Carbon Capture and Storage (CCS) in der Energiewende zur Klimaneutralität
CCS für die Klimaneutralität: Chancen, Grenzen und Rahmenbedingungen
Die Abscheidung und die sichere Speicherung von CO2 in geologischen Formationen (Carbon Capture and Storage – CCS) gehört zu den Klimaschutzoptionen, die zur Erreichung der Klimaneutralität grundsätzlich notwendig sind. Ihr Beitrag ist jedoch begrenzt, mit ökonomischen Herausforderungen verbunden und erfordert einen breiten, gut abgestimmten Mix an Unterstützungsmaßnahmen.
Das zeigt eine Studie des Öko-Institut im Auftrag von Agora Industrie, die eine umfassende Analyse der Möglichkeiten und Grenzen der CO2-Einspeicherung sowie der verschiedenen Transportoptionen vorlegt. Das Forschungsteam des Öko-Instituts zeigt eine Gesamtübersicht der bereits bestehenden und noch erforderlichen Unterstützungsmaßnahmen für CCS in Form einer sogenannten „Regulierungslandkarte“.
Begrenzte Kapazitäten und lange Vorlaufzeiten bei der CO₂-Speicherung
Christoph Heinemann, Senior Researcher am Öko-Institut, erläutert: „Wir haben die bisher bekannten Offshore-CCS-Projekte im Europäischen Wirtschaftsraum und in Großbritannien mit ihren unterschiedlichen Ausbaustufen in einer umfangreichen Datenbank zusammengefasst. Betrachtet man die bislang festgelegten Investitionsentscheidungen, so steht bis 2030 lediglich eine Einspeicherleistung von rund 14 Millionen Tonnen (Mio. t) CO2 pro Jahr für Dekarbonisierungsprojekte zur Verfügung.“
Die Studie zeigt außerdem, dass die potenziell erreichbare Einspeicherkapazität auf See für Europa bis 2040 bei etwa 100 bis 300 Mio. t liegt. Das sei zwar nennenswert, erlaube aber letztlich den Einsatz von CCS nur in den Bereichen, in denen keine alternativen Möglichkeiten zur Emissionsminderung bestehen. „Angesichts von Vorlaufzeiten von sechs bis 13 Jahren müssen Projekte zügig vorangebracht werden, um rechtzeitig einen Beitrag zur Klimaneutralität leisten zu können“, so Heinemann.
CCS als gezielte Option für unvermeidbare Emissionen
Neben der zeitintensiven Entwicklung der Einspeicherinfrastruktur ist auch der Transport des CO2 zu den Speicherstätten ein oft unterschätzter Teil der CCS-Prozesskette. Dr. Roman Mendelevitch, Senior Researcher am Öko-Institut, betont: „Der Transport im industriellen Maßstab kann per Pipeline, Zug oder Schiff erfolgen. Diese Optionen weisen sehr unterschiedliche Vor- und Nachteile hinsichtlich Flexibilität und Kosten auf, stehen teilweise in Konkurrenz zueinander und erfordern bei der Routenführung und Dimensionierung eine sorgfältige und vorausschauende Planung der CO2-Infrastrukturen.“
Um Kosten zu senken und Skaleneffekte zu ermöglichen, sollte der Staat durch verlässliche Rahmenbedingungen dazu beitragen, frühzeitig Klarheit über künftige Standorte, zu transportierende CO2-Mengen und den Zeitpunkt ihres Anfallens zu erhalten.
Notwendiger Policy-Mix für den Markthochlauf von CCS
Die Gesamtkosten der CCS-Prozesskette – von der Abscheidung über den Transport bis zur Einspeicherung auf See – dürften nach aktuellen Schätzungen im Bereich von 150 bis 300 Euro je Tonne CO2 liegen. Vor diesem Hintergrund ist CCS bei den kurz- und mittelfristig absehbaren CO2-Preisen auf die Unterstützung durch ein breites Paket intelligenter und konsistenter Maßnahmen angewiesen.
Felix Matthes, Forschungskoordinator für Energie- und Klimapolitik am Öko-Institut, erklärt: „Wir haben zum ersten Mal das Gesamtspektrum der notwendigen Maßnahmen für die Ermöglichung und den Markthochlauf von CCS systematisch dargestellt, internationale Erfahrungen ausgewertet und Vorschläge für Zielmodelle sowie erste Schritte ausgearbeitet. Ohne einen systematischen Policy-Mix für den CCS-Hochlauf wird dieser nicht erfolgreich sein und kann die Klimaneutralität in den kommenden zwei Dekaden nicht erreicht werden. Viele Maßnahmen sind nötig, aber ohne massives staatliches Engagement bei der Infrastruktur und ohne robuste Finanzierung wird die Erschließung der Klimaschutzoption CCS nicht rechtzeitig gelingen.“