Rohstoffe aus Umweltsicht bewerten

20.12.2017
Umweltaspekte sollten ein Kernziel der Rohstoffpolitik werden

Der Abbau von Rohstoffen wie Kies, Sand, Erzen oder Kohle ist oft mit schädlichen Umweltauswirkungen verbunden. Ökosysteme sind bedroht; Böden, Wasser und Luft werden mit Schadstoffen belastet; giftige Stoffe gelangen in die Umwelt. Gleichzeitig steigt der Bedarf nach Rohstoffen immer weiter an; einige Materialien werden knapp. Die Europäische Union und Deutschland haben deshalb in ihren Rohstoffstrategien die Versorgungssicherheit als wichtiges Ziel festgeschrieben. Die Umweltbelastungen bei der Rohstoffgewinnung spielen bislang bei der Bewertung, ob ein Rohstoff als kritisch – also schlecht verfügbar und zugleich bedeutend – einzuschätzen ist, keine Rolle.

ÖkoRess: Methode zur ökologischen Bewertung der Rohstoffverfügbarkeit

Dies zu ändern, ist Ziel des Öko-Instituts in den zwei Forschungsprojekten „Erörterung ökologischer Grenzen der Primärrohstoffgewinnung und Entwicklung einer Methode zur Bewertung der ökologischen Rohstoffverfügbarkeit zur Weiterentwicklung des Kritikalitätskonzeptes“ im Auftrag des Umweltbundesamtes. Im ersten Projekt (ÖkoRess I), das im Oktober 2017 abgeschlossen wurde, haben die Projektpartner anhand von 40 Fallbeispielen aus dem Bergbau die sehr unterschiedlichen Umweltauswirkungen untersucht. Anschließend haben sie eine Methode entwickelt, wie die ökologische Dimension bei der Bewertung abiotischer Rohstoffe einbezogen werden kann.

„Umweltaspekte sollten neben der Versorgungssicherheit zu einem Kernziel der Rohstoffpolitik werden und dann auch mit entsprechenden Maßnahmen unterstützt werden“, fasst Günter Dehoust, Projektleiter am Öko-Institut zusammen. Dabei soll die in ÖkoRess I entwickelte Methode keine umfassenden Umweltverträglichkeitsprüfungen ersetzen. Sie dient vielmehr als Gefahrenradar, das zum Beispiel bei der Entscheidung für einen Bergbaustandort genutzt werden kann.

ÖkoRess II: Handlungsempfehlungen für die Rohstoffpolitik

Während das in ÖkoRess I erarbeitete Bewertungsmodell beispielhaft auf fünf Rohstoffe angewandt wurde, soll es nun im nächsten Schritt darum gehen, diese Erkenntnisse auf eine Vielzahl relevanter abiotischer Rohstoffe zu erweitern. Im Folgevorhaben ÖkoRess II wird deshalb die Methode weiterentwickelt und auf rund 50 Rohstoffe angewendet, die von der EU-Kommission  einer Kritikalitätsprüfung unterzogen wurden. Dabei soll für diese Rohstoffe zusätzlich zu den bisher untersuchten Knappheitsaspekten ein sogenanntes „ökologisches Kritikalitätsmaß“ oder ein „Maß der ökologischen Verfügbarkeit“ ermittelt und für die politische und wissenschaftliche Diskussion zur Verfügung zu gestellt werden.

Aus diesen Erkenntnissen leitet das Projektteam schließlich Handlungsempfehlungen für die deutsche Rohstoffpolitik ab. Im Fokus steht dabei auch die Frage, wie die Rohstoffversorgung der deutschen und europäischen Wirtschaft insgesamt nachhaltiger gestaltet werden kann und wie die Umwelt durch Senkung des Rohstoffverbrauchs und mehr Recycling entlastet werden kann.

Beide Projekte führt das Öko-Institut mit den Projektpartnern ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH sowie der Projekt-Consult GmbH durch; im zweiten Projekt arbeitet zudem die Adelphi Consult GmbH mit.

Studie „Erörterung ökologischer Grenzen der Primärrohstoffgewinnung und Entwicklung einer Methode zur Bewertung der ökologischen Rohstoffverfügbarkeit zur Weiterentwicklung des Kritikalitätskonzeptes (ÖkoRess I)“ von Öko-Institut, ifeu und Projekt-Consult

Pressemitteilung „Ökologische Rohstoffverfügbarkeit“ des Umweltbundesamtes zum Projektabschluss von ÖkoRess I