Europa: Zuwachs bei erneuerbaren Energien, Stromproduktion aus Kohle konstant

06.04.2016

Der Ausbau der erneuerbaren Energien in Europa schreitet voran: Bereits knapp ein Drittel ihres Stromverbrauchs konnten die europäischen Staaten 2015 aus Wind-, Wasser-, Sonnenenergie und Co. decken. Seit 2010 bedeutet dies einen Anstieg von 679 Terawattstunden (TWh) auf 923 TWh in 2015. Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Auswertung des Öko-Instituts im Auftrag von Agora Energiewende, dass die Stromproduktion aus Braun- und Steinkohle seit 2010 mit rund 330 TWh bzw. 500 TWh nahezu konstant bleibt. Die Produktion der Gaskraftwerke sinkt dafür deutlich von 768 TWh in 2010 auf 485 TWh in 2015. Dies spiegelt sich in den Treibhausgasemissionen der Stromproduktion wieder: Rund drei Viertel der Emissionen entstehen bei der Kohleverstromung.

Erneuerbare Energien: Zuwachs bei Wind, Schwankungen bei Wasser

Insbesondere beim Ausbau der Windenergie konnte Europa zulegen: Seit 2010 hat sich die Erzeugung von 149 TWh auf 307 TWh im Jahr 2015 mehr als verdoppelt. Auch die Solarproduktion wuchs kräftig von 23 auf 101 TWh. Die Wasserkraft spielt in Europa eine konstante Rolle, ging jedoch 2015 gegenüber 2014 um 35 TWh leicht zurück. Der Vergleich mit dem Vorjahr zeigt, dass Jahre mit wenigen Niederschlägen und niedrigen Flusspegeln einen deutlichen Einfluss auf die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien in Europa haben. Die Länder mit dem größten Anteil an der Produktion von Strom aus erneuerbaren Quellen sind Deutschland (193 TWh), Italien (109 TWh), Spanien (99 TWh), Schweden (97 TWh) und Frankreich (90 TWh).

Fossile Energien: Braun- und Steinkohle gleichauf, Rückgang bei Erdgas

Die Zahlen des Öko-Instituts zeigen auch, dass der Zuwachs der erneuerbaren Energien die Braun- und Steinkohle nicht aus dem Strommix verdrängt. Die Stromproduktion aus Braun- und Steinkohle bleibt im Zeitverlauf nahezu konstant; die Länder mit der meisten Stromproduktion aus Kohle sind Deutschland (158 TWh Braunkohle, 118 TWh Steinkohle), Polen (54 TWh Braunkohle, 79 TWh Steinkohle) sowie Tschechien (38 TWh Braunkohle) und Großbritannien (95 TWh Steinkohle).

Hingegen sinkt die Stromproduktion aus Erdgas deutlich um mehr als ein Drittel. Hintergrund sind die hohen Brennstoffkosten von Erdgas, die Gaskraftwerke aus dem „System drängen“, sobald billigere Erzeugungsoptionen wie die Erneuerbaren hinzukommen (Merit Order-Prinzip). Gleichzeitig zeichnen sich die meisten Gaskraftwerke durch eine flexible Fahrweise aus und könnten dadurch Strom aus erneuerbaren Energien gut ergänzen.

„Die Kohleverstromung hat sich in den vergangenen fünf Jahren in Europa kaum verändert; sie ist ein wichtiger Faktor beim klimaschädlichen Treibhausgasausstoß in der EU“, fasst David Ritter, Energieexperte und Leiter der Untersuchung am Öko-Institut zusammen. „Zugleich sieht man, dass es hier auf die einzelnen Länder ankommt. Fast die Hälfte des Braunkohlestroms der EU entsteht in Deutschland; Großbritannien, Deutschland und Polen erzeugen zusammen mehr als die Hälfte des Stroms aus Steinkohle. Würden diese Länder weniger Strom aus diesen fossilen Energiequellen herstellen, könnte sich das insgesamt sehr deutlich auf die Treibhausgasbilanz der EU auswirken.“

Studie „Energy Transition in der Power Sector in Europe – State of Affairs 2015“ von Öko-Institut und Agora Energiewende

Infografik „Status Quo des Ausbaus der erneuerbaren Energien in Europa 2010 – 2015“ des Öko-Instituts

Ansprechpartner am Öko-Institut:

David Ritter
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institutsbereich
Energie & Klimaschutz
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg
Telefon: +49 761 45295-280
E-Mail: d.ritter--at--oeko.de

Christoph Heinemann
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institutsbereich
Energie & Klimaschutz
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg
Telefon: +49 761 45295-228
E-Mail: c.heinemann--at--oeko.de

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Neues vom Öko-Institut auf Twitter: twitter.com/oekoinstitut

Interesse an eco@work, dem kostenlosen E-Paper des Öko-Instituts?
Abo unter www.oeko.de/newsletter_ein.php