Studie zeigt Wege zur Klimaneutralität bis 2050
Klimaschutz in der Europäischen Union
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Die aktuellen Klimaschutzmaßnahmen der EU sind nicht ausreichend, um die Emissionsziele für 2030 zu erreichen oder bis 2050 Klimaneutralität zu gewährleisten. Zwar sorgen Fortschritte in den Bereichen Energie und Verkehr bereits für sinkende Emissionen, doch bleiben Industrie, Gebäude und Landwirtschaft die großen Problemsektoren. Das geht aus einer Studie des Öko-Instituts und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag des Umweltbundesamtes hervor.
Die Studie basiert auf umfassenden Modellierungen und vergleicht drei Szenarien: das Referenzszenario EUBase mit den derzeitigen politischen Maßnahmen sowie zwei Zielszenarien, die Wege zur Treibhausgasneutralität bis 2050 aufzeigen: EUTarget und EUSupreme. Während EUTarget stark auf technologische Lösungen wie Elektrifizierung, Wasserstoff und CO₂-Abscheidung setzt, verfolgt EUSupreme einen nachhaltigkeitsorientierten Ansatz mit Suffizienz, Kreislaufwirtschaft und geringerer Energienachfrage. Beide Szenarien erreichen im Jahr 2050 Netto-Null, jedoch auf sehr unterschiedlichen Wegen.
Aktuelle Maßnahmen: Zu langsam für 2030 und 2050
Im EUBase-Szenario werden die europäischen Klimaziele klar verfehlt. Trotz ehrgeiziger Programme zur Elektrifizierung des Verkehrs, zur Nutzung synthetischer Kraftstoffe und zum Ausbau erneuerbarer Energien bleiben die Emissionen in Industrie, Gebäuden und Landwirtschaft zu hoch. Im Jahr 2030 liegen die Gesamtemissionen noch bei rund 2.164 Millionen Tonnen (Mt) CO₂-Äquivalenten (CO2e). Damit sinken die Nettoemissionen gegenüber 1990 um 54 Prozent statt um die geplanten 55 Prozent. Im Jahr 2050 liegen sie mit 816 Mt CO2e immer noch deutlich über dem Ziel der Netto-Null.
Zwei Wege zu Netto-Null – mit unterschiedlichen Schwerpunkten
EUTarget: Das technologiegetriebene Szenario erreicht Klimaneutralität bis 2050 durch massiven Technikeinsatz – etwa Elektrifizierung und den Ausbau erneuerbarer Energien sowie im begrenzten Maß CO₂-Abscheidung und -Speicherung (CCS). Die LULUCF-Senke (Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft) – also die Speicherleistung von Wäldern, Mooren und anderen Landflächen – wächst bis 2050 deutlich. Sie reicht jedoch nicht aus, um alle überschüssigen CO2-Emissionen aufzunehmen. Zusätzlich müssen etwa 28 Millionen Tonnen CO2e mit technischen Lösungen aufgenommen und gespeichert werden.
EUSupreme: Das nachhaltigkeitsorientierte Szenario setzt auf Verhaltensänderungen, Suffizienz und eine gestärkte Kreislaufwirtschaft. Durch einen geringeren Energieverbrauch, einen geringeren Ressourcenbedarf und eine wachsende natürliche Senke sinken die Emissionen am stärksten: auf 1.608 Mt CO2e im Jahr 2030 und 412 Mt CO2e im Jahr 2040. Mit minus 130 Mt CO2e werden die Netto-Emissionen im Jahr 2050 sogar unter Null gedrückt, wodurch das Netto-Null-Ziel übererfüllt wird.
Beiträge der Sektoren zum Klimaschutz
- Energie und Verkehr: Die Elektrifizierung und der Einsatz synthetischer Kraftstoffe führen zu großen Einsparungen, diese reichen aber bis 2030 nicht aus.
- Industrie: Bleibt ein Sorgenkind – ohne CCS oder Suffizienzmaßnahmen sind die Reduktionspotenziale begrenzt.
- Gebäude: Sanierung und Effizienzsteigerung sind zentral, Einsparungen von bis zu 1.800 Terawattstunden Endenergie gegenüber dem Referenzszenario sind möglich.
- Landwirtschaft & LULUCF: Reduzierte Tierhaltung und mehr Ökolandbau helfen Emissionen zu senken, gleichzeitig können natürliche CO₂-Senken, zum Beispiel durch Aufforstungen, gestärkt werden – entscheidend im EUSupreme-Szenario.
Klare politische Entscheidungen für den Klimaschutz nötig
Die Analyse macht deutlich, dass die EU mit den derzeitigen Maßnahmen weder ihre Ziele für das Jahr 2030 erreichen noch bis 2050 klimaneutral werden wird. Der Weg zu Netto-Null führt entweder über tiefgreifende technologische Transformationen mit entsprechenden Kosten oder über strukturelle und gesellschaftliche Veränderungen. Beide Pfade erfordern große Investitionen, koordinierte politische Entscheidungen und entschlossenes Handeln noch in diesem Jahrzehnt.
Unsere Ergebnisse zeigen, dass technologische Lösungen allein nicht ausreichen werden. Nur wenn technologische Innovationen mit Veränderungen im Konsumverhalten, in der Ressourcennutzung und im Flächenmanagement kombiniert werden, kann die EU das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2050 tatsächlich erreichen.
Diese Studie entstand in der Öko-Institut Consult GmbH.
Studie „Pathways to an EU in 2050 with net-zero GHG-emissions“ des Öko-Instituts