Ausgabe: November 2019, Klimaschutzlücke 2020 – Was sind die nächsten Ziele?


Editorial

Vorreiter beim Klimaschutz

Das Vorwort von Jan Peter Schemmel, Sprecher der Geschäftsführung des Öko-Instituts

Endlich steht er im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: der Klimaschutz. In den Medien, in politischen Prozessen, in der öffentlichen Diskussion. Immer mehr Menschen verstehen, dass es Zeit ist, schnell und konsequent zu handeln. Dies resultiert nicht zuletzt aus den zunehmend auch in Deutschland spürbaren Folgen der Erderwärmung und den konsequenten Protesten der Fridays for Future-Bewegung.

Wie dieses Handeln aussehen kann, darüber gibt es viele Diskussionen. Wie hoch sollte ein CO2-Preis sein? Wie kann die Sanierungsquote im Gebäudesektor erhöht werden? Welche Maßnahmen sind im Verkehrsbereich besonders wirkungsvoll? Wie können die Stickstoffemissionen aus der Landwirtschaft reduziert werden? Um viele Fragen wird heftig gerungen. Ich finde: Das ist gut so. Denn die Auseinandersetzungen verdeutlichen, dass Klimaschutz ein Thema für alle Lebensbereiche, für die gesamte Gesellschaft ist. Sie zeigen, dass es um tiefgreifende Modernisierungen gehen muss und geht.

Mitten in diesen spannenden Diskussionen wurde ich Anfang Oktober 2019 Sprecher der Geschäftsführung des Öko-Instituts. Der Klimaschutz war schon vorher viele Jahre ein wichtiger Teil meines Berufslebens bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Im Ausland habe ich immer wieder erlebt, wie wichtig es für andere Länder ist, dass Deutschland beim Klimaschutz voran geht. Viele Partner in den Ländern inspiriert und motiviert es zu sehen, dass ein großes Industrieland sich der Herausforderung stellt, seine Energieversorgung zukunftsfähig zu gestalten, ressourceneffizienter zu wirtschaften, dadurch Innovationen und Wirtschaftswachstum zu fördern und bei alledem soziale Gerechtigkeit nicht aus den Augen zu verlieren.

Doch die Vorreiterrolle, die wir so lange innehatten, beginnt, auch in der internationalen Wahrnehmung, zu bröckeln: Deutschland wird seine Klimaziele für 2020 verfehlen. Unsere Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel. Wenn wir andere Länder weiterhin in Sachen Klimaschutz inspirieren und motivieren wollen, muss Deutschland seine Vorreiterrolle im Klimaschutz wieder stärker ausfüllen, die Treibhausgase konsequent reduzieren und nun zumindest die 2030-Klimaschutzziele sicher erreichen. Dafür müssen wir die aktuelle Diskussion ernsthaft und konstruktiv führen, die besonders wirkungsvollen Ansätze in den Mittelpunkt stellen und gemeinsam an Lösungen arbeiten, die wir dann auch gemeinsam tragen und umsetzen – so entgegengesetzt die Ausgangspositionen auch scheinen mögen. Hier kann das Öko-Institut wichtige Beiträge leisten: Mit unseren Studien und Analysen zeigen wir, mit welchen machbaren Ansätzen wir den Klimaschutz effektiv vorantreiben können.

Ich freue mich darauf, in diesem Geist künftig den globalen Klimaschutz stärker von der deutschen und europäischen Ebene her zu unterstützen, und auf abwechslungsreiche Gespräche und Diskussionen mit Ihnen über zukunftsfähige Konzepte und passende Maßnahmen.

Ihr

Jan Peter Schemmel

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