Ausgabe: Dezember 2020, Besser am Boden bleiben? – Luftverkehr und Klimaschutz


Arbeit / Rückblick

Ein bereicherndes Verfahren

Ob die Entsorgung radioaktiver Abfälle erfolgreich ist, ist auch davon abhängig, wie gut die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Erwartungen berücksichtigt werden. Daher sieht das Gesetz für die Suche nach einem Standort für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle (Standortauswahlgesetz) ein selbstlernendes, reflexives Verfahren vor. „Die Wechselwirkungen zwischen technischen und sozialen Anforderungen sind eine große Aufgabe für alle Beteiligten“, sagt Dr. Bettina Brohmann, Forschungskoordinatorin Transdisziplinäre Nachhaltigkeitswissenschaften am Öko-Institut, „denn die Erwartungen an das Verfahren sind hoch – es soll zudem partizipativ, wissenschaftsbasiert und transparent sein.“ Daher sei es unter anderem wichtig, dass institutionelle Akteurinnen und Akteure offen und kooperationsbereit sind. „Nur wenn sie selbst das Verfahren als notwendig und bereichernd empfinden, sind zudem Lernen und Reflexivität möglich.“

In einem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekt hat das Öko-Institut gemeinsam mit dem Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) und dem Forschungszentrum für Umweltpolitik (FFU) der FU Berlin untersucht, welche soziotechnischen Herausforderungen bei der Entsorgung radioaktiver Abfälle bestehen. Das Projekt „Konzepte und Maßnahmen zum Umgang mit soziotechnischen Herausforderungen bei der Entsorgung radioaktiver Abfälle (SOTEC-radio)“ widmet sich zudem der Frage, wie sich betroffene und interessierte Akteurinnen und Akteure gut in die technischen Debatten und Entscheidungen einbeziehen lassen. „Wichtig ist zum Beispiel, dass Kritik und Diskurse als positiv wahrgenommen, ja sogar früh eingefordert und in die behördlichen Arbeitsabläufe reflexiv integriert werden“, erklärt Dr. Melanie Mbah, Wissenschaftlerin im Bereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit. „Auf eine aktive Partizipationsgestaltung und neue Beteiligungsformen sowie eine offene Kommunikationskultur, die auch externe Expertise einbezieht und die Möglichkeit von Rückschritten akzeptiert, kann nicht verzichtet werden.“

Für die weitere Forschung in diesem Bereich empfiehlt das Projektteam, weiter auf einen transdisziplinären Ansatz zu setzen. „Die Einbeziehung unterschiedlicher Erfahrungen, Haltungen und Sichtweisen ist in diesem Prozess unverzichtbar“, so Dr. Bettina Brohmann.

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