Ausgabe: Juni 2021, Noch rund 30 Jahre – Die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle


Im Fokus

Porträt: Julia Mareike Neles (Öko-Institut)

Dass sich niemand über die weitreichenden Konsequenzen Gedanken gemacht hat, verwundert sie immer noch. „Da wird eine Technologie entwickelt und in Betrieb genommen – aber was mit den Hinterlassenschaften der Kernenergie passiert, blieb unklar“, sagt Julia Mareike Neles, „nun muss die Gesellschaft einen großen Aufwand betreiben, um eine sichere Endlagerung zu gewährleisten.“ Eine gewaltige Aufgabe, sagt Neles, die im März 2021 die stellvertretende Leitung des Bereichs Nukleartechnik & Anlagensicherheit übernommen hat, aber auch eine spannende. „Zu lösen ist sie auf einer naturwissenschaftlich-technischen Ebene. Aber ohne die gesellschaftliche und politische Ebene wird es nicht gehen. “

„Erstmal vertraue ich dem Verfahren der Suche nach einem Endlagerstandort.“

Die Expertin sieht die gesamte Gesellschaft gefordert, dem Verfahren eine Chance zu geben und sich zu beteiligen – auch die Wissenschaft. „Wir am Öko-Institut sehen es als unsere Aufgabe an, mit darauf zu achten, dass es eine nachhaltige und sichere Lösung gibt.“ Daher haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Eigenprojekt ins Leben gerufen, beraten in verschiedenen Projekten, sind in Kommissionen und auf Konferenzen unterwegs. Auch im privaten Umfeld diskutiert Julia Neles über Endlagerung. „Ich finde es aber erstaunlich, dass sich eher wenige Menschen wirklich interessieren oder gar aktiv werden würden.“

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Ansprechpartnerin am Öko-Institut
Julia Mareike Neles
Nukleartechnik & Anlagensicherheit
Büro Darmstadt
Tel.: +49 6151 8191-122
Fax: +49 6151 8191-133
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Zur Person

Ausbildung und Berufserfahrung

1989 – 1993: Studium an der Fachhochschule Gießen-Friedberg, Bereich Gießen, Studiengang Umwelt- und Hygienetechnik, Schwerpunkt Abfall, Wasser, Abwasser; Abschluss Diplom-Ingenieurin (FH) für Umwelt- und Hygienetechnik

1994 – 1999: Berufstätigkeit als Projektingenieurin / Gutachterin für die obere Überwachungsbehörde, Kommunen, Wirtschaft und Privatpersonen in den Arbeitsbereichen Altlasten, Sanierungsmaßnahmen, Entsorgungsmanagement und Deponietechnik

Am Öko-Institut e.V. seit 1999

Expertise

Erstellung von Gutachten und Stellungnahmen sowie fachliche Beratung für Verwaltung, Fachbehörden und Politik insbesondere in den Themenfeldern Zwischen- und Endlagerung, radioaktive Abfälle und Öffentlichkeitsbeteiligung.

Methodische Schwerpunkte:

  • Analyse und Bewertung von Fragestellungen
  • Ableitung von Handlungsempfehlungen
  • Begleitung und Umsetzung von Beteiligungsprozessen für Stakeholder und Öffentlichkeit
  • Umsetzung von fachlich komplexen Inhalten für die Öffentlichkeit

Kommissionen

Mitglied in der Entsorgungskommission (ESK) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) sowie im Ausschuss Abfallkonditionierung, Transporte und Zwischenlagerung (AZ) der ESK

Mitglied in der Expertengruppe-Schweizer-Tiefenlager (ESchT)

Aktuelle Publikationen

Kurzgutachten zur Umsetzung der Kriterien nach den §§ 22-24 StandAG in Methoden zur Kriterienanwendung durch die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH

Kurz-Beratung zum Zwischenbericht Teilgebiete für den Landkreis Lüchow-Dannenberg

Fachliche Beratung des Landkreises Emsland zu den Ergebnissen des Zwischenberichts Teilgebiete im Standortauswahlverfahren für ein Endlager

Verlängerte Zwischenlagerung im Spannungsfeld zwischen technischen Anforderungen und gesellschaftlichen Erwartungen

Raising Public Awareness of Nuclear Waste Management by Active Information – a Field Report. Vortrag von Julia Mareike Neles bei der ENTRIA Final Conference am 26.9. 2017 in Braunschweig

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