Mal Rückenwind. Mal Gegenwind.
© plainpicture/Uwe Umstätter
Wie profitieren Kommunen von Windparks?
Im baden-württembergischen Bingen werden gerade die ersten Windräder gebaut. Im unterfränkischen Arnstein trocknet die Tinte unter dem Vertrag mit dem Projektentwickler. Nur zwei von etwa 140 Gemeinden, die endura kommunal dabei unterstützt hat, Windenergie auf ihren Gemarkungen zu gestalten. Ein Thema, in dem gerade immens viel Bewegung ist. „Das Windenergie-Flächenbedarfsgesetz hat bundesweit eine wahnsinnige Dynamik in die Windenergie gebracht. Die jeweiligen Regionen sollen Windvorranggebiete ausweisen“, sagt Dr. Dirk Vetter, Leiter Windenergie bei endura kommunal. Das heißt auch: Zahlreiche deutsche Kommunen, auf deren Gebiet ausgewiesene Flächen liegen, müssen sich jetzt mit Windenergie beschäftigen. „Viele sind damit überfordert. Sie brauchen Orientierung, was das für ihre Gemeinde konkret bedeutet, sowie Beratung bei weiteren Projektschritten – etwa mit Blick auf einen richtigen Umgang mit professionellen Projektentwickler*innen.“ Gerade in Süddeutschland, wo endura kommunal vor allem tätig ist, muss Windenergie Fahrt aufnehmen. „In Baden-Württemberg gab es Ende 2022 gerade mal auf 0,3 Prozent der Flächen Windenergie – hier braucht es eine Erhöhung um mehr als das Sechsfache.“
Flächen und Interessen verbinden.
Welche Unterstützung die Kommunen konkret brauchen, hängt oftmals von den Besitzverhältnissen in den möglichen Windvorranggebieten ab. Wenn die ausgewiesenen Flächen der Gemeinde gehören, geht es vor allem darum, eine Grundsatzentscheidung zur Windenergie zu treffen und gegebenenfalls einen geeigneten Projektentwickler zu finden. Ein häufig auftretender Fall ist aber auch: Die Flächen sind sehr fragmentiert und gehören zahlreichen unterschiedlichen Privateigentümer*innen. Dann ist das so genannte Flächenpooling sinnvoll, bei dem viele kleine Parzellen zu einer Fläche zusammengeführt werden, die ausreichend groß für einen Windpark ist.
„Auch in diesem Fall ist es eine gute Idee, wenn die Kommune den Prozess steuert anstatt darauf zu warten, dass Projektentwickler*innen Einzelverträge abschließen. Gemeinsam ist man einfach stärker, man kann mehr Einfluss nehmen."
Gleichzeitig kann die Kommune so kommunale Interessen wahren und auch selbst davon profitieren. „Wenn die Kommune das Steuer in die Hand nimmt, kann sie einen guten Pachtvertrag für alle aushandeln, die Bürger*innen beteiligen und damit für mehr Akzeptanz sorgen sowie unter Umständen sogar den Abstand zu Wohngebieten vergrößern. Und auch finanziell können Kommunen profitieren – etwa durch eine direkte Beteiligung an der Betreibergesellschaft des Windparks oder Stromboni.“
Reden, reden, reden.
Vor den ersten Schritten in Richtung Windpark setzt endura kommunal immer auf umfassende Kommunikation. Die Expert*innen führen Informationsveranstaltungen durch und beraten Entscheidungsträger*innen in Gemeinderatsklausuren. „Es geht darum, Entscheidungsspielräume auszuloten und Handlungsoptionen aufzuzeigen“, sagt Vetter. Zusätzlich steuern sie den Prozess des Flächenpoolings. Bei Flächeneigentümerversammlungen werden alle Besitzer*innen zusammengebracht, das können auch mal 200 Menschen sein. Die Ausgangslage wird erklärt und ebenso die Sinnhaftigkeit einer proaktiven Vorgehensweise. „Meistens reicht es übrigens, wenn wir mindestens 60 Prozent der ausgewiesenen Fläche zusammenbekommen.“ Darüber hinaus prüft und vergleicht endura kommunal Angebote von Projektentwickler*innen. Und apropos Kommunikation: Auch jene mit den Bürger*innen gehört zur Arbeit von endura kommunal.
Finanziert wird das alles von den Projektentwickler*innen. „Sie bekommen die Flächenplanung ja quasi auf dem Silbertablett serviert, es lohnt sich für sie also auch. Die Kommunen müssen allerdings zuerst in Vorleistung gehen. Die Erstberatung ist aber immer kostenlos“, erklärt Dirk Vetter.
Motivation ist (fast) alles
Völlig glatt läuft so ein Prozess übrigens selten. „Es kommt sehr stark auf die Bürgermeister*innen, den Gemeinderat und die Verwaltung an. Es ist ein wichtiger Erfolgsfaktor, wie motiviert diese sind“, sagt Vetter. Auch die Bürger*innen spielen eine wichtige Rolle. „Es gibt immer irgendwo Bedenken und Widerstände.“ In Arnstein übrigens, wo das Genehmigungsverfahren inzwischen läuft, konnten beim Flächenpooling 90 Prozent aller ausgewiesenen Flächen gemeinsam gesichert werden. Über 150 Eigentümer*innen sind beim Windpark-Projekt nun mit dabei und profitieren mit der Stadt vom ausgehandelten Pachtvertrag.
Dr. Dirk Vetter leitet den Bereich Windenergie bei der endura kommunal GmbH, für die er seit 2022 tätig ist.
Weitere Informationen
Porträt von Dr. Dirk Vetter im Magazin eco@work
Themenseite auf der Website von endura kommunal: Der Wind gehört der Kommune