Neue Verpflichtungen für Klimaschutzbeitrag der Land- und Forstwirtschaft

Einbeziehung in bestehende Methoden und Instrumente

Auch der Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) ist für Treibhausgasemissionen verantwortlich – doch bislang bestehen auf EU-Ebene keine Verpflichtungen zur Emissionsminderung. Das soll sich nun ändern: LULUCF soll einen eigenen Klimabeitrag leisten, so will es die EU. „Das ist grundsätzlich absolut zu begrüßen“, sagt Dr. Hannes Böttcher vom Öko-Institut, „die Frage ist jedoch, wie LULUCF einbezogen werden kann ohne das EU-Klimaziel zu gefährden.“ In einer Analyse für die NGO Fern (Forests and the European Union Resource Netzwerk) sowie die International Federation of Organic Agricultural Movements (IFOAM) hat der Wissenschaftler untersucht, wie es sich auswirken würde, wenn die LULUCF-Emissionen in die EU-Klimabilanz einbezogen werden, ohne die entsprechenden Instrumente vorher zu justieren. „Dies könnte dazu führen, dass die EU ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 nur um 35 statt um 40 Prozent senkt“, erklärt Böttcher. Zudem habe die EU nicht alle Anrechnungsregeln eindeutig formuliert: „Viele Annahmen etwa zur Holzernte in der EU sind derzeit unsicher, daher kann nur mit einer großen Spannweite eingeschätzt werden, wie sich das auf die Klimaziele auswirken wird.“

In der EU besteht ein Instrument, das die Lasten zur Emissionsminderungen zwischen bestimmten Sektoren außerhalb des Stromsektors verteilt. In diese so genannte Lastenteilung (Effort Sharing), die etwa den Abfallbereich, den Bau- und den Verkehrssektor betreffen, sind Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft bislang nicht einbezogen. Ein Vorschlag der EU sieht vor, dies zu ändern. „Wird LULUCF aber einfach in das bestehende Instrument integriert, müssten die anderen Sektoren ihre Emissionen deutlich weniger mindern“, so der Experte vom Öko-Institut, „insgesamt sollen die Bereiche außerhalb des Stromsektors 30 Prozent zur Emissionsminderung beitragen. Wird LULUCF einbezogen, könnten wir bei einer Reduzierung um 15,7 Prozent oder weniger landen.“ Nach Ansicht von Fern und IFOAM kann dies die Klimapolitik der EU gefährden. Sie schlagen daher eigene Ziele und Regularien für LULUCF sowie Anreize zum Schutz von Wäldern, für eine nachhaltige Landwirtschaft sowie zur Wiederherstellung von Ökosystemen vor.

Darüber hinaus befürchten die Auftraggeber der Studie, dass eine mögliche Zusammenlegung von LULUCF mit der Landwirtschaft deren Anstrengungen zur Emissionsminderung aushebeln könnte. „Selbst wenn es ein gemeinsames Ziel von 30 Prozent Emissionsminderung für beide Sektoren gibt, könnte dies bis zu fast 200 Prozent der notwendigen Reduzierung der Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft aushebeln“, sagt der Experte. cw

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