Ausgabe: Februar 2017, Lärm – Auswirkungen und Schutz


Im Fokus

Porträt

Dr. Susanne Bartels (DLR)

Eins der Kinder wollte die Verkabelung am liebsten mit in die Schule nehmen. Dieses futuristisch anmutende Kostüm sollten die Freunde nicht verpassen. „Für vier Nächte – eine Anpassungsnacht und drei Testnächte – messen wir den Schlaf der Kinder elektrophysiologisch“, erklärt Dr. Susanne Bartels, „wir analysieren Hirnströme sowie Muskel- und Herzaktivität, Augenbewegungen und Sauerstoffsättigung.“ Gemeinsam mit ihren Kollegen vom DLR untersucht sie den nächtlichen Fluglärm rund um den Flughafen Köln-Bonn und seine Auswirkungen auf den Schlaf der 8- bis 10-Jährigen, auf ihr psychisches Wohlbefinden und die kognitive Leistungsfähigkeit. „Wir schauen uns zum Beispiel an, ob das Kind aufwacht, wenn ein Flugzeug vorüber fliegt, stellen am nächsten Morgen aber auch Fragen zum eigenen Empfinden.“ Insgesamt 50 Probanden werden bis Herbst 2017 dabei sein. „Dies ist die erste Feldstudie mit Kindern, daher war die Vorbereitung aufwändiger – etwa mit Blick darauf, den Kindern verständlich zu machen, was die Studie genau umfasst“, so die Psychologin.

Bartels ist selbst Mutter zweier Söhne. Auch sie macht sich Gedanken, wie sich Lärm auf das Wohlbefinden ihrer Kinder auswirken kann. Bislang stellt sie bei ihnen jedoch vor allem Freude am Getöse fest. „Die beiden sind eins und vier, für sie ist alles toll, was Krach macht – und sei es eine quietschende Straßenbahn.“

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Kontakt

Dr. Dipl.-Psych. Susanne Bartels
Projektleiterin

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)
Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin
Linder Höhe
51147 Köln

Tel.: +49 2203 601 3844

susanne.bartels--at--dlr.de

Zur Person

Nach dem Studium der Psychologie an der TU Chemnitz erarbeitete Dr. Susanne Bartels ihre Doktorarbeit im Bereich Lärmwirkung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Am DLR ist sie derzeit als Projektleiterin für eine Studie zur Wirkung von nächtlichem Lärm auf Kinder tätig. In einer ereigniskorrelierten Analyse wird untersucht, welche Auswirkungen es auf die 8 bis 10-jährigen Probanden hat, wenn ein Geräusch auftritt. Hierbei werden in einer Anpassungsnacht und drei Testnächten neben der Fluglärmbelastung unterschiedliche Werte aufgezeichnet, ein EEG (Elektroenzephalogramm) misst die Hirnströme, eine Elektromyografie (EMG) die Muskelaktivität, ein EOG (Elektrookulogramm) die Augenbewegungen und ein EKG (Elektrokardiogramm) die Herzaktivität. Darüber hinaus wird mittels der so genannten Pulsoxymetrie die Sauerstoffsättigung erfasst. Insgesamt 50 Kinder nehmen in zwei Abschnitten der Feldstudie 2016 und 2017 an der Analyse teil. Die Messung der Auswirkung von nächtlichem Fluglärm auf weitere so genannte vulnerable Gruppen wie Schichtarbeiter ist geplant.

Weitere Informationen zur Studie (auf der Website des DLR)

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