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Arbeit / Rückblick

Der 8-Tonnen-Lebensstil

Christiane Weihe

Wir könnten durchaus mit acht Tonnen Rohstoffe auskommen – ohne Verlust an Lebensqualität. Möglich wäre das mit gut geschnittenen 40 m² Wohnfläche pro Person, einer verlässlichen Mobilität ohne eigenes Auto und überwiegend pflanzlicher Ernährung. „Laut einer repräsentativen Umfrage findet die Mehrheit der Deutschen einen solchen Lebensstil attraktiv – vor allem wenn die Rahmenbedingungen stimmen“, sagt Daniel Hinchliffe, Senior Researcher am Öko-Institut. „Das Schöne ist: Ein solcher Alltag wäre ökologisch tragfähig, entlastet das Portemonnaie und steigert Gesundheit und Lebensqualität.“ 

Derzeit verbrauchen die Deutschen rund 16 Tonnen Rohstoffe pro Kopf und Jahr – das zeigt die Modellierung des Status quo. Für den WWF und finanziell unterstützt von Vodafone hat das Öko-Institut im Projekt „Ressourcenleicht leben 2045“ gemeinsam mit dem Wuppertal Institut, Politics for Tomorrow und Ellery Studio untersucht, wie sich dieser Bedarf wirksam senken lässt. Ein zentrales Element war ein intensiver Beteiligungsprozess mit Bürger*innen: Teilnehmende entwickelten eigene Zukunftsbilder und alltagstaugliche Lebensstile für 2045, die anschließend modelliert wurden. Das Ergebnis: Unter bestimmten strukturellen Veränderungen – etwa besserer Mobilität, fairen Preisen oder passenden Wohnangeboten – lassen sich diese Zukunftsentwürfe mit rund acht Tonnen pro Kopf realisieren. „Derzeit verursachen die privaten Haushalte fast 50 Prozent des Rohstoffbedarfs – vor allem in den Bereichen Wohnen, Ernährung und Mobilität. Menschen mit höheren Einkommen verbrauchen im Schnitt fast doppelt so viel wie solche mit niedrigen Einkommen.“

Das Projektteam hat sich zudem mit der Frage befasst, wie der Wandel politisch gestaltet werden kann. „Notwendig sind verlässliche politische Rahmenbedingungen sowie verbindliche Ressourcenziele im Rahmen der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie“, sagt Hinchliffe. „Zudem braucht es alltagstaugliche Ansätze für die Konsument*innen wie etwa faire Preise für pflanzliche Nahrungsmittel, Anreize für Wohnungstausch oder einen leichten Zugang zu Reparaturangeboten. Unsere Analysen zeigen deutlich: Die Bereitschaft zum ressourcenleichten Leben ist da – die Strukturen müssen folgen.“

Ansprechpartner am Öko-Institut