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Klare Zuständigkeiten und Strukturen für Rückbau von Kernkraftwerken

Bulgarien, Litauen und die Slowakei sind bislang unterschiedlich gut auf die Herausforderungen der Stilllegung ihrer Kernkraftwerke aufgestellt. Dazu hatten sie sich im Zuge des EU-Beitritts verpflichtet.

Bulgarien, Litauen und die Slowakei sind bislang unterschiedlich gut auf die Herausforderungen der Stilllegung ihrer Kernkraftwerke aufgestellt. Dazu hatten sie sich im Zuge des EU-Beitritts verpflichtet. Insbesondere bei der Organisation und Kontrolle der Rückbauprozesse gibt es derzeit einen unterschiedlichen Stand innerhalb der Länder. Wichtigste Aufgabe wird es künftig sein, Zuständigkeiten zu klären und in der Hand einer verantwortlichen Organisation zu bündeln. Nur dann können die geplanten Stilllegungsprojekte fristgerecht und innerhalb des begrenzten Haushaltsrahmens bewerkstelligt werden. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des Öko-Institut im Auftrag des Europäischen Parlaments.

Herausforderung Abschaltung: Vorbild aus Erfahrung?

Die Länder sind derzeit dabei, ihre älteren Anlagen russischer Bauart stillzulegen: Bulgarien vier Reaktoren, Litauen und die Slowakei jeweils zwei Reaktoren. Die EU hat sich ihrerseits dazu verpflichtet, die Stilllegung und den Rückbau dieser Anlagen solidarisch zu unterstützen. Die Studie des Öko-Instituts analysiert Best-Practice-Beispiele zur Stilllegung von Kernkraftwerken in Europa, beschreibt Herausforderungen und leitet aus den erfolgreich verlaufenen Projekten Empfehlungen für die Rückbauprojekte in den drei Ländern ab.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben ermittelt, dass es mittlerweile 88 stillgelegte Reaktoren in Europa gibt, von denen bislang nur acht vollständig abgerissen sind. Sie haben sich auf Stilllegungsprozesse in Deutschland, Frankreich und Großbritannien konzentriert und die Projekte EWN Greifswald, die EDF-Rückbauprojekte in Frankreich und NDA-Sellafield für eine vertiefte Analyse ausgewählt. Ermittelt wurden jeweils Mechanismen zu Organisation, Projektmanagement, Kontrolle, Kosten und Abstimmungen mit den jeweiligen Behörden.

Best-Practice Frankreich und Deutschland

Die Studie des Öko-Instituts zeigt: Der Rückbau der neun EDF-Kernkraftwerke in Frankreich und der sechs EWN-Kraftwerke Greifswald in Deutschland kann dabei bespielhaft für die Projekte in Ländern wie Bulgarien, Litauen und der Slowakei sein. Insbesondere die Schaffung einer verantwortlichen und kompetenten Rückbauorganisation sowie strenge und engmaschige Kontrollinstanzen, die alle strategischen Entscheidungen des Managements überwacht, sind vorteilhaft und sehr empfehlenswert.

Darüber hinaus sollten die in den Anlagen vorhandenen Kenntnisse und Erfahrungen für die Rückbauphase möglichst optimal genutzt werden. Da beim Rückbau ganz andere Organisations- und Arbeitsformen als beim Betrieb der Anlage vonnöten sind, muss ein entsprechendes Projekt- und Risikomanagement entwickelt und umgesetzt werden. Die gesamte Organisation und auch die Belegschaft muss dazu umorganisiert und an die veränderten Projekt- und Risi-komanagementaufgaben herangeführt werden.

Acht Empfehlungen für den Rückbau

Die Studie formuliert acht Empfehlungen zur Optimierung der Stilllegungsprojekte in Bulgarien, Litauen und der Slowakei:

  1. Optimierung der nationalen Kontrollbedingungen in Zusammenarbeit mit der EU
  2. Ko-Finanzierung der Rückbauprojekte zwischen EU und dem jeweiligen Land
  3. Stärkung der Eigenverantwortung der Länder für die Organisation der Projekte
  4. Verbesserung des Kosten- und Risikomanagements
  5. Fortsetzung von bewährten Verfahren bei Zulassungsfragen
  6. Verbesserung der Kostenschätzung der Rückbauprojekte
  7. Erhöhung der Mitarbeitereffizienz durch gezielte Trainings und Wissensmanagement
  8. Erzielen von klaren, eindeutigen und transparenten Zuständigkeiten

Studie „Nuclear Decommissioning: Management of cost and Risks“ des Öko-Instituts 

Präsentation „Nuclear Decommissioning – Costs and risks” des Öko-Instituts vor der Haushalts-kommission des Europäischen Parlaments, Brüssel, 17.12.2013

Video des Meetings der Haushaltskommission – Link zur Website des Europäischen Parlaments

Ansprechpartner und -partnerin

Gerhard Schmidt
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institutsbereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Tel. +49-6151/8191-107
E-Mail g.schmidt@oeko.de

Dr. Veronika Ustohalova
Wissenschaftlicher Mitarbeiterin im Institutsbereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Tel. +49-6151/8191-151
E-Mail v.ustahalova@oeko.de