Deutschland erzeugter Wasserstoff führt erst dann zur CO2-Minderung, wenn der Anteil der erneuerbaren Energien bei 75 Prozent liegt. Um das zu erreichen, brauchen wir einen starken Zuwachs der Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien in Deutschland, Europa und weiteren Ländern.

Grüner Wasserstoff ist knapp und teuer und sollte daher prioritär in Anwendungsbereichen eingesetzt werden, für die es keine anderen Vermeidungsoptionen gibt, wie im Flug- und Schiffsverkehr oder bei Industrieprozessen. Beim Wasserstoffeinsatz sind derzeit noch viele Fragen offen, die unter anderem im Nationalen Wasserstoffrat verhandelt werden, auch mit Mitwirkung von Dr. Felix Chr. Matthes, Forschungskoordinator Energie- und Klimapolitik am Öko-Institut.

Zur Pressemitteilung „Bedeutung von Power-to-X für den Klimaschutz in Deutschland“

Zur Studie „Die Bedeutung strombasierter Stoffe für den Klimaschutz in Deutschland: Zusammenfassung und Einordnung des Wissenstands zur Herstellung und Nutzung strombasierter Energieträger und Grundstoffe“ des Öko-Instituts

Weitere Informationen zum Thema Wasserstoff und Power-to-X

Weitere Informationen zu Klimaschutz und Energiewende

Themenportal Energie & Klimaschutz des Öko-Instituts

Website des Öko-Instituts zur Energiewende

Blogbeiträge des Öko-Instituts zum #Klimaschutz

Infografiken des Öko-Instituts zu verschiedenen Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen