Umweltpolitik im 360 Grad-Blick

24.11.2016
Kohärenzprüfung umweltpolitischer Ziele und Instrumente

Wie Ziele und Instrumente verschiedener Umweltpolitikfelder besser aufeinander abgestimmt werden können, zeigen die Ergebnisse eines jetzt abgeschlossenen Forschungsprojektes des Öko-Instituts. In Kooperation mit dem Forschungszentrum für Umweltpolitik der Freien Universität Berlin und der Health & Environment Alliance untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie Synergien und Widersprüche zwischen verschiedenen Umweltpolitiken aufgespürt werden können. Ein im Projekt entwickeltes, softwareunterstütztes Tool kann politischen Entscheidern künftig bei der Evaluation, Kommunikation und kohärenten Weiterentwicklung von Umweltpolitik helfen.

Ein Beispiel zeigt den Bedarf an einer integrierten Betrachtung und systematischen Analyse: Einerseits sollen Gebäude energetisch saniert werden, um ihren heute noch sehr hohen Energiebedarf zu reduzieren. Auf der anderen Seite müssen Materialien eingespart werden, um das Ziel einer ressourceneffizienten Bauweise zu erfüllen. Eine abgestimmte Umweltpolitik, die beiden Zielen gerecht wird, muss die Wechselwirkungen zwischen ihnen berücksichtigen.

Grundlage: Die Wirkungskettenanalyse

Das Forschungsteam zerlegte umweltpolitische Wirkungen dabei zunächst in einzelne Schritte, da politische Ziele nicht direkt interagieren. In der sogenannten Wirkungskettenanalyse kann geprüft werden, ob die ergriffenen Maßnahmen zur Behebung eines Umweltproblems widerspruchsfrei zu anderen umweltpolitischen Zielen und Instrumenten sind. Die Grafik zeigt, dass stets der ganze Pfad von einem Ziel bzw. dem ihm zugrundeliegenden Problem und seiner Ursache, über das Politikinstrument zur Umsetzung des Ziels bis hin zur konkreten Handlung bei Zielgruppen betrachtet werden muss, um mögliche Konflikte, aber auch Synergien aufzudecken.

Kohärenz-Wiki: Umweltpolitik-Wissen katalogisiert und auswertbar

Im Verlauf des Projekts haben die Expertinnen und Experten die derzeitige Umweltpolitik systematisch in Wirkungsketten abgebildet. Die einzelnen Elemente und ihre Verknüpfungen sind in einem Wiki für Entscheider hinterlegt. Angemeldete Nutzerinnen und Nutzer haben die Möglichkeit, im Wiki kollaborativ zu arbeiten: Sie können Einträge aufrufen, lesen, kommentieren, bearbeiten und neue Elemente hinzufügen. Die aktuell 460 Einträge im Wiki lassen sich nach folgenden Kategorien sortieren: nach Umweltschutzgütern (wie Klima, Luft, Wasser etc.), gesellschaftlichen Sektoren (wie Chemie, Energiewirtschaft etc.) und den Elementen der Wirkungskette (siehe Abbildung).

Auf Grundlage des Wikis und mithilfe einer Software-Unterstützung können Anwender wie beispielsweise das Umweltbundesamt künftig prüfen, wie kohärent die deutsche Umweltpolitik innerhalb und zwischen verschiedenen Handlungsfeldern und Sektoren ist. Sie können auch analysieren, ob zwei einzelne Ziele miteinander kohärent sind, oder auch ein bestimmtes Instrument mit einem Ziel. Nicht zuletzt können potenzielle künftige Ziele oder Instrumente frühzeitig auf Konflikte oder Synergien mit dem Umweltpolitikbestand überprüft werden.

Studie „Kohärenzprüfung umweltpolitischer Ziele und Maßnahmen für Zwecke der Umweltberichterstattung“ vom Öko-Institut, der Freien Universität Berlin und der Health & Environment Alliance

Infografiken „Kohärenz und Konflikte zwischen umweltpolitischen Zielen“ (frei nutzbar)