Neu aufgelegt: Der Leitfaden Nachhaltige Chemikalien

13.02.2017
Praxisgerechte Hilfestellung für Unternehmen

Weichmacher ohne gefährliche Eigenschaften für Kinderspielzeug, Duftstoffe, die sich nicht in der Umwelt anreichern: nachhaltige Chemie ist wichtig und hat viele Gesichter. Sie reichen von der Auswahl sicherer Chemikalien, die keine gefährlichen Eigenschaften für Mensch und Umwelt haben, über Umweltauswirkungen bei der Herstellung der Chemikalien bis zur Umsetzung von anspruchsvollen Sozialstandards in den Lieferketten. Häufig ist es nicht einfach, nachhaltige Chemikalien von problematischen Stoffen zu unterscheiden. Hier hilft der neuaufgelegte Leitfaden Nachhaltige Chemikalien, der vom Öko-Institut gemeinsam mit dem Beratungsinstitut Ökopol für das Umweltbundesamt entwickelt wurde. Er ist eine praxisgerechte Hilfestellung für Unternehmen, die bisher kaum Erfahrungen mit der Auswahl nachhaltiger Chemikalien haben.

Nachhaltige Chemie im Alltag

Die Bewertung der Nachhaltigkeit von Chemikalien ist für Unternehmen wichtig, die auf Dauer erfolgreich produzieren wollen. Denn Produkte, die frei von schädlichen Stoffen sind, haben eine höhere Akzeptanz. Chemikalien, die leicht abbaubar sind und keine besorgniserregenden Eigenschaften haben, werden auch in Zukunft keinen gesetzlichen Verboten unterworfen und stehen daher auf Dauer für die Produktion zur Verfügung.

"Die bewusste Auswahl nachhaltiger Stoffe führt zu einem innovativen Umgang mit Chemikalien und ist damit langfristig auch ökonomisch attraktiv", beschreibt Prof. Dr. Dirk Bunke, Senior Researcher am Öko-Institut die Vorteile. „Der vorliegende Leitfaden bietet für Hersteller und Anwender Kriterien, mit denen eine orientierte Bewertung der Nachhaltigkeit von Stoffen und Gemischen in Unternehmen möglich wird.“

Für wichtige Prüfpunkte zur Nachhaltigkeit eines Stoffes gibt es im Leitfaden Bewertungskriterien:
·     Problemstoff-Listen und physikalisch-chemische Eigenschaften
·     Gefährliche Eigenschaften für den Menschen und für die Umwelt
·     Mobilität, Treibhausgasemissionen und Ressourcenverbrauch
·     Die Übernahme der Verantwortung in den Lieferketten

Problematische Stoffe nachhaltig verwenden

Können problematische Stoffe nicht ersetzt werden, hilft der Leitfaden bei der nachhaltigen Verwendung dieser Stoffe. Dabei geht es um
·     das Emissionspotential der Verwendung und die Anwendergruppen
·     die Anwendungsmengen des Stoffes und die Abfallphase
·     die Substituierbarkeit des Stoffes
·     die Nutzenpotenziale und das Innovationspotential des Stoffes

Rot, gelb oder grün? Mit diesen Farben zeigt der Leitfaden die Ergebnisse einer Überprüfung an: hoher Handlungsbedarf, Hinweise auf Handlungsbedarf oder kein Anzeichen für einen Handlungsbedarf. Das Fehlen wichtiger Informationen wird durch die Farbe Weiß angezeigt. Der Leitfaden in Papierform setzt seinen Schwerpunkt auf die Bewertung von Stoffen – gibt den Anwendern aber auch Hinweise, wie bei Gemischen vorgegangen werden kann. Ergänzend steht mit „SubSelect“ auch eine elektronische Fassung des Leitfadens zur Verfügung.

Herausforderungen durch die EU-Verordnung REACH

Durch die EU-Chemikalienverordnung REACH kommen auf Unternehmen neue Herausforderungen zu. Hersteller, Importeure und weiterverarbeitende Anwender müssen ihre Chemikalien registrieren und sind für deren sichere Verwendung selbst verantwortlich. REACH leitet sich aus „Regulation concerning the Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals“ ab und gilt als eines der strengsten Chemikaliengesetze der Welt. Der Leitfaden Nachhaltige Chemikalien unterstützt auch dabei, die Anforderungen von REACH in der Praxis besser umzusetzen.

Leitfaden „Nachhaltige Chemikalien“ von Öko-Institut, Ökopol und Umweltbundesamt

Themenseite „Chemikalienmanagement und Technologiebewertung“ auf der Website des Öko-Instituts