Ausgabe: Dezember 2015, Green Economy – Nachhaltigkeit, neu verpackt?


Perspektive

Das Licht der Zukunft

Innovation und Vielfalt bei LED-Lampen

Der Abschied ist vielen nicht leicht gefallen. Es ging ein Raunen durch die deutschen Wohnzimmer, als die EU im Rahmen der Ökodesign-Richtlinie die Glühlampe bis auf bestimmte Ausnahmen verbot. Manche Nostalgiker, die nicht auf die liebgewonnene Glühlampe verzichten wollten, starteten sogar Hamsterkäufe. Hätten sie gewusst, dass nur wenige Jahre später ein deutlich energieeffizienterer und optisch mindestens gleichwertiger Ersatz auf dem Markt ist, wäre das ein oder andere Kellerregal heute sicher nicht voll mit ineffizienten Glühlampen. Denn die LED-Lampe hat in den vergangenen Jahren einen beachtlichen Entwicklungssprung hingelegt. Es gibt inzwischen eine große Vielfalt an LED-Lampen: in matt und klar, für die Allgemein- und die Spotbeleuchtung. Mit den so genannten Faden- bzw. Filament-Lampen sind inzwischen sogar LEDs auf dem Markt, die den wohlbekannten und oft vermissten Glühfaden mit Mikro-LEDs innerhalb einer transparenten Glashülle nachbilden.

Trotz solch beachtlicher Innovationen sind die Verbraucher nicht auf die Seite der LED gewechselt, die meisten Konsumenten kaufen nun Halogenlampen. Die Ursachen sind meiner Einschätzung nach sehr vielfältig: fehlende oder schlechte Informationen am Point of Sale, Unsicherheiten bei den Konsumenten, welches Produkt in die heimische Wohnzimmerlampe passt und mit Sicherheit auch die bis vor kurzem recht hohen Preise für LEDs. Denn wir wissen: Folgekosten rechnen Verbraucher in der Regel nicht in den Preis ein, den sie im Laden bezahlen – auch nicht die höheren Stromkosten bei Halogenlampen. So ist es ermutigend, dass die Kosten für LED-Lampen inzwischen deutlich gesunken sind. Denn alles, was den Verbraucher zur LED statt zur Halogen lenkt, ist begrüßenswert. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die EU den Zeitraum, bis zu dem ineffiziente Halogenlampen der Effizienzklasse D nicht mehr auf den Markt gebracht werden dürfen, von 2016 auf 2018 verlängert hat.

Diese Entscheidung kann die spannende Innovationsentwicklung bei LED-Lampen verzögern – das ist mit Blick auf deren zahlreiche Vorteile bedauernswert. Auch im Vergleich mit Energiesparlampen sind LED-Lampen inzwischen die bessere Alternative: Sie können noch effizienter sein und sind sofort hell, enthalten kein Quecksilber, haben eine längere Lebensdauer und bessere Schaltfestigkeit, geben ein schönes Licht. Diesen Vorteilen trägt auch die vom Öko-Institut ins Leben gerufene Plattform EcoTopTen für ökologische Spitzenprodukte Rechnung. Vor Kurzem wurden die Produktlisten mit Energiesparlampen heruntergenommen, jene für LEDs aktualisiert. Da sich das Angebot an besonders effizienten LED-Lampen im Vergleich zur letzten Aktualisierung deutlich erhöht hat, haben wir die Anforderungen für eine Aufnahme bei EcoTopTen verschärft: Die Mindestanforderungen an die Lichtausbeute liegen nun bei 80 Lumen pro Watt für die Allgemeinbeleuchtung und bei 60 Lumen pro Watt für LED-Strahler. Die Maßeinheit Lumen zeigt, wie hell eine Lampe leuchtet – für gleiche Helligkeit brauchen LED deutlich weniger Energie als zum Beispiel die alten Glühlampen. Die Daten für den Produktvergleich wurden in Kooperation mit LED-Navi ausgewertet, der App für energieeffiziente LED-Lampen.

Zum Abschluss will ich natürlich nicht unterschlagen, dass nicht jede LED der Held im heimischen Wohnzimmer ist. Leider gibt es auch hier schwarze Schafe: Lampen mit schlechter Qualität, nicht korrekt deklarierte Produkte. Es bleibt zu hoffen, dass diese nicht den guten Ruf zerstören und die Konsumenten abschrecken. Denn LED kann das Licht der Zukunft sein. Wenn Sie sich vor dem Kauf bei EcoTopTen informieren, ist die Zukunft dann mit Sicherheit auch hochwertig und energieeffizient. Dietlinde Quack

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Ansprechpartnerin am Öko-Institut

Dr. Dietlinde Quack ist seit 1999 für das Öko-Institut tätig. Ihr Schwerpunkt liegt auf nachhaltigem Konsum und nachhaltigen Produkten. Die Biologin leitet unter anderem das Projekt „EcoTopTen - Innovationen für einen nachhaltigen Konsum“.

Dr. Dietlinde Quack
Senior Researcher im Institutsbereich Produkte und Stoffströme
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg

Tel.: +49 761 45295-248
d.quack--at--oeko.de 

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