Treibhausgase vermeiden mit CCS? Ja, aber…

03.07.2012

Die Abscheidung und unterirdische Speicherung von Kohlendioxid kann für die Emissionen aus dem Industriesektor von Bedeutung für die Erreichung der Klimaziele sein. Insbesondere für die sogenannten Prozessemissionen, die rund zehn Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland ausmachen, wäre die CCS-Technologie somit eine kostengünstige Klimaschutzoption. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Öko-Instituts im Auftrag des WWF Deutschland.

„Große Industrieunternehmen der Stahl-, Eisen- und Zementbranche verursachen heute jährlich rund 90 Millionen Tonnen CO2 als „chemische Abfallprodukte““, erläutert Hauke Hermann, Wissenschaftler am Öko-Institut die Relevanz von CCS. „Mit einem effizienten Betrieb ihrer Anlagen und anderen Maßnahmen können sie die Prozessemissionen um etwa 20 bis 40 Prozent reduzieren. Das reicht aber nicht, um bis 2050 eine Senkung der Emissionen in Deutschland von 95 Prozent zu erreichen. Für die Industrie kann CCS deshalb eine wichtige Rolle spielen, weil sie im Bereich der Prozessemissionen nicht viele Alternativen zur Vermeidung haben.“

Carbon Capture and Storage (CCS) kann zusätzlich so genannte Netto-Senken schaffen, wenn es bei der Gewinnung von Strom oder Biomasseverarbeitung die entstehenden biogenen CO2-Emissionen beseitigt. Der Atmosphäre werden dadurch netto Treibhausgase entzogen. Zusammen mit dem Einsatz in der Industrie könnte CCS für diesen, auch zukünftig insgesamt rund zehn Prozent der Treibhausgase in Deutschland ausmachenden, Anteil eine der wenigen möglichen Vermeidungsoptionen sein.

„CCS ist in Hochöfen der Stahlproduktion und Zementwerken, die insgesamt rund 80 Prozent der CO2-Prozessemissionen verursachen, besonders ratsam, so Hermann weiter. „Dort ist der Einsatz der Technologie viel sinnvoller als beispielsweise in Kohlekraftwerken. Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Kosten und der Energieverbrauch für CCS in der Industrie viel niedriger sind als für Kohlekraftwerke.“

Das Öko-Institut begrüßt deshalb, dass mit der Einigung zum CCS-Gesetz im Vermittlungsausschuss die Grundlagen dafür gelegt wurden, dass CCS für die Industrie und in Verbindung mit der Biomasse-Nutzung zum Einsatz kommen kann. Spätestens bis 2025 sollte CCS für die genannten Sektoren erprobt und verfügbar sein, um Investitionsmöglichkeit und -sicherheit für die Unternehmen zu schaffen und den Fortbestand einer nahezu vollständig CO2-freien (dekarbonisierten) Volkswirtschaft zu sichern.

Studie „Potenziale und Chancen der Technologie zur CO2-Abtrennung und -Ablagerung (CCS) für industrielle Prozessemissionen“ des Öko-Instituts

Ansprechpartner

Hauke Hermann
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institutsbereich Energie & Klimaschutz
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Telefon: +49 30 405085-362
E-Mail: h.hermann--at--oeko.de

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