Freiwilliges CSR-Engagement von Unternehmen reicht nicht aus

17.09.2013

Das freiwillige CSR (Corporate Social Responsibility)-Engagement europäischer Unternehmen bewirkt erkennbare positive Effekte auf Nachhaltigkeit in den Bereichen Arbeitsplatzqualität und Umwelt. Jedoch reichen die freiwilligen Maßnahmen der Unternehmen nicht aus, um die Nachhaltigkeitsziele der Europäischen Union zu erreichen. Das Öko-Institut ruft deshalb die Politik auf, regulatorisch stärker einzugreifen. Das sind zentrale Aussagen des großen europäischen Forschungsprojekts IMPACT, welches das Öko-Institut gemeinsam mit den Partnern heute in Brüssel vorstellt.

„Um feststellen zu können, ob in den genannten Bereichen tatsächlich Verbesserungen erreicht werden konnten, haben wir quantitative und qualitative Daten von Unternehmen der letzten Jahre verglichen, die als Indikatoren für Nachhaltigkeit relevant sind. Zu ihnen zählen beispielsweise deren CO2-Emissionen oder deren Rohstoffverbrauch“, erklärt Christoph Brunn, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter der Synthese der empirischen Ergebnisse am Öko-Institut. „Ein Fazit aus der Studie kann lauten: Freiwilliges CSR ist gut und wichtig, aber eben nicht ausreichend“, folgert er.

IMPACT – europäisches CSR-Forschungsprojekt

IMPACT ist das bislang europaweit größte Forschungsprojekt zum Thema CSR. Es findet heute und morgen in Brüssel seinen Abschluss. Ziel des Projektes war es, herauszufinden, ob CSR-Maßnahmen von Unternehmen einen Beitrag dazu leisten, die EU-Ziele der Strategien von Göteborg und Lissabon zu erreichen: Wachstum, Innovation, Wettbewerbsfähigkeit, hohe Arbeitsplatzqualität, sowie ökologische Nachhaltigkeit. Eine eindeutige Antwort, ob CSR auch zu einem ökonomischen Gewinn führt, kann auch nach Abschluss der Studie nicht pauschal, sondern nur für jedes Nachhaltigkeitsthema einzeln gegeben werden.

Nachhaltigkeitsthemen haben hohe Relevanz

Ein weiteres Ergebnis: Fast alle kleinen, mittleren und großen Unternehmen geben an, eigene CSR-Aktivitäten zu verfolgen und ein Bewusstsein für die meisten der in einer Befragung vorgeschlagenen Nachhaltigkeitsthemen zu besitzen. Lediglich das Thema Landnutzung, eines von 48 Themen, wurde nicht als nachhaltigkeitsrelevant erachtet. Gerade beim Einzelhandelssektor, der mit seiner Vielzahl an Märkten maßgeblichen Einfluss auf die Landnutzung hat, steht das Thema nicht auf der Agenda.

Lücke zwischen Bewusstsein und Handeln groß

Dieses starke Bewusstsein für Nachhaltigkeitsthemen führt allerdings nicht immer dazu, dass Unternehmen auch aktiv werden. IMPACT zeigte, dass dies bei sechs der Themen nicht der Fall war. Ein Beispiel: Die Problematiken, die mit dem hohen Bedarf an kritischen Rohstoffen einhergehen, sind zwar den Verantwortlichen in der Automobilindustrie durchaus bewusst. Dennoch verneinten die Befragten, hier aktiv gegenzusteuern. Die gleiche Mechanik konnte zum Thema Wasserbrauch in der Bekleidungsindustrie festgestellt werden.

„Wir sehen, dass sich Unternehmen bemühen, sich für mehr Nachhaltigkeit einzusetzen“, fasst Brunn zusammen. „Es ist aber unerlässlich, dass sie sich dort stark machen, wo sie die größte, tatsächliche Wirkung, gerade für ihren Industriezweig, erzielen können.“

Mehr politische Steuerung nötig

Die Studienergebnisse weisen eindeutig darauf hin, dass ein „weiter so“ keine grundlegende Wende hin zu einem nachhaltigen Wirtschaften bringen wird. Das bisherige Vertrauen in Selbstverpflichtungen oder freiwillige Einzelmaßnahmen der Industrie erweisen sich als nicht ausreichend. Auch die bislang nur „weichen“ politischen Anreize wie Awards und Informations- sowie Netzwerkplattformen für CSR-Engagement in Deutschland haben keinen maßgeblichen Einfluss. Das ist das Ergebnis einer Expertenbefragung im Rahmen von IMPACT.

Das Öko-Institut fordert deswegen die Politik auf, das verfügbare Instrumentarium besser auszunutzen, regulatorisch stärker einzugreifen und wenn nötig auch vor härteren Maßnahmen wie Mindeststandards oder Verboten nicht zurückzuschrecken.

Zur Methodik der Studie

An der von der Europäischen Kommission finanzierten Studie sind 17 europäische Forschungspartner beteiligt. Das Öko-Institut ist verantwortlich für das Projektmanagement und die Sicherung der wissenschaftlichen Qualität. Darüber hinaus ist es wissenschaftlich-konzeptionell in die Formulierung der Forschungsfragen eingebunden und führt in einem eigenen Arbeitspaket alle Teilergebnisse zusammen.

Die empirischen Untersuchungen umfassen eine ökonometrische Analyse von über 2000 großen und über 5.000 kleinen Unternehmen, Fallstudien zu 19 großen europäischen Unternehmen aus den Bereichen Automobil und Einzelhandel, Bekleidung und Bau sowie Informations- und Telekommunikationstechnologie, fünf CSR-Netzwerkanalysen und eine Delphi-Studie. Letztere enthält eine schriftliche Befragung von 500 CSR-Experten.

Weitere Informationen zur Studie:

Hintergrundpapier des Öko-Instituts zur Studie IMPACT

Ansprechpartner am Öko-Institut:

Christoph Brunn
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institutsbereich
Umweltrecht & Governance
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Telefon: +49 6151 8191-128
E-Mail: c.brunn--at--oeko.de

Regine Barth
Projektleiterin und Leiterin des Institutsbereichs Umweltrecht & Governance
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Telefon: +49 6151 8191-130
E-Mail: r.barth--at--oeko.de