Ausgabe: Juni 2021, Noch rund 30 Jahre – Die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle


Im Fokus

Mehr Jugend!

Die junge Generation im Nationalen Begleitgremium

Ungefähr 60 Jahre wird er alt sein, wenn es wirklich los geht. Wenn die ersten hochradioaktiven Abfälle in einem deutschen Endlager untergebracht werden. Vielleicht wird er sogar älter sein. Heute ist Lukas Fachtan 27 Jahre alt und beteiligt sich an der Suche nach einem geeigneten Standort. Gemeinsam mit Jorina Suckow vertritt er die junge Generation im Nationalen Begleitgremium (NBG). Dieses gesellschaftliche Gremium, zu dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Personen des öffentlichen Lebens sowie Bürgerinnen und Bürger gehören, wurde eingesetzt, um die Standortsuche gemeinwohlorientiert, wissenschaftsbasiert, unabhängig sowie vermittelnd zu begleiten und damit zu einem transparenten und fairen Auswahlverfahren beizutragen.

Ein Zufallsgenerator brachte Lukas Fachtan, den Geographie-Master-Studenten, und das NBG zusammen: Über ihn wurden Bürgerinnen und Bürger ausgewählt, die gefragt wurden, ob sie sich im Gremium engagieren wollen. Als sich die erste Überraschung gelegt hatte, war dem Studenten klar: Das will ich machen. „Ich finde es spannend, dass es ein solches demokratisches Verfahren gibt, das die Gesellschaft mit einbezieht. Und natürlich fasziniert mich auch die Aufgabe an sich, diese einmalige Herausforderung, die uns als Gesellschaft noch sehr lange beschäftigen wird. Und die damit natürlich vor allem die Menschen betrifft, die heute jung sind.“ Besonders die Sicherheit des zukünftigen Endlagers und eine aktive, ernstgemeinte Öffentlichkeitsbeteiligung interessieren ihn. „Dafür ist es wichtig, dass alle Menschen verstehen, worum es geht und nicht nur die Expertinnen und Experten, die sich schon jahrelang damit beschäftigen.“

Nach drei Jahren Mitarbeit im NBG sagt Lukas Fachtan: Die Jugend könnte noch deutlich besser eingebunden werden. „Ich plädiere zum Beispiel sehr dafür, dass es spätestens bei der Fachkonferenz im August ein eigenes Podium für die junge Generation gibt. So könnte es zu einem besseren Austausch kommen, da sich die Jugendlichen dann eher trauen, ihre Gedanken frei zu äußern. Außerdem sollten sie über jugendfreundlichere, digitale Kanäle angesprochen werden.“ Einen wertvollen Schritt sieht er in speziellen Jugend-Workshops, die er mit angeregt hat und die bereits drei Mal stattgefunden haben. „Es ist wichtig, junge Menschen für das Thema zu begeistern, denn bislang ist ihr Interesse daran eher gering.“

Ob er sich mit 60 immer noch mit Endlagerung beschäftigt, kann Lukas Fachtan heute natürlich nicht sagen. Im Mai 2021 hat er sich der Wahl für eine erneute Berufung ins NBG gestellt, musste sich aber einem Mitbewerber geschlagen geben. „Ich werde den Prozess natürlich weiter beobachten“, sagt der Gießener Student, „und ich hoffe, dass es in Zukunft gelingt, die Mitsprache und den Einflussgrad von Bürgerinnen und Bürgern im Beteiligungsprozess deutlich zu erhöhen.“

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