Europäisch erneuerbar
© plainpicture/Cavan Images
3 Fragen an Seda Orhan
Worin bestehen die größten Hindernisse für die erneuerbaren Energien in Europa?
Das ist sehr unterschiedlich. Oft fehlen die Fachkräfte für die Planung und Umsetzung von Anlagen oder auch zuverlässige Daten, in welchen Regionen es geeignete Flächen gibt. Hindernisse bestehen zudem in einer mangelnden Koordinierung zwischen unterschiedlichen Ministerien und Behörden, aber auch in der politischen Instabilität in manchen Ländern. Darüber hinaus gibt es sehr viele lokale Konflikte mit Blick auf die erneuerbaren Energien, die oft aus einer mangelnden Einbeziehung der europäischen Bürger*innen sowie Intransparenz bei der Umsetzung resultieren.
Wie können die Menschen vor Ort besser in den Ausbau der Erneuerbaren integriert werden?
Ein sehr wirkungsvolles Instrument sind so genannte Energiegemeinschaften, wie es sie zum Beispiel in Deutschland gibt. Dabei liegen die Erzeugung und der Verkauf von Energie in den Händen von Bürger*innen, Kommunen sowie lokalen Unternehmen. Wichtig ist es zudem immer, dass die Menschen vor Ort auch finanziell von den Anlagen profitieren, die in ihre Heimat kommen, dass Gewinne also in die Kommunen fließen. Darüber hinaus braucht es Transparenz und eine echte Beteiligung, die Vertrauen schafft und ebenso jene integriert, denen das Thema bislang vielleicht fremd ist.
Was bringt die erneuerbaren Energien in der EU darüber hinaus am wirkungsvollsten voran?
Die 2023 novellierte Erneuerbare-Energien-Richtlinie, kurz RED III, ist ein wichtiges Instrument, das den Ausbau wirklich beschleunigen kann. Denn sie bringt zum Beispiel eine Vereinfachung der Genehmigungen für entsprechende Anlagen mit sich, aber auch mehr Stabilität und Zuverlässigkeit für Investor*innen. Darüber hinaus braucht es unter anderem ein umfassendes und koordiniertes Mapping der Flächen in Europa, auf denen sich der Ausbau lohnt, sowie einen konsequenten Ausbau der Infrastruktur, also von Speichern und Netzen. Dazu gehören auch Smart Grids, die dabei helfen, die erneuerbaren Energien effektiv in das Stromsystem zu integrieren. Darüber hinaus sollten wir die Transformation unseres Energiesystems als ein gemeinsames europäisches Projekt verstehen, das fair und solidarisch umgesetzt werden muss, damit es für alle funktioniert.
Seda Orhan ist Head of Energy at Climate Action Network (CAN) Europe.
Weitere Informationen
Porträt von Seda Orhan im Magazin eco@work