Ausgabe: September 2020, Strom zu Kraftstoff – Wofür brauchen wir PtX?


Einblick

Geht das eigentlich …35 Jahre lang übersetzen für das Öko-Institut?

Christopher Hay zeigt: Ja! Als 25-Jähriger stieß er zur Bürgerinitiative Aktionsgemeinschaft Umweltschutz (AGU) in Darmstadt. Dort lernte er einige Öko-Institut-Mitarbeitende kennen. So entstand ein Kontakt, der seit fast vier Dekaden besteht.

„Die Herausforderung ist es, zu erkennen was der Text will“, beschreibt Christopher Hay seine Arbeit. Dann entsteht durch passendes Vokabular sowie die Kenntnis aktueller sowie historischer Diskurse eine gute Übersetzung. Hay, der sich schnell auf klimapolitische Themen festlegte, hatte zunächst 50 Zeitschriften abonniert und viel Zeit in der – damals noch vorhandenen – Bibliothek des Öko-Instituts verbracht. Überhaupt habe er in den Anfangszeiten ebenso wie die rund 15 Mitarbeiter im Büro „mitgelebt“. Hay sei von Anfang an von der Konzentration und Professionalität der Mitarbeitenden im Öko-Institut beeindruckt gewesen. Die Texte hat er lange Zeit, bis die E-Mail alles änderte, persönlich abgeliefert. Ein Kontakt, den er heute vermisst.

Über die Jahre hinweg hat Hay ein 10.000-seitiges enzyklopädisches deutsch-englisches Wörterbuch der Umwelt- und Entwicklungspolitik zusammengetragen. „Denn ein Begriff wie ‚Öko-Landbau‘ lässt sich mit organic, biological oder auch biodynamic farming übersetzen. Was wählen? Eine knifflige Angelegenheit“, sagt Hay.

Einzig der britische Akzent lässt seine Herkunft erahnen; den größten Teil seines Lebens hat er in Südhessen verbracht. Der 60-jährige Vater von vier Kindern war vor 22 Jahren das letzte Mal in seinem Geburtsland.

Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Indien und Pakistan, bis der Vater als „tropenuntauglich“ galt. Im Jahr 1974 nahm dieser eine Stelle in Michelstadt im Odenwald an, zunächst als Ingenieur, dann als Übersetzer. Autodidakt Hay ist in seine Fußstapfen getreten. Inzwischen arbeitet er in einem Netzwerk aus zwölf selbstständigen Übersetzern. Derzeit übersetzt er etwa 5.000 Zeilen pro Monat – rund 100 Seiten.

Trotzdem hat er seiner Tochter, die auch mit dem Gedanken spielte, Übersetzerin zu werden, diesen ausgeredet. Denn die „Branche sei im Niedergang“, wie Hay seit etwa zwei Jahren beobachtet. Die Konkurrenz durch die Schreibenden selbst, die heutzutage ihre Arbeiten direkt in Englisch ablieferten und Übersetzungdienste im Web sei zu groß. Er selbst will sein Lebenswerk als „Ecotranslator“ im Alter von 75 Jahren mit der Rente beenden – immerhin hätte er dann 50 Jahre fürs Öko-Institut übersetzt.

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