Das Textilbündnis: ambitioniert und transparent genug?

05.06.2018
Für eine faire Einkaufspraxis fehlen konkrete Standards

Mehr Transparenz entlang der Lieferkette und Mindeststandards bei der Zusammenarbeit mit Lieferanten – die Mitglieder des Bündnisses für nachhaltige Textilien verpflichten sich zu einer Reihe von Zielen, die eine fairere und nachhaltigere Produktion von Bekleidung sicherstellen sollen. Wie eine ambitionierte Umsetzung dieser Ziele durch deutsche Marken- und Handelsunternehmen aussehen kann, hat das Öko-Institut jetzt im Auftrag der zivilgesellschaftlichen Partner des Bündnisses erarbeitet. Im Ergebnis fordert das Institut eine Konkretisierung der Ziele und mehr Transparenz für den Prozess selbst. So sollte das Textilbündnis klar darlegen, an welchen Kriterien die Zielerreichung der Unternehmen gemessen wird und wie die Überprüfung genau vonstattengehen soll.

Konkrete Vorgaben und Weiterentwicklung der Ziele

Im Bündnis für nachhaltige Textilien haben sich rund 150 Mitglieder aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammengeschlossen, um die Bedingungen in der Textilproduktion zu verbessern. Sie haben sich dafür auf verbindliche Ziele geeinigt, zu denen sie jährlich im Rahmen des sogenannten Review-Prozesses Bericht erstatten. Im August sollen die neuen Maßnahmenpläne („Roadmaps“) der Mitglieder veröffentlicht werden.

„Unsere Analyse zeigt, dass die Ziele momentan zu große Spielräume hinsichtlich der konkreten Umsetzung und Ausgestaltung der Maßnahmen zulassen“, kritisiert Dr. Nele Kampffmeyer, Leiterin des Projekts am Öko-Institut. „Das schwächt die Wirksamkeit des Bündnisses.“

Eine Forderung des Öko-Instituts besteht darin, die tiefere Lieferkette stärker in den Fokus zu nehmen. Um die Situation zu verbessern, können die Unternehmen beispielsweise einen Beschwerdemechanismus einrichten, der auch für den Baumwollbauern aus Indien oder die Näherin aus Bangladesch leicht zugänglich ist. Diese können Missstände so direkt an das einkaufende deutsche Unternehmen kommunizieren.

Auch sollte das Bündnis konkrete Standards für eine faire Einkaufspraxis formulieren. Lieferanten sehen sich einem hohen Preisdruck, knappen Lieferfristen und kurzfristigen Geschäftsbeziehungen gegenüber. In vielen Fällen müssen sie die Kosten für eine Verbesserung ihrer Standards zudem selber tragen, was den Druck zusätzlich erhöht. Die Bündnispartner sollten sich daher beispielsweise Gedanken machen, welche Standards sie einführen sollten, um bestimmte Produktmengen garantiert abzunehmen.

Würdigung und Sanktionierung von Unternehmen

Da das Bündnis für nachhaltige Textilien ein freiwilliger Zusammenschluss ist, ist es nach Auffassung von Cara-Sophie Scherf, Expertin für unternehmerische Sorgfaltspflichten am Öko-Institut, wichtig, jene Unternehmen zu würdigen, die besonders ambitioniert in der Umsetzung der Ziele sind: „So werden Vorreiter sichtbar und anderen Unternehmen erkennen, dass eine Verbesserung der sozialen und ökologischen Bedingungen in der Textilbranche möglich ist.“

Gleichzeitig bleibt das Textilbündnis ein freiwilliger Zusammenschluss, der nur einen Teil der deutschen Textilunternehmen umfasst. Damit alle Unternehmen bestimmte Mindestanforderungen erfüllen müssen, fordert das Öko-Institut die Einführung rechtlich verbindlicher menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten. Dann müssten alle Unternehmen beispielweise eine menschenrechtliche Risikoanalyse durchführen und gegebenenfalls entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen.

Stellungnahme „Das Bündnis für nachhaltige Textilien: ambitioniert und transparent?“ des Öko-Instituts (PDF-Version)

Stellungnahme „Das Bündnis für nachhaltige Textilien: ambitioniert und transparent?“ des Öko-Instituts (Online-Version)

Studie „Bewertungsraster für eine ambitionierte Umsetzung der Zeit- und Mengenziele 2018-2020 des Bündnisses für nachhaltige Textilien (Marken/Handel)“ des Öko-Instituts