Risiko Pestizide

14.02.2008

Öko-Institut fordert besseres Qualitätsmanagement beim Obst- und Gemüseanbau

Gespritzte Paprika aus Spanien? Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Erdbeeren? Regelmäßig geraten Lebensmittel, die mit gefährlichen Mengen an Pestiziden belastet sind, in die Schlagzeilen. „Im Sinne eines vorbeugenden Verbraucherschutzes ist es daher dringend notwendig, das Qualitätsmanagement im Obst- und Gemüseanbau zu verbessern“, sagt Dr. Ulrike Eberle, Expertin für nachhaltige Ernährung am Öko-Institut. „Pestizide mit besonders kritischen Stoffeigenschaften gehören nicht auf den Acker.“ Jetzt erstellen die WissenschaftlerInnen im Auftrag der Handelskette Edeka eine Ausschlussliste für solche besonders kritischen Pflanzenschutzmittel beim Obst- und Gemüseanbau. Erste Ergebnisse werden zur Jahresmitte erwartet und sollen als Vorgabe an die Produzenten bei der Anbauplanung bereits für die kommende Saison 2009 genutzt werden.

Bereits im letzten Jahr hatte die Handelskette das Öko-Institut beauftragt, das Pestizid-Qualitätsmanagement des Unternehmens kritisch zu durchleuchten. Aufbauend auf einer umfassenden Analyse und einer Auswertung von Pestizidrückstandsdaten der Edeka haben die ExpertInnen ökologische, toxikologische und soziale Leitlinien für den Pestizideinsatz bei Obst und Gemüse entwickelt und ein Maßnahmenpaket vorgeschlagen. Dessen Ziel ist es, die Qualität der Lebensmittel in punkto Umweltverträglichkeit zu verbessern und Risiken durch mögliche Pestizidrückstände für die Gesundheit der KonsumentInnen zu verringern.

„Wir haben unter anderem festgestellt, dass die regionalen Obst- und Gemüselieferanten nicht in dem Maß in das Kontrollsystem eingebunden sind wie die überregionalen und Großproduzenten“, erläutert Dr. Ulrike Eberle. „Einer unserer Vorschläge lautete deshalb, hier zusätzliche Pestizidanalysen vorzunehmen und regionale Produzenten bei den Maßnahmen zur Qualitätssicherung stärker in die Pflicht zu nehmen.“ Auch regionale Lieferanten sind nun aufgefordert, sich nach dem International Food Standard (IFS) oder nach GLOBALGAP zertifizieren zu lassen. Bis Ende Juni 2008 muss der Nachweis von Seiten der regionalen Lieferanten, nach diesen Qualitätsvorgaben zu produzieren, erbracht sein. Für überregionale, nationale und internationale Lieferanten gilt die Zertifizierungspflicht seit 2005.

„Wir haben ebenfalls darauf hingewiesen, dass ein umfassendes Qualitätsmanagement auch Aspekte des Umwelt- und Arbeitsschutzes in den Anbauregionen berücksichtigen muss, also beispielsweise die Frage, welche Auswirkungen durch bestimmte Pestizide auf die Fauna zu erwarten sind oder welche Folgen diese für die Feldarbeiter haben können“, sagt Dr. Ulrike Eberle. Die Handelskette möchte sich jetzt auch verstärkt für bessere Arbeitsbedingungen in den Anbauregionen engagieren und bei den Produzenten die Einhaltung von Sozial-Standards einfordern.

Ansprechpartnerinnen

Dr. Jenny Teufel
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg
Institutsbereich Produkte & Stoffströme
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Rita Groß
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg
Institutsbereich Produkete & Stoffströme
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