Re-Use: Wiederverwendung stärkt Ressourcenschutz

12.05.2014

Die Weiternutzung von Gebrauchsgeständen im Haushalt in einem zweiten Lebenszyklus spart Ressourcen und trägt damit aktiv zum Umweltschutz bei. Zugleich können so auch einkommensschwache Haushalte reparierte und aufgearbeitete Geräte oder andere Produkte für wenig Geld nutzen. In welchem Rahmen Wiederverwendungsstrategien in Schleswig-Holstein zum Einsatz kommen und wie sie weiter verbessert werden können, untersuchten in einem aktuellen Projekt im Auftrag des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums das Hamburger Ökopol Institut in Kooperation mit dem Öko-Institut.

Wiederverwendung im Praxischeck

Ob Gebrauchtwarenkaufhaus, internetbasierte Tauschbörsen oder die Sammlung und Reparatur von Haushaltsgeräten – die Bestandsaufnahme aller Wiederverwendungsmaßnahmen in Schleswig-Holstein zeigt, dass es dort bereits heute zahlreiche Angebote gibt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werteten sowohl Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger, wie auch von karitativen und sozialwirtschaftlichen Unternehmen aus. Insbesondere letztere schaffen gleichzeitig Arbeits-, Aus- und Weiterbildungsplätze sowie Qualifizierungsmaßnahmen für Erwerbslose.

Herausforderungen: Koordination, Prüfung, Vernetzung

Die Projektergebnisse zeigen zugleich, dass es Potenziale gibt, noch mehr Produkte der Wiederverwendung zuzuführen. So können zwar gebrauchte Güter schon an vielen öffentlichen Sammelstellen abgegeben werden, vielfach wird dort jedoch nicht geprüft, ob sie wiederverwendet werden können. Stattdessen werden sie dem Recycling zugeführt und damit zum großen Teil geschreddert. Eine bessere Koordination zwischen Abgabe- und Verwertungsstellen, eine Prüfung der Wiederverwendungsfähigkeit und schließlich die gezielte Aufarbeitung durch Reparaturstellen können die Wiederverwendungsquoten künftig deutlich steigern und dadurch Klimaschutz- und Ressourceneffizienzpotenziale heben. Dazu müssten sich öffentliche und private Akteure besser vernetzen.

Konkret gilt es, die unterschiedlichen Akteure in der Wiederverwendungskette, also öffentliche Entsorger, Sozialkaufhäuser und weitere karitative Sozialunternehmen, Reparaturbetriebe sowie die Arbeitsmarktförderung auf Kreisebene zu vernetzen und abzustimmen. Beispiele aus anderen Ländern zeigen Möglichkeiten auf: So werden beispielsweise in Flandern gebrauchte Produkte seit vielen Jahren sowohl in kommunalen Sammelstellen, über Abholangebote bei den Bürgerinnen und Bürgern sowie in rund 150 weiteren Abgabestellen eingesammelt. Sie werden dann in speziellen Re-Use-Zentren geprüft und ggf. repariert.

Dachmarke kann Vertrauen schaffen

Die Gutachter empfehlen daher den Aufbau einer Dachmarke, welche die Qualität der aufgearbeiteten Produkte garantiert. Sie solle – ähnlich wie in Flandern oder anderen Ländern bereits erfolgreich eingeführt – ökologische, soziale sowie Aspekte der Produktqualität prüfen und absichern. Ein solches „Qualitätssiegel“ auf reparierte Güter könne das Vertrauen in die Wiederverwendung stärken und den Abverkauf erhöhen.

Studie „Förderung der Wiederverwendung – Erfahrungen aus Schleswig-Holstein“ von Ökopol und Öko-Institut

Ansprechpartner

Martin Gsell
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im
Institutsbereich Infrastruktur & Unternehmen
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Tel.: +49 30 405085-351
E-Mail: m.gsell@oeko.de