Das Internet, ein stromintensives Land
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Unsere Geräte benötigen Strom, klar. Die digitalen Dienste auch. Vor allem aber die enorme digitale Infrastruktur, die dahintersteht. Allein Rechenzentren verbrauchten 2025 weltweit rund 650 Terawattstunden Strom, mehr als ganz Deutschland. Oder anders gesagt: Wäre das Internet ein Land, läge es beim weltweiten Stromverbrauch auf Platz 6. Prognosen, die das Öko-Institut für Greenpeace erstellt hat, gehen davon aus, dass sich dieser Stromverbrauch bis 2030 verdoppeln wird. In Deutschland waren die Rechenzentren 2025 mit 26 Terawattstunden für rund fünf Prozent des Stromverbrauchs verantwortlich. Und auch hier können wir von einer Verdopplung in den nächsten fünf Jahren ausgehen.
Möglicherweise unterschätzen diese Prognosen sogar die rasante Entwicklung, die durch neue Anwendungen der Künstlichen Intelligenz angetrieben wird. Die europäische Kommission hat 2025 einen „Artificial Intelligence Continent Action Plan“ veröffentlicht. Ihr erklärtes Ziel ist es, die Rechenleistung innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre zu verdreifachen. Deutschland hat ebenfalls große Pläne: Das neu geschaffene Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung will mit einer „Nationalen Rechenzentrumsstrategie“ dazu beitragen, dass hierzulande mehr Rechenzentren gebaut werden. Das Öko-Institut ist der öffentlichen Aufforderung zur Beteiligung an solch einer Strategie gefolgt und hat dem Ministerium eine Stellungnahme übermittelt, deren wichtigste Punkte nachfolgend zusammengefasst sind. Ganz grundsätzlich sollte sich der Ausbau von Rechenzentrumskapazitäten an den drei Nachhaltigkeitsdimensionen Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz orientieren.
Es ist zum Beispiel wenig sinnvoll, Rechenzentren staatlich zu subventionieren oder deren Bau anzuregen, wenn es kein tragfähiges Finanzierungskonzept gibt. Viele der derzeit angebotenen digitalen Dienste sind reine Spekulationsobjekte, die mit Risikokapital betrieben werden und noch weit von einer Wirtschaftlichkeit entfernt sind. Nur wenige werden sich am Markt behaupten. Eine nationale Rechenzentrumsstrategie sollte sich auf solche Vorhaben beschränken, die tatsächlich benötigt werden.
Bezüglich der Umweltverträglichkeit ist zu befürchten, dass Rechenzentren die nationalen Klimaschutzverpflichtungen gefährden. Mit ihren derzeit starren Energieverbrauchsmustern belasten sie das Stromnetz und tragen dazu bei, dass fossil befeuerte Kraftwerke länger laufen müssen. Zusätzlich benötigen Rechenzentren oft viel Wasser für die Kühlung – hierzulande jährlich schätzungsweise so viel wie der Berliner Wannsee enthält. Eine intelligente Strategie könnte dabei helfen, Fehlentwicklungen zu vermeiden. So sollten nur hocheffiziente Rechenzentren gebaut werden, die flexibel genug betrieben werden, um auf das Angebot an erneuerbaren Energien zu reagieren. Die nur dann Wasser verbrauchen, wenn davon lokal reichlich vorhanden ist, und die ihre Abwärme an umliegende Gebäude oder Fernwärmenetze abgeben. Solche Anforderungen hat das Umweltbundesamt im deutschen Umweltzeichen Blauer Engel dargelegt. Eine umweltgerechte Strategie wäre es, diese Anforderungen grundsätzlich an den Neubau von Rechenzentren zu stellen.
Ein blinder Fleck bei den derzeitigen Rechenzentrumsvorhaben ist zudem deren gesellschaftliche Akzeptanz. Sobald Rechenzentren eine gewisse Größe überschreiten – und dies ist bei den Ausbauplänen für KI-Fabriken definitiv der Fall –, sind sie für die unmittelbare Nachbarschaft nicht mehr zu übersehen. Gewerbebauten mit einer Fläche von mehreren Fußballfeldern, die über 30 Meter hoch sind und etliche Schornsteine für die Kälteanlagen und die Notstromdiesel benötigen, werden unweigerlich lokale Proteste hervorrufen. Eine nationale Rechenzentrumsstrategie muss sich Gedanken dazu machen, wie sie die Ansiedlung solcher Anlagen für die jeweiligen Kommunen akzeptabel gestalten kann.
Digitalisierung darf nicht im Blindflug erfolgen, sondern muss in nachhaltigen Bahnen gestaltet werden – das ist auch die Aufgabe der Rechenzentrumsstrategie. Wie das gelingen kann, zeigen wir am Öko-Institut durch Bewertungsmethoden für Rechenzentren sowie Mindestanforderungen und Konzepte für deren nachhaltigen Betrieb.
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Jens Gröger ist Forschungskoordinator Nachhaltige digitale Infrastrukturen am Öko-Institut sowie Senior Researcher im Bereich Produkte & Stoffströme. Er befasst sich mit energieeffizienten Rechenzentren und IT-Infrastrukturen ebenso wie mit Umweltauswirkungen von Software und Cloud-Diensten oder auch Kriterien für Umweltzeichen.