Nanomaterialien: Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit

17.06.2013

Nanomaterialien sind heute in vielen Produkten wie in Lacken, Sonnencreme oder Kosmetika enthalten. Sie bergen Risiken aber auch Chancen für Mensch und Umwelt. Zugleich fragen sich Konsumentinnen und Konsumenten, welche Materialien unbedenklich sind und welche mit Vorsicht behandelt werden müssen. Im Auftrag des Schweizer Zentrums für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-SWISS) hat das Öko-Institut deshalb jetzt ausgewählte Nanomaterialien über den gesamten Lebenszyklus hinweg analysiert. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berücksichtigten im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung neben der Human- und Ökotoxikologie auch Aspekte wie Treibhauseffekt, Ressourcenschonung und Gebrauchsnutzen.

Schutz vor schädlichen Umwelt- und Gesundheitswirkungen

Die Studie stellt für eine Auswahl exemplarischer Nanomaterialien dar, welche potenziell negativen Auswirkungen sie für Umwelt und Gesundheit haben können. Gleichzeitig zeigen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler welche Langzeitwirkungen beim Einsatz von Nanomaterialien auftreten können. Denn: Gerade durch ihre sehr kleine Größe können Nanopartikel leichter Zellen und Gewebe durchdringen und eine schädigende Wirkung haben. Welche das genau sind, ist jedoch sehr stoffspezifisch und bedarf weiterer Forschung.

Es ist jedoch eindeutig, dass die Art des Nanomaterials eine geringere Rolle für Expositions- und Toxizitätsabschätzungen spielt als die spezifische Anwendung in der die Nanomaterialien verwendet werden. In manchen Anwendungen sind sie so fest gebunden, dass eine Freisetzung unwahrscheinlich ist – und damit das Risiko für Mensch und Umwelt sinkt.

Das ist zum Beispiel bei Kohlenstoffnanoröhren (englisch: carbon nanotubes, CNT) in Sportgeräten wie Fahrrädern der Fall. Werden diese jedoch aus einer anderen Anwendung heraus freigesetzt, zum Beispiel beim Abrieb von modifizierten Autoreifen, bergen sie toxische Potentiale. Letztere sind dann abhängig vom Grad ihrer Verteilung in der Umwelt, ihrer Oberflächenveränderung entlang ihres Lebensweges sowie ihrem Verbleib in der Umwelt und in Nahrungsketten. Letzterer ist wiederum abhängig von den zuvor genannten Faktoren.

Politikempfehlungen für mehr Sicherheit im Umgang mit Nanomaterialien

Ein weiterer Schwerpunkt der Studie sind Empfehlungen an die Politik, wie der Nutzen von Nanomaterialien sichergestellt und gleichzeitig der Schutz von Mensch und Umwelt garantiert werden kann. So empfehlen die Expertinnen und Experten die Einführung eines Nanoproduktregisters für die Schweiz, das einen Überblick über die auf dem Markt erhältlichen Nanomaterialien gibt. Darüber hinaus sollen aber Nanoprodukte, die etwa zum Klimaschutz beitragen, gefördert werden.

Generell empfehlen die Forscherinnen und Forscher, künftig genau die nützlichen Eigenschaften von den risikoreichen zu unterscheiden und mit entsprechenden Politikmaßnahmen problematische Anwendungen einzuschränken. Entscheidend ist hier die Erkenntnis, dass Nano ungleich Nano ist. So sind Nanomaterial enthaltende Produkte sind keineswegs überall gleichermaßen gefährlich. Geht man davon aus, dass die Risiken, die von Nanomaterialien ausgehen, von der Art der Anwendung abhängig sind, kann ein und dasselbe Nanomaterial unterschiedliche Gefahrenpotenziale haben. Risikoanalysen müssen deshalb nicht nur stoffspezifisch sondern auch anwendungsspezifisch erfolgen.

Studie und Buch „Nanomaterialien: Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit“, 418 Seiten, vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich, ISBN 978-3-7281-3559-9, 39,00 CHF / 34,00 Euro

Dieses Buch ist im OpenAccess auch als E-Book (PDF) downloadbar.

Ansprechpartner

Martin Möller
Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Institutsbereichs Produkte & Stoffströme
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg
Telefon: +49 761 45295-256
E-Mail-Kontakt

Dr. Mark-Oliver Diesner
Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Institutsbereichs Produkte & Stoffströme
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg
Telefon: +49 761 45295-283
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