Ausgabe: März 2019, Der Wald: Biodiversität und Klimaschutz


Perspektive

Klare Regeln

Die Klimakonferenz von Katowice

Das Übereinkommen von Paris 2015 war ein Meilenstein für den Klimaschutz, mit dem ambitionierten Ziel, den Anstieg der Erdtemperatur auf deutlich unter 2 Grad, möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Bei den Klimaverhandlungen im polnischen Katowice im Dezember 2018 ging es nun darum, einen zentralen Auftrag aus Paris umzusetzen: ein Regelbuch zu verabschieden, um das Pariser Übereinkommen in der Praxis umsetzen zu können. Dabei ging es um die Fragen, wie die Staaten über ihre Treibhausgasemissionen buchführen, wie ihre Emissionen vergleichbar gemacht werden und wie sichergestellt werden kann, dass die Anstrengungen im Klimaschutz weltweit erhöht werden.

Die Verhandlungen in Katowice standen unter dem Eindruck des jüngsten Berichts des Weltklimarats IPCC aus dem Oktober 2018, der die Folgen einer Erderwärmung um 1,5 Grad und darüber hinaus deutlich gemacht hat. Schon jetzt liegt die Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter bei rund einem Grad, schon jetzt können wir rund um den Globus ihre Auswirkungen beobachten. Je weiter die Temperatur steigt, desto häufiger werden Wetterextreme wie Stürme oder Hitzeperioden und Lebensräume werden bedroht. Der Bericht zeigte aber auch anhand konkreter Szenarien, wie wir den Temperaturanstieg begrenzen können. Allen diesen Szenarien ist gemeinsam, dass eine rasche Umstellung der Energiesysteme weg von fossilen Energieträgern nötig ist.

Auf klare Schlussfolgerungen aus dem Bericht des IPCC konnten sich die Delegierten in Katowice leider nicht einigen. Dies wurde durch Länder verhindert, die nach wie vor auf fossile Energieträger setzen – darunter die USA, Saudi-Arabien und Russland. Es ist aber wichtig zu betonen, dass im Weltklimarat alle Staaten die Aussagen des Berichts und seine Datengrundlage anerkannten. Schließlich blieb der in Katowice verabschiedet Text vage, was den Bericht des Weltklimarats betrifft. Auch der Text zum Talanoa-Dialog, einer im Rahmen der Konferenz durchgeführten Bestandsaufnahme, blieb sehr allgemein formuliert.

Anders verhält es sich mit dem in Katowice verabschiedete Regelbuch – dieses ist aus meiner Sicht sehr ambitioniert ausgefallen. Die Regeln sind klar festgelegt, sowohl für die Berechnung von Treibhausgasemissionen als auch in anderen Bereichen wie bei der Anpassung an den Klimawandel und bei finanzieller Unterstützung. Zusätzlich wurden die Abläufe für einen Mechanismus festgelegt, der für höhere Ambition sorgen soll: Die globale Bestandsaufnahme, die alle fünf Jahre durchgeführt wird, soll ein Ansporn für die Staaten der Welt sein, ihre Anstrengungen im Klimaschutz zu erhöhen.

Schon jetzt sind die Länder gefordert, ambitioniertere nationale Beiträge zu benennen und langfristige Klimaschutzstrategien zu entwickeln. Im Jahr 2019 werden die Aktivitäten der EU zu ihrer Langfrist-Klimaschutzstrategie genau zu verfolgen sein – die Europäische Kommission spricht vom Ziel eines klimaneutralen Europa bis 2050. Um dies tatsächlich erreichen zu können, sind technische Veränderungen, politische Entscheidungen und entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen nötig. Auch auf nationaler und regionaler Ebene gibt es hier viel zu tun, und nicht zuletzt muss sich unser Konsumverhalten ändern, wenn wir dem Klimawandel effektiv begegnen wollen.

Was können wir von der nächsten Klimakonferenz erwarten, die Ende 2019 oder Anfang 2020 in Chile stattfinden wird? Im Regelbuch ist ein wichtiger Punkt offen geblieben: Wie ein länderübergreifender Emissionshandel ausgestaltet und wie sichergestellt werden kann, dass Emissionen tatsächlich nachhaltig reduziert werden, wenn Klimaschutzmaßnahmen über Ländergrenzen hinweg angerechnet werden. Auch die finanzielle Unterstützung von Entwicklungsländern wird ein wichtiges Thema in den nächsten Verhandlungsrunden sein. Und so gilt für Katowice, was auch für Paris galt: Wir sind ein gutes Stück vorangekommen. Doch es gibt noch sehr viel zu tun.

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Lorenz Moosmann war nach seinem Diplom in Umweltnaturwissenschaften unter anderem für das österreichische Umweltbundesamt tätig. Seit 2018 arbeitet er als Senior Researcher im Bereich Energie & Klimaschutz für das Öko-Institut, etwa zu Klimaschutzszenarien und Treibhausgasinventaren. Er war als Mitglied der deutschen Delegation bei den Klimaverhandlungen von Katowice vor Ort.

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