Ohne Plastik leben – aber wie?

05.03.2019
Zukunftswerkstatt entwickelt Ideen zur Plastikvermeidung

Plastik ist aus unserer heutigen Welt nicht mehr wegzudenken – glaubt man. Aber angesichts der sichtbaren und unsichtbaren Plastikmengen in der Umwelt steigt der Wunsch nach der scheinbar unmöglichen Veränderung unserer Lebensweise.

Auf der Suche nach neuen Ideen trafen sich rund 20 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Industrie und Handel, Verbraucherschutz und Umweltorganisationen sowie anderen Bereichen der Zivilgesellschaft. Ausgehend von der Einsicht, dass die bisherigen Strategien zur Vermeidung der Umweltauswirkungen von Kunststoffen nicht ausreichen, suchten sie im ersten Schritt nach Gründen, warum der Verzicht auf Plastik sich im Alltag so schwierig gestaltet. Ziel des zweiten Teils der Zukunftswerkstatt war es, auf dieser Basis neue, auch unkonventionelle Ideen für gesellschaftlich, technisch und ökonomisch praktikable Alternativen zur massenhaften Verwendung von Kunststoffen zu entwickeln.

Anwendungsbereiche mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen unter der Lupe

Aufgeteilt in Fokusgruppen diskutierten die Teilnehmenden zu drei typischen Anwendungsbereichen von Kunststoffen:

  • Lebensmittelverpackungen, bei denen der Kunststoff als Hülle dient und nach dem Auspacken eher als lästig empfunden wird;
  • Reifen, bei denen der Kunststoffanteil wesentlich zur Funktionalität und Sicherheit beiträgt und daher keine echte Materialalternative existiert;
  • synthetische Textilien, bei denen es zwar bioabbaubare stoffliche Alternativen gibt, die aber sowohl im Preis wie auch in der Funktionalität und in Hinblick auf ihre Umwelteigenschaften Nachteile bieten.

So unterschiedlich wie die Produktgruppen waren die Diskussionen in den jeweiligen Fokusgruppen.

Die Ursachenanalyse für den hohen Verbrauch an Lebensmittelverpackungen ergab, dass die Konsumgewohnheiten der Verbraucherinnen und Verbraucher, die Prozesse des Handels und die Ansprüche des Marketings der Lebensmittelhersteller wesentliche Treiber sind. Die größten Herausforderungen bei synthetischen Textilien sind die Fast Fashion Mode und eine mangelnde Wertschätzung von langlebiger Kleidung. Ganz anders hingegen die Herausforderung bei Reifen. Hier wurde festgestellt, dass Reifenabrieb eine nahezu unvermeidliche Nebenwirkung der Funktion darstellt. Es wurde konstatiert, dass es einen Zielkonflikt zwischen Abrieb, Sicherheit und Kraftstoffverbrauch gibt.

Gemeinsamkeiten zwischen den Fokusgruppen gab es hingegen beim zweiten Schritt, der Suche nach Ideen, um Umweltverschmutzung durch Plastik zu vermeiden. Eine Reduktion des Plastikverbrauchs durch Veränderung des Konsumverhaltens wurde übereinstimmend als wichtiger Hebel zur Problemlösung angesehen. Hier sollten sowohl Konsumentinnen und Konsumenten als auch die Industrie und der Handel einen Beitrag leisten.

Bei den Lebensmittelverpackungen wäre beispielsweise eine Ausweitung des Angebots unverpackter Produkte im Handel und stärkere Orientierung auf Mehrwegsysteme möglich, wobei auch eine stärkere Vereinheitlichung der Mehrwegbehälter als besonders sinnvoll erachtet wurde. Die Vereinheitlichung der Verpackungskunststoffe wäre eine leicht umsetzbare Maßnahme zur Verbesserung des Recyclings. Bei synthetischen Textilien würde eine höhere Wertschätzung für länger nutzbare Kleidungsstücke zur Minderung der Menge von Altkleidern beitragen. Bei den Reifen wiederum wurden mögliche Veränderungen des Mobilitätsverhaltens diskutiert.

Die nächsten Schritte

Das Projektteam des Öko-Instituts wird in den kommenden Monaten die im Workshop skizzierten Ideen untermauern, auf mögliche ökologische, soziale und ökonomische Zielkonflikte prüfen und zu Narrativen über mögliche Handlungsansätze zur Plastikvermeidung weiterentwickeln. Die Ergebnisse des Projekts sollen als Impulspapier des Öko-Instituts veröffentlicht werden. Außerdem werden die Ergebnisse des Projektes auch zu „Zukunftsgeschichten über ein plastikfreies Leben“ hier im Blog des Öko-Instituts veröffentlicht.

Weitere Informationen

Pressemitteilung zum Spendenprojekt: Ohne Plastik leben – aber wie!?

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