Ausgabe: September 2022, Besser im Kreis – Wie funktioniert die Circular Economy?


Im Fokus

Porträt: Sepp Eisenriegler (R.U.S.Z.)

Als er 1998 anfing mit dem Reparieren, wollte kaum jemand etwas davon wissen. „Wenn etwas kaputt ging, wurde es einfach ersetzt“, sagt Sepp Eisenriegler. Doch der Wiener glaubte an den Wert des Reparierens und gründete das Reparatur- und Servicezentrum (R.U.S.Z.), einen arbeitsintegrativen Betrieb, der ausgediente Elektro- und Elektronikgeräte reparierte und weiterverkaufte und vom österreichischen Arbeitsmarktservice (AMS) gefördert wurde. „Unsere Arbeit wurde gut angenommen, da sich so auch Haushalte mit sehr geringen Einkommen Großgeräte leisten konnten.“

„In Elektro- und Elektronikgeräten sind viele wichtige Rohstoffe verarbeitet, deshalb lohnt sich die Reparatur besonders.“

2007 privatisierte Eisenriegler R.U.S.Z. aufgrund deutlich geänderter Förderbedingungen, investierte Privatvermögen, um den Betrieb am Leben zu halten. Heute repariert R.U.S.Z. etwa 12.000 Geräte jährlich, Tendenz steigend. „Wir erhalten mehr Anfragen als wir bewältigen können. Das liegt etwa am Engagement der Fridays for Future, das viele jüngere Menschen zu uns gebracht hat“, sagt Eisenriegler, der bereits als „Reparaturpapst“ und „Lobbyist mit Lötkolben“ bezeichnet wurde. Und nicht zu vergessen: Am Reparaturbonus, mit dem Österreich seit 2022 die Reparatur von Elektro- und Elektronikgeräten finanziell fördert. „Das ist nur eine Übergangslösung. Die Ressourcennutzung muss verteuert werden, damit nicht-nachhaltige Billigprodukte aus dem Markt verschwinden.“

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Kontakt

Sepp Eisenriegler
Gründer und Geschäftsführer
Reparatur- und Service-Zentrum (R.U.S.Z.)

Web: www.rusz.at
Mail: sepp.eisenriegler--at--rusz.at

Instagram: @ruszwien
Twitter: @RUSZ_Reparatur
Facebook: @rusz.at

Zur Person

„Jede Reparatur ist ein individueller Beitrag zum Klimaschutz“, sagt Sepp Eisenriegler. Er war in der Umweltberatung im Bereich Abfallwirtschaft und Ressourcenmanagement tätig bevor er 1998 in Wien das Reparatur- und Servicezentrum, kurz R.U.S.Z, gründete. R.U.S.Z war zunächst ein sozialintegrativer Betrieb, gefördert vom österreichischen Arbeitsmarktservice (AMS). Er bildete etwa Langzeitarbeitslose oder Haftentlassene zu Reparatur- und Recyclingtechnikern aus, um sie so für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Nach der Änderung der Förderbedingungen durch den AMS privatisierte Eisenriegler den Betrieb. R.U.S.Z repariert weiterhin Elektro- und Elektronikgeräte. Seit 2017 bietet das Unternehmen die Produktdienstleistung „Saubere Wäsche“ (Gerätemiete) an. Im Dezember 2020 hat R.U.S.Z zudem ein Social Franchising System vorgestellt, das es in ganz Europa ermöglichen soll, die Zahl der Reparaturen weiter zu erhöhen.

Darüber hinaus gründete Sepp Eisenriegler in Wien das ReparaturNetzWerk Wien, in dem sich zahlreiche Reparaturdienstleister zusammengeschlossen haben.

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