Spritverbräuche und CO2-Emissionen von Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen im Realbetrieb
Plug-in-Hybride haben einen viel höheren Verbrauch als bisher angenommen.
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Plug-in-Hybridfahrzeuge (kurz PHEV) können sowohl elektrisch als auch mit Verbrennungsmotor fahren, haben jedoch nur im elektrischen Betrieb einen Klimavorteil. Aktuelle Auswertungen von rund einer Million PHEV aus den Jahren 2021–2023 zeigen, dass ihr tatsächlicher Spritverbrauch und damit die realen CO₂-Emissionen im Durchschnitt drei- bis fünfmal höher sind als die offiziell angegebenen Werte. Der reale Kraftstoffverbrauch liegt im Mittel bei 5,9 l/100 km und damit nah an dem mittleren Wert von Verbrennern (ca. 7 l/100 km). Hauptgrund dafür ist, dass PHEV im Mittel nur etwa 25–30 % ihrer Kilometer elektrisch zurücklegen. Die immense Lücke zwischen offiziellem und tatsächlichem Spritverbrauch schwächt die Wirksamkeit der europäischen CO2-Regulierung massiv.
Ein regulatorisch zentrales Problem ist dabei der sogenannte Utility Factor (UF), der den mutmaßlichen elektrischen Fahranteil für die EU-Flottenzielwerte rechnerisch abbilden soll. Er entscheidet darüber, wie stark der Betrieb mit geladener Batterie und der Betrieb mit leerer Batterie anteilig in den offiziellen kombinierten Verbrauchswert eines Fahrzeugs einfließen. Die Analyse zeigt zweierlei: Zum einen wurde der Anteil des Betriebs mit geladener Batterie an der gesamten Strecke bisher zu optimistisch angenommen. Zum anderen wird selbst bei geladener Batterie weit weniger elektrisch gefahren als gedacht: Über die gesamte Flotte hinweg wurde für den „überwiegend elektrischen Betriebsmodus“ immer noch ein Kraftstoffverbrauch von fast 3 Litern auf 100 km beobachtet.
Die bereits gesetzlich vorgesehenen Anpassungen des UF bis 2028 können die Lücke zwischen Real- und Normverbrauch zwar nicht schließen, aber immerhin deutlich verringern. Trotzdem fordern nun einige Akteure eine Aussetzung dieser Anpassungen. Dies würde jedoch die europäische CO2-Regulierung für Pkw erheblich schwächen und allein in Deutschland zu Mehremissionen im Verkehrssektor von bis zu 25 Mio. t CO2 führen würde. Um die Lücke zwischen Realverbräuchen und offiziellen Werten auf ein Maß wie derzeit bei Verbrenner-Pkw zu reduzieren, wäre vielmehr eine weitere Verschärfung des UF für PHEV erforderlich.
Policy Brief „Regulatorischer Anpassungsbedarf bei Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen in Europa”
Studie „Regulatorischer Anpassungsbedarf bei Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen in Europa”